Die Beelitzer Heilstätten – Eine wechselvolle Geschichte

Fototour in den verlassenen Beelitzer Heilstätten bei Berlin
Bilder meiner privaten Fototour in den verlassenen Beelitzer Heilstätten bei Berlin im Jahr 2013

Eine private Lost Places Fototour

Die Beelitz Heilstätten sind einer der bekanntesten und schönsten Orte für Freunde der Lost Places Fotografie und Menschen, die mehr über die wechselvolle Geschichte der Tuberkuloseklinik erfahren möchten. Mittlerweile sind weite Teile des Geländes, im Gegensatz zu meinem ersten Besuch im Jahre 2013, touristisch stark erschlossen. Angezogen von der wunderschönen, Architektur und dem morbiden Ambiente der alten Gemäuer ist hier noch heute Zeuge die glanzvolle Zeit des Betriebes um 1900 spürbar. Bei meiner privaten Fototour im Jahr 2013 konnte ich gewaltige Treppenaufgänge mit majestätischen Säulen, lange Flure und lichtdurchflutete Räume fotografieren.

 

Im Jahr 1902 beginnt der Bau der Tuberkuloseheilstätte

Zu Beginn des Jahres 1902 wurden von der Landesversicherungsanstalt Berlin in einem wenige Jahre zuvor angekauften Waldgrundstück die Beelitz Heilstätten mit einer Kapazität von zunächst 600 Betten eröffnet, ein paar Jahre später wurden die Heilstätten auf insgesamt über 1.300 Betten erweitert. Zwischen 1898 und 1902 entstanden auf dem weitläufigen Gelände je eine separate Lungenheilstätte für Frauen und für Männer sowie zwei Sanatorien für Erholungsbedürftige.

Ein modernes Sanatorium für Lungenkranke entsteht

Um möglichst auch viele Menschen dort zu heilen, war es notwendig, dass bei der Planung darauf geachtet wurde, dass die Krankenzimmer leicht und schnell, aber vor allem gründlich gereinigt und desinfiziert werden konnten. Auch brauchte es ausgeklügelte Lüftungssysteme, die den am stärksten geschwächten Patienten, die sich nicht nach draußen bewegen konnten, die frische Waldluft direkt ins Zimmer brachte. Weiterhin kam hier ein völlig neuartiges Fernwärmekraftwerk zum Einsatz, das heißen Wasserdampf für die Heizsysteme und Kochapparate der Küchen herstellte.

Strikte Geschlechtertrennung in Beelitz Heilstätten

Man benötigte außerdem die nötige Versorgungsinfrastruktur wie die nötigen Betriebsgebäude, Nebengebäude. Dazu gehörten auch Wachgebäude und sämtliche Versorgungsbereiche, zum Betrieb erforderlich sind. Es gab zu dieser Zeit eine strikte Geschlechtertrennung zwischen männlichen und weiblichen Kranken. Daher die Unterteilungen in Männerhaus und Frauenhaus. Auf dem über 200 Hektar großen Gelände gab es noch ein Heizhaus, eine Fleischfabrik, eine Backfabrik, ein Gebäude, das als Waschküche diente und eine riesige Kochküche.

In Berlin grassiert um 1900 die Tuberkulose

Ab etwa 1880 gab es in Berlin vermehrt Fälle der damals unheilbaren Krankheit namens Tuberkulose. Die Sterblichkeit lag bei fast 50 Prozent. Die Seuche raffte viele Menschen dahin, die in den dunklen, nassen und kalten Berliner Hinterhöfen lebten und in den vielen Fabriken schuften mussten. Penicillin gab es damals noch nicht und die Einrichtung war nötig, um der gestiegenen Zahl von Tuberkulose erkrankten eine Behandlung an frischer Luft zu ermöglichen.

Die prominentesten Patienten in Beelitz Heilstätten

Während der Kriegsjahre des 1. Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurde hier auch von Oktober bis Dezember 1916 der Gefreite Adolf Hitler behandelt. In den 1990 ger Jahren war es Erich Honecker der sich in Beelitz Heilstätten aufhielt bis er nach einer mehrtägigen Odyssee nach Moskau und später nach Chile flüchtete.

Beelitz Heilstätten als Lazarett in den beiden Weltkriegen

Im Ersten Weltkrieg kam das Militär nach Beelitz Heilstätten, dort wurden damals mehr als 12.000 Soldaten verpflegt. Auch während des Zweiten Weltkriegs kam erneut das Militär nach Beelitz. Ein Militärlazarett wurde hier eingerichtet. Die „Organisation Todt“, die zum Beispiel auch für den Bau der Untertagesverlagerung von Fabriken verantwortlich war, baute in Beelitz zusätzlich zu den vorhandenen Häusern noch Barackenlazarette.

Nach 1945 wurde Beelitz zum sowjetischen Militärhospital

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände von der Sowjetarmee übernommen, welche die einstigen Gebäude bis zum Jahr 1994 als das größte Militärhospital außerhalb Sowjetrusslands nutzen. Nach der Wende gab es immer wieder Bemühungen, dem alten Klinikgelände eine neue Funktion zuzufügen, jedoch scheiterten die Bestrebung meist am Geld, ein Investor meldete 2001 Insolvenz ab. In der alten Männerheilstätte befindet sich heute Rehaklinik, das Areal der Frauenklinik ist Teil eines Baumkronenpfades und wird touristisch genutzt und die beiden Sanatorien südlich der Bahnstrecke werden seit einigen Jahren sukzessive für eine Wohnnutzung restauriert.

Sind die Beelitz Heilstätten frei zugänglich?

Die weitläufigen Parkanlagen, die die historischen Gebäude umgeben, sind für die Besucher frei zugänglich und man braucht keinen Eintritt zu zahlen. Tolle Fotomotive sind dabei möglich, denn die Architektur der historischen wunderschönen Gebäude wie die alte Wäscherei, die alte Chirurgie und der Frauenpavillon von außen ist beeindruckend. Spannende Führungen gibt es für diejenigen, die gern sehen wollen, wie es im Inneren der Gebäude aussieht. Da einige dieser Gebäude bereits restauriert wurden, ist die Auswahl mittlerweile auch nicht mehr groß. Über den Baumwipfelpfad kann man die mächtigen Gebäude auch von oben bestaunen. Nachts ist die komplette Anlage abgesperrt und wird durch ein Sicherheitsunternehmen bewacht.

Die Heilstätten werden restauriert – Ein Wohngebiet ist geplant

Seit einigen Jahren werden die historischen Gebäude originalgetreu restauriert und modernisiert. Als touristische Attraktion wurde im Jahr 2015 ein Baumkronenpfad errichtet, der über das Areal führt. Loft ähnliche Häuser, die zunächst als Ateliers für Künstler gedacht gewesen waren, wurden mittlerweile als Eigentumswohnungen verkauft.

Die Geistergeschichten und schwarze Messen

Beelitz Heilstätten ist auch bekannt für alle Formen von Geschichten zum Thema „Geisterjäger“. In einschlägigen Foren liest man, dass in der Nacht die Geister durch die Flure der Heilstätten laufen. Nachts hört man Schreie, Stimmen, seltsame Geräusche. Schritte in leeren Gängen und auch zuschlagende Fenster und Türen. Es sind seltsame, aber auch spannende Geschichten zugleich.

Was ist in Beelitz Heilstätten passiert?

Großes Aufsehen in den Medien erregten die Morde von Beelitz Heilstätten. Im Jahr 1991 kam es zu einer ersten Mordserie. Die Frau eines russischen Chefarztes verlor ebenso ihr Leben, wie ihr Baby. Der „Rosa Riese“ soll damals der Mörder gewesen sein, und wurde und Mithilfe der Medien regelrecht gejagt. Im Jahre 2008 dann der nächste Mord. Ein Hobbyfotograf erwürgte sein Fotomodell, statt es zu fotografieren. Die beiden hatten sich über das Internet kennengelernt.

 


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