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Fototour Niederschlesien: Die Auferstehung der Perle von Żeliszów
Es gibt Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Als ich im Jahr 2015 zum ersten Mal vor der evangelischen Kirche in Żeliszów stand, hielt ich unwillkürlich den Atem an. Es war kein Moment der Ehrfurcht, sondern einer der puren Beklemmung. Das Dach klaffte wie eine offene Wunde, der Regen fraß sich unaufhaltsam in das historische Gebälk und das stolze Bauwerk zitterte förmlich vor seinem endgültigen Ende. Wer damals hier war, spürte die Melancholie eines Ortes, der bereits mit seinem Schicksal abgeschlossen hatte. Doch heute, Jahre später, erzählt diese märchenhafte Kirche eine Geschichte von Widerstand, Leidenschaft und einer fast unmöglichen Wiedergeburt.

Die Vision eines genialen Baumeisters
Man erwartet vieles in der schlesischen Provinz, aber nicht dieses architektonische Juwel. Das Gebäude wurde zwischen 1796 und 1797 auf einem markanten elliptischen Grundriss errichtet. Während viele Experten den Entwurf dem Baumeister Grundmann zuschreiben, deuten die klare Formsprache und die genialen Sichtachsen auf Carl Gotthard Langhans hin, den Schöpfer des Brandenburger Tores. Das Äußere der Kirche gibt sich bescheiden und schlicht, doch wer das Portal durchschreitet, findet sich in einem gigantischen ovalen Rund wieder. Zwei breite Galerien ziehen sich wie Balkone eines antiken Theaters um den Raum, getragen von mächtigen, glatten Säulen, die eine fast hypnotische Symmetrie ausstrahlen. Erst im Jahr 1872 erhielt das Bauwerk seinen sandsteinernen Glockenturm, der wie ein steinerner Wächter an der Südostseite über das Dorf wacht.
Jahrzehnte der Vernachlässigung und des Vergessens
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 begann für die Kirche ein tiefer und schmerzhafter Fall. Die neuen katholischen Bewohner des Dorfes nutzten die benachbarte Pfarrkirche, und das meisterhafte Bauwerk geriet in Vergessenheit. Was folgte, war ein trauriges Kapitel der Geringschätzung: Das Gebäude diente zeitweise als Schafstall, Fensterrahmen wurden herausgerissen und die Turmspitze stürzte schließlich in die Tiefe. Sogar als Quelle für privates Baumaterial musste die Kirche herhalten. Ohne Hilfe drang bei jedem Regen Wasser durch das löchrige Dach ein und der angrenzende, verlassene Friedhof mit seinen überwucherten Grabsteinen unterstrich das Bild des endgültigen Verfalls.
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Ein Wettlauf gegen die Zeit: Die Rettung in letzter Sekunde
Dass wir heute überhaupt noch durch diese Galerien wandeln können, grenzt an ein kleines Wunder und ist der Verdienst der Warschauer Stiftung „Twoje Dziedzictwo“. Am 17. Juli 2013 übernahm sie das Ruinengelände in einem Zustand, den man nur als klinisch tot beschreiben konnte. Es war eine Rettung in buchstäblich letzter Sekunde. Mit dem offiziellen Baubeginn im Juni 2014 begann ein mühsamer Prozess der Sicherung und Restaurierung. Dank privater Spenden, staatlicher Unterstützung und dem unermüdlichen Einsatz von Denkmalschützern wurde das Dach geschlossen und die Statik gerettet.
Ein neues Kapitel: Wenn Architektur wieder zum Klingen kommt
Heute ist die Kirche kaum wiederzuerkennen. Die einstige Ruine hat sich in die strahlende „Perla Żeliszowa“ verwandelt. Die Restaurierung ist mittlerweile fast vollständig abgeschlossen, die Mauern sind trocken und die Fenster lassen das Tageslicht wieder so in den Raum fluten, wie es sich die Erbauer vor über zwei Jahrhunderten gedacht hatten. Doch das Wichtigste ist, dass die Kirche kein stummes Denkmal geblieben ist. Die einzigartige Akustik des ovalen Raums wird heute für Konzerte, Vernissagen und hochkarätige Kunstperformances genutzt. Der Ort ist zu einem pulsierenden Kulturzentrum geworden, das Besucher aus ganz Europa anzieht und zeigt, dass Ruinen wieder atmen können, wenn man nur fest genug an sie glaubt.

Das Wunder von Żeliszów: Wenn Steine wieder atmen
Wer die Kirche heute betritt, wird sie kaum wiedererkennen. Der Anblick, der sich mir 2015 bot – ein sterbendes Gerippe, dem Verfall preisgegeben – gehört endgültig der Vergangenheit an. Aus dem einstigen Sorgenkind Niederschlesiens ist die „Perle von Żeliszów“ (Perła Żeliszowa) geworden.
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Ein Denkmal kehrt ins Leben zurück
Die Restaurierung ist mittlerweile weit fortgeschritten und hat das Gebäude in einen Zustand versetzt, den viele für unmöglich hielten. Das Dach ist nicht mehr nur dicht, sondern originalgetreu rekonstruiert. Die markanten elliptischen Emporen erstrahlen wieder in hellem Holz, und die Fenster lassen das Tageslicht so in den Raum fluten, wie es sich Carl Gotthard Langhans vor über 200 Jahren erträumt hatte. Besonders beeindruckend: Die Mauern wurden getrocknet und stabilisiert, und auch der markante Glockenturm steht wieder sicher über dem Dorf. Es ist nicht mehr nur eine gesicherte Ruine – es ist wieder ein Gebäude mit Seele.
Ein neuer Klang: Konzerte und Kultur
Die wichtigste Nachricht für alle Kulturliebhaber: Die Kirche ist kein totes Museum. Die Stiftung „Twoje Dziedzictwo“ hat ihr Ziel erreicht und den Ort in eine lebendige Kulturarena verwandelt.
- Die Akustik: Durch den ovalen Grundriss besitzt die Kirche eine einzigartige, fast ätherische Akustik.
- Veranstaltungen: Heute finden in der „Perla“ regelmäßig Konzerte, Vernissagen und Kunstperformances statt. Von klassischer Musik bis hin zu atmosphärischen Lichtinstallationen wird der Raum für Events genutzt, die Menschen weit über die Grenzen Polens hinaus anlocken.
- Besichtigungen: Die Kirche kann heute sicher besichtigt werden. Sie ist zu einem Symbol dafür geworden, was Leidenschaft und bürgerschaftliches Engagement bewirken können.

Mein Fazit: Ein Besuch, der Hoffnung macht
Vom Schafstall und Fast-Einsturz zur strahlenden Kulturikone – Żeliszów ist heute ein Pflichtstopp für jeden, der die Geschichte Schlesiens verstehen will. Es ist ein Ort, der beweist, dass es sich lohnt, für das kulturelle Erbe zu kämpfen, auch wenn die Lage aussichtslos scheint. Wenn ihr heute dorthin fahrt, bringt Zeit mit. Setzt euch auf eine der Bänke, schließt die Augen und lauscht. Manchmal kann man den Nachhall der Konzerte noch in den alten Säulen spüren.






