Industriedenkmal Braunkohlekraftwerk Plessa

Schaltwarte-Braunkohlekraftwerk-Plessa
Schaltwarte-Braunkohlekraftwerk-Plessa - Foto Urbexplorer Reisen

Eines der ältesten erhaltenen Braunkohlekraftwerke Europas

Braunkohlekraftwerk Plessa: Das Kraftwerk Plessa ist ein Industriedenkmal in der Stadt Plessa im Landkreis Elbe-Elster, Brandenburg, Deutschland. Es ist eines der ältesten im Originalzustand erhaltenen Braunkohlekraftwerke Europas. Es wurde 1927 von der Elektrizitätsgesellschaft Gröba in Betrieb genommen. In den 1920er und 1930er Jahren galt es als eines der modernsten Spitzenkraftwerke seiner Zeit.

Die-Hauptturbine-im-Braunkohlekraftwerk-Plessa-Foto-Urbexplorer-Reisen
Die-Hauptturbine-im-Kraftwerk-Foto-Urbexplorer-Reisen

Nach Abschluss der drei Hauptbauabschnitte im Jahr 1942 hatte das Kraftwerk eine Leistung von 54 MW, die nach der Reparatur im Jahr 1945 auf 34 MW zurückging. Das Kraftwerk wurde im April 1992 abgeschaltet und vom Netz genommen. 1998 wurde es unter dem Motto „Kraftwerk im Wandel“ als „Erlebniskraftwerk“ in die Projektliste der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land aufgenommen und sein Abriss verhindert. Der Bau des Kraftwerks erfolgte in drei Hauptphasen von 1926 bis 1942. Die erste Ausbaustufe des Kraftwerks, von 1926 bis 1928, sah den Bau des ersten Kraftwerksabschnitts, einschließlich des Verwaltungsteils, Elektro, vor Schaltanlage und ein 115,2 Meter hoher Schornstein.

In-der-Kraftwerkshalle
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Damals das modernste Kraftwerk in Deutschland

Die erste Turbine, Turbine 1, die 1927 in Betrieb genommen wurde, hatte eine Leistung von 8.000 kW. In dieser Zeit wurden auch die Kessel 1-3 und der Kühlturm I errichtet. 1928 kamen die Turbine 2 mit einer Leistung von 10.000 kW und der Kühlturm II hinzu. In den Jahren 1929 und 1930 wurden in der zweiten Ausbaustufe die Maschinen- und Kesselhäuser erweitert, die Freibunkeranlage und weitere Nebenanlagen errichtet. 1930 wurden Turbine 3 mit einer Leistung von 16.000 kW und Kessel 4 in Betrieb genommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Kraftwerkes demontiert

In der dritten Ausbauphase von 1936 bis 1942 erfolgte die Erweiterung und Fertigstellung des Maschinen- und Kesselhauses sowie der Anbau für die Wasseraufbereitung. In dieser Zeit wurden weitere Nebenanlagen geschaffen und zwischen 1940 und 1941 ein zweiter 120 Meter hoher Schornstein gebaut, der zum Abzug der Gase aus den Kesseln 4 und 5 diente. 1942 folgte eine vierte Turbine mit einer Leistung von 20.000 kW in Betrieb genommen, aber nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 als Reparationsleistung an die Sowjetunion übergeben.

Schaltwarte-Braunkohlekraftwerk-Plessa
Schaltwarte-Braunkohlekraftwerk-Plessa – Foto Urbexplorer Reisen

Am 22. Juli 1985 wurde die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt

Nach dem 2. Weltkrieg wurden verschiedene Instandsetzungs- und Modernisierungssanierungen durchgeführt, wie die Erneuerung der Maschinenhausdecke 1950, der Bau des Kühlturms IV 1954 und der Einbau größerer Transformatoren beim Umbau von 60 kV auf 110 kV 1973. Von 1976 bis 1978 erfolgte die Umstellung des Kohletransports über ein Schrägförderband. Am 22. Juli 1985 wurde die gesamte Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Das Kraftwerk gehörte zuletzt vor der politischen Wende zum Gaskombinat Schwarze Pumpe.

Am 14. April 1992 wurde Kraftwerk vom Netz genommen

Nach der Auflösung durch die Berliner Treuhandanstalt übernahm die Gemeinde Plessa gemeinsam mit der Hanseatischen Aktiengesellschaft das Kraftwerk zur weiteren Stromerzeugung. Das neue Konzept für das Kraftwerk sah vor, Erdgas als Energiequelle zu verwenden, was erhebliche Investitionen und umfassende Renovierungen erfordert hätte. Das Projekt scheiterte und wurde nicht umgesetzt. Am 14. April 1992 wurde der letzte Turbosatz abgeschaltet und das Kraftwerk vom Netz genommen. Am 1. Januar 1996 wurde die Plessa-Gemeinde alleiniger Eigentümer des Kraftwerks.

Der Gebäudekomplex besteht aus folgenden Teilen:

Maschinenhaus

Das 96 Meter lange, mit Ziegeln verkleidete Stahlskelettgebäude beherbergte die für die Stromerzeugung notwendigen Turbinen und Generatoren.

Turbinenkapazität:

  • Turbine 1: 8 Megawatt
  • Turbine 2: 10 Megawatt
  • Turbine 3: 16 Megawatt
  • Turbine 4: 20 Megawatt (abgebaut 1945) Gesamt: 54 Megawatt (1942-1945)

Kesselhaus

Der 84 Meter lange, mit Ziegeln verkleidete Stahlskelettbau beherbergte fünf Wasserrohrkessel zur Dampferzeugung. Oberhalb des Kesselhauses befindet sich der Hochbunker, ein Kohlelager, das über ein Förderband versorgt wurde. Dazu kam ein 1926 gebautes Becherwerk, das in einer Stunde über einen Brecherstollen 60 Tonnen gebrochene Rohbraunkohle vom Außenbunker in den Hochbunker transportieren konnte. Parallel zum Hochbunker verliefen zwei Förderbänder. Sie wurden verwendet, um die Kohle auf die 2.000-Tonnen-Bunkertaschen zu verteilen. Der Freibunker, eine 35 Meter lange eingleisige Stahl-Beton-Konstruktion, fasste bei seiner Erbauung 1926 235 Tonnen Rohbraunkohle. 1928 wurde er zweigleisig nach Norden verlängert , mit einer Länge von 104 Metern und einer Kapazität von 1.200 Tonnen.

Kühltürme

Die vier Kühltürme dienen sie zur Abkühlung des Kondensatorkühlwassers, welches in den Kondensatoren den aus den Turbinen austretenden, entspannten Dampf zu Wasser kondensiert. Sterben 1938 bzw. 1954 errichteten Kühltürme 3 und 4 wurden im Zuge der Sanierung schon zurückgebaut. Die Wasserversorgung für das benötigte Kühlwasser erfolgte über Tiefbrunnen. Eine Wasserentnahme aus der ca. 2 km entfernten Schwarzen Elster erfolgte über eine Doppelleitung zur Versorgung mit Zusatzwasser und für die übrige Hauptwasserversorgung. Hierfür entstandene Mann am Fluss ein Pumpenhaus mit einer stündlichen Förderleistung von 75 Kubikmeter. Die Wasseraufbereitung berechnete zwei ca. 11 m hoher Wasserbehälter. Von hier wurde das Kesselspeise- und das Kühlwasser entnommen.

Auf dem Gelände befinden sich auch mehrere andere Gebäude wie das Schalthaus, das Verwaltungsgebäude, die Elektrowerkstatt und diverse andere Nebengebäude. Auf dem Gelände befand sich auch der Sozialtrakt, in dem Kantine, Umkleidekabinen und Waschräume untergebracht waren. Das 1940 erbaute Torhaus diente über viele Jahre als Informationspunkt für Besucher. Seit einigen Monaten ist das Gelände komplett verlassen und wird zunehmend von Vandalen und Metalldieben geplündert.

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