In den Bergen des Kaukasus in Nordossetien ruht Dargavs – ein Dorf, in dem niemand mehr lebt. Zwischen uralten Gräbern, Sagen und Stille offenbart sich ein Ort, der den Blick auf Leben und Tod für immer verändert.
Inhaltsübersicht
Ist Dargavs die Stadt der Toten?
Es war noch früher Morgen, als ich die Serpentinen hinauf in die abgelegenen Täler Nordossetiens fuhr. Nebel kroch wie kalter Atem über die Hänge, verhüllte die schroffen Gipfel und legte einen gespenstischen Schleier über die Landschaft. Schon aus der Ferne konnte ich die ersten weißen Steinhäuser erkennen – kleine, spitze Dächer, dicht an dicht gedrängt. Doch niemand lebte dort. Dargavs, das „Dorf der Toten“, wartete.

Stille zwischen Stein und Geschichte
Die Straße endete, als sich das Tal öffnete. Ich stieg aus und trat in eine Stille, die so dicht war, dass selbst mein Atem zu laut klang. Zwischen kniehohem Gras und alten Pfaden ragten über hundert steinerne Mausoleen auf, jedes ein Haus der Vergangenheit. Die Luft war kühl, feucht – und schwer von Geschichten.
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Die Legende von der verlorenen Rückkehr
Ein alter Mann aus einem Nachbardorf hatte mich gewarnt: „Wer Dargavs betritt, kehrt nicht mehr zurück.“ Er meinte es nicht als Drohung, sondern als traurige Wahrheit. Schon vor Jahrhunderten, erzählte er, habe eine Seuche das Tal heimgesucht. Familien, ganze Dörfer, fanden hier ihre letzte Ruhe. Manche bauten sich ihre Gräber selbst, als sie wussten, dass der Tod schon auf dem Weg war.

Das Boot der Seelen
Ich öffnete die Tür eines der Mausoleen – sie ächzte in den Angeln. Drinnen war es kühl und dämmrig, das Licht fiel nur durch eine winzige Öffnung. In einem steinernen Raum lag ein Holzgestell, und darauf etwas, das aussah wie die Überreste eines Bootes. Man sagte, die Menschen glaubten, die Seelen würden den Fluss in die Unterwelt überqueren – wie einst bei den Griechen. Dieses Boot sollte helfen, die Reise anzutreten.
Zeichen der Erinnerung
Draußen glitzerte Wasser in kleinen Brunnen, die vor fast jedem Mausoleum lagen. Münzen auf dem Grund – Opfergaben, sagte man. Wirf die Münze, und wenn sie auf einem Stein landet, weißt du: Die Seele hat den Weg gefunden. Ich tat es – und als die Münze klirrend aufschlug, schwor ich, für einen Moment den Wind flüstern zu hören.

Der Blick der Ewigkeit
Als die Sonne hinter den Gipfeln verschwand, färbte sich der Himmel blutrot. Ich blickte zurück auf die steinernen Häuser – Hunderte, schweigend, unbewegt, als wachten sie über ein Geheimnis, das niemand ganz begreifen kann. Dargavs wirkte nun weniger wie ein Ort, mehr wie ein Spiegel der Angst und Ehrfurcht, die die Menschen seit Jahrhunderten mit dem Tod verbinden.
Und während ich zurück ins Tal fuhr, spürte ich den Blick des Wachturms auf mir – stumm, uralt, als wolle er prüfen, ob ich wirklich gehen durfte.
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