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Unterwegs auf der Route der Industriekultur: Die Kokerei Hansa in Dortmund
Manchmal muss man die Perspektive wechseln, um die wahre Dimension einer Region zu verstehen. Wer das Ruhrgebiet heute bereist, sieht grüne Halden, moderne Unicampus-Areale und belebte Innenstädte. Doch direkt unter der Oberfläche – und an einigen markanten Punkten über der Erde – atmet die Geschichte der Kohle und des Stahls weiter. Das größte Netzwerk für diese Spurensuche ist die Route der Industriekultur.
Einer der technisch faszinierendsten Stopps auf diesem über 400 Kilometer langen Rundkurs ist die ehemalige Zentralkokerei Hansa in Dortmund-Huckarde. Hier wird Industriegeschichte greifbar, sachlich und visuell eindrucksvoll.

Spuren der Vergangenheit: Entstehung der Zentralkokerei Hansa
Europäische Route der Industriekultur: Die Zentralkokerei Hansa, die letzte von 17 Kokereien, die während der gewaltigen Rationalisierungsanstrengungen in den 1920er Jahren im Ruhrgebiet entstanden, hat nicht nur ihre Gegenwart, sondern auch eine eindrucksvolle Geschichte zu erzählen. Errichtet aus der Notwendigkeit heraus, die veraltete Technik der kleineren Kokereien in Dortmund zu modernisieren, sowie dem strategischen Standortvorteil durch die angrenzende Zeche Hansa, wurde die Kokerei Hansa geboren.

Das Netzwerk: Was ist die Route der Industriekultur?
Die Route der Industriekultur verbindet die wichtigsten Denkmäler der Industriegeschichte im Ruhrgebiet zu einem einzigartigen Open-Air-Museum. Das System basiert auf einem logischen Raster:
Die Ankerpunkte: Insgesamt 27 primäre Standorte bilden das Rückgrat der Route. Dazu gehören Welterbestätten wie die Zeche Zollverein in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord und eben die Kokerei Hansa.
Die Themenrouten: Über 30 spezialisierte Unterrouten widmen sich bestimmten Aspekten, wie der “Europäischen Route der Industriekultur” (ERIH), Arbeiterbereichen oder der Logistik an Kanälen und Bahntrassen.
Das Panorama: 17 Aussichtspunkte auf ehemaligen Halden (wie die Landmarke Tiger & Turtle oder das Tetraeder in Bottrop) und bedeutende Arbeitersiedlungen komplettieren das Bild.
Die Kokerei Hansa besetzt in diesem Netz eine Schlüsselrolle: Sie dokumentiert den exakten Zwischenschritt der schweren Kette von der Kohleförderung bis zur Stahlveredelung

Der Ort: Wo die Kohle zu Koks wurde
Wer das Gelände der Kokerei Hansa betritt, merkt schnell, dass diese Anlage nicht für das Auge gebaut wurde, sondern rein für die Funktion. Die Architekten Helmuth von Stegemann und Ernst Stein entwarfen den Komplex Ende der 1920er Jahre als hocheffiziente Fabrik der Moderne. Alles folgt einer strengen, linearen Logik – dem Produktionsweg.
Der Verbundgedanke im Detail
Hansa war keine isolierte Fabrik. Sie funktionierte nur im direkten Zusammenspiel mit ihrer Umgebung:
- Die benachbarte Zeche Hansa lieferte die Rohkohle über Förderbänder direkt in die Anlage.
- In den Koksöfen wurde die Kohle unter Luftabschluss bei Temperaturen von über 1.000 °C gebacken (verkokt), um den für die Hochöfen notwendigen, reinen Kohlenstoff zu gewinnen.
- Der fertige Koks ging per Bahn direkt an die Dortmunder Hüttenwerke, während das entstandene Koksgas gereinigt und weiterverwendet wurde.
Nach dem Ausbau in den 1950er Jahren lief die Anlage auf Hochtouren: 5.200 Tonnen Koks verließen den Standort – Tag für Tag. Erst im Dezember 1992, nach dem Niedergang der regionalen Stahlindustrie, gingen die Öfen endgültig aus.

Blickwinkel für Fotografen: Die drei Kernbereiche
Für die dokumentarische und architektonische Fotografie ist Hansa ein extrem dankbares Motiv, weil die Strukturen der funktionalen Sachlichkeit über Jahrzehnte konserviert wurden. Drei Bereiche stechen dabei besonders heraus:
Die Koksbatterien und die Ofenstraße
Die schiere Repetition der Ofentüren zieht das Auge automatisch an. Hier dominieren geometrische Formen, rostige Leitungen und die mächtigen Steigerohre, die das Rohgas abführten. Der vertikale Ankerpunkt für Weitwinkelaufnahmen ist der massive Löschturm, unter dem der glühende Koks mit enormen Wassermengen heruntergekühlt wurde.
Die Kompressorenhalle (Das Maschinenhaus)
Das architektonische Herzstück im Innenbereich. In der riesigen Halle stehen die historischen, dampfbetriebenen Gaskolbenkompressoren. Sie saugten das gereinigte Gas ab und pressten es in das Ferngasnetz. Fotografisch besticht die Halle durch ihre großen Fensterfronten, die je nach Sonnenstand harte, grafische Lichtkegel auf die perfekt ausgerichteten Maschinenreihen werfen.
Die Kohlenmischanlage
Ein massiver Betonbau, an dem der Zahn der Zeit am deutlichsten sichtbar ist. Hier wurde die Feinkohle vor dem Verkokungsprozess sortiert und gemischt. Die steilen Förderbandbrücken, die das Gebäude in alle Richtungen verlassen, bieten hervorragende diagonale Linienführungen für den Bildaufbau.

Ausrüstungstipps für deine Fototour vor Ort
Um die monumentale Architektur und die technischen Details präzise auf den Sensor zu bekommen, gehört folgendes Equipment in den Fotorucksack:
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