Karl Scheiblers Kraftwerk in Łódź

Lost Places Fototour zu einem ehemaligen Kraftwerk und zwei weiteren düstere Industriedenkmälern mit vielen verrosteten Gerätschaften, Öl, Staub und Ruß.

Eine Lost Places Fototour in Polen

Bei meinen spannenden Lost Places Fototouren zu geheimen Orten passiert es sehr oft das ich aus dem Staunen nicht mehr raus komme. Genauso war es bei dieser Industriedenkmal aus der Gründerzeit, das ich in einer früheren Textilhochburg in Polen entdeckt habe.

Lost Places Fototour zum früheren E Werk

Elektrizitätswerk aus der Gründerzeit

Das Elektrizitätswerk was ich heute besucht habe wurde im Jahre 1910 vom Ingenieur Alfred Frisch in der Jugendstil Bauweise erbaut und diente für die Textilfabrik als Hauptenergiequelle. Die Architektur des Turbinenraums ist mit abwechslungsreichen Konturen und großen Fenstern erbaut. Die gesamte Inneneinrichtung besteht unter anderem aus original Jugendstil- Fliesen, die heute noch existieren. Der Detailreichtum ist unermesslich und ist hier fast überall zu entdecken. Jedes Element ist mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail eingebaut. Das Kraftwerk besteht aus zwei miteinander verbundenen Gebäuden, dem Maschinenraum und dem Heizhaus.

Fototour zum E Werk aus der Gründerzeit

Textilfabrik wurde nach dem 2 Weltkrieg verstaatlicht

Einige Tage nach der Befreiung von Łódź wurde die Produktion im Werk wieder aufgenommen. Am 22. Januar 1945 startete die Besatzung der Spinnerei die alten Maschinen. Möglich wurde dies durch die Rohstoffreserven, die die deutschen Besatzer nicht aus der Stadt schaffen konnten. Dank des enormen Einsatzes der Besatzung wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1945 etwa ein Drittel des bestehenden Maschinenparks in Betrieb genommen. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurden in der Fabrik Baumwollprodukte hergestellt. In den 1950er Jahren wurden künstliche und synthetische Rohstoffe verwendet. Das Sortiment umfasste Bettwäsche, Leinen, Deko- und Bekleidungsstoffe. Alles wurde aus ihnen genäht: von Decken, Mänteln und Kleidern über Schlafanzüge, Tischdecken oder Servietten.

Eines der erfolgreichsten Textilunternehmen in Polen

Uniontex produzierte sowohl für den Binnenmarkt als auch für den Export. Kurz nach dem Krieg gingen die meisten Produkte an die Sowjetarmee und die polnische Armee. Schon bald wurden die Stoffe im Westen verkauft. Neben Norwegen, Griechenland oder Kanada auch an exotische Abnehmer wie Burma, Irak, Saudi-Arabien und Marokko. So wie Uniontex das größte Unternehmen des Landes war, hatte es auch den größten Anteil am Export von Baumwollprodukten und dieser überstieg sogar die 20 % Marke.

Rostige Gerätschaften im alten Kraftwerk

Im Juni 1987 besuchte Papst Pohannes Paul II. die Textilfabrik

Am 13. Juni 1987 traf sich Johannes Paul II. während seiner Pilgerreise durch Polen mit den überwiegend weiblichen Mitarbeiterinnen in der Uniontex-Fabrik. “Ich drücke meine Freude aus, dass ich heute in Ihrer Stadt die große Welt der Arbeiter treffen kann, die – hier in Lodz – eine überwiegend durch selbstbewußte Frauen bestimmt wird. Ich füge hinzu, dass dies ein beispielloses Ereignis ist. Niemals während meiner pastoralen Besuche in Italien oder anderen internationalen Ländern, obwohl ich mich oft mit Arbeitern treffen, war ich noch in keinem Werk in dem so viele Frauen arbeiten.”

Besuch des Papstes in der Textilfabrik

Copyright: Archidiecezja Łódzka

Nach 1989 kam der Niedergang und die Schließung auf Raten

Nach 1989 waren Uniontex und andere Textilunternehmen in Łódź auf einem wettbewerbsintensiven Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Die Produktion ging zurück und die Schulden des Unternehmens stiegen. Das mittlerweile privatisierte Unternehmen begann Immobilien zu verkaufen. 1999 kaufte ein Investor die Weberei für 7,5 Mio. PLN. Er verkaufte es später für 8 Millionen Dollar an den Lebensmittelkonzern Leclerc. Dort sollte eigentlich ein SB-Warenhaus entstehen, aber die Investition wurde nie realisiert. Das Industriedenkmal verwandelte sich schnell in einen Lost Place.

Das Heizhaus im ehemaligen Kraftwerk einer Textilfabrik

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