Die Wehrkirchen in Siebenbürgen

Fotoreise nach Rumänien - Auf den Spuren von Dracula

Eine verlassene Kirchenburg in Siebenbürgen

Auf unserer Fotoreise „Auf den Spuren von Dracula” durch Siebenbürgen entdeckten wir in einem kleinen Dorf diese geheimnisvolle evangelische Kirchenburg. Sie besteht aus einer imposanten Wehrkirche und dem dazugehörigen Glockenturm. Allen Lost Places Fotografen in unserer Gruppe schlug das Herz höher als wir durch die schwere Holztür in das Innere gelangten. In dieser Kirche wurde seit etwa drei Jahrzehnten keine Messe mehr gesungen. An diesem Tag tauchte das warme Abendlicht den Altar in eine märchenhafte Lichtstimmung. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen ist hier noch alles unversehrt und mit einer dicken Staubschicht übersät. Ein prächtiger Altar mit Bänken und Gesangsbüchern sowie eine wunderschöne Orgel waren die Höhepunkte unserer Fototour hierher.

Schutz vor Angriffen von Feinden im Mittelalter

Wer durch Siebenbürgen abseits der Schnellstraßen unterwegs ist, entdeckt die Kirchenburgen, die sich inmitten der typischen Straßendörfer erheben. In vielen Gegenden im heutigen Rumänien hat sich diese urbane Dorfplanung aus der Zeit der Siebenbürger Sachsen erhalten. Die kriegerischen Zeitläufe des europäischen Mittelalters ließen auch in anderen Gegenden in Europa – von Dänemark bis Südfrankreich, von Lothringen bis Polen – Wehrkirchen entstehen, doch nirgendwo finden wir sie in solcher Dichte und Vielzahl zusammengedrängt wie in dieser Region in Rumänien. Die Besonderheit der Kirchenburg in Siebenbürgen ist, dass die Verteidigungssysteme während des 15 und 16. Jahrhunderts an schon vorhandene, oft noch dem Ende des 12. und dem 13. Jahrhundert entstammende Kirchenburgen integriert wurden. Der Bau der Kirchen hat sich hier in mehreren Etappen über viele Jahre vollzogen, an denen heute die Entwicklung der mittelalterlichen Bautechniken, der Übergang vom romanischen zum gotischen Stil präzise verfolgt werden kann.

Widerstandskraft mächtigen Wehrtürmen und der steinernen Ringmauern

Jede dieser Etappen ist durch geschichtliche Ereignisse hervorgerufen worden, das oft durch die Zerstörung, die von einfallenden Feinden ausgelöst worden ist. Das Ergebnis ist, dass die Kirchenburgen in ihrer Baugeschichte die steinernen Zeugen der Geschichte ihrer Erbauer darstellen und ein Symbol der Siebenbürger Sachsen und ihrer Heimat geworden sind. Und das wie ich finde zu Recht, denn diese Monumentalbauten sind die Leistung einer Gemeinschaft, der sächsischen Bauern, deren Wesensart und Gesinnung, Sturheit und Widerstandskraft aus den mächtigen Wehrtürmen spricht und aus der ernsten Einfachheit der steinernen Ringmauern.

Ernstfall fanden die Bewohner Zuflucht bei Angriffen von plündernden Soldaten

Die seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bestehenden, in der fruchtbaren Hochebene Siebenbürgens gelegenen jungen sächsischen Siedlungen waren durch die zwischen 1420 und 1650 unzählige Male sich wiederholenden Angriffe der Osmanen gezwungen, ihre Bevölkerung vor dem Feind zu schützen. Allein auf die eigene Widerstandskraft angewiesen, wurden die sächsischen Städte zu Festungen, die Dorfgemeinschaften umgaben ihre Kirche. Im Ernstfall fanden die Bewohner Zuflucht im größten und sichersten Steinbau im Dorf. Die Kirchenburg konnte alle Dorfinsassen aufnehmen und mit Ringmauern und Wehrtürmen einen optimalen Schutz bieten. Nicht allein gegen Türken und Tataren, aber auch gegen die Söldnertruppen der um die regionale Macht streitenden Grafen und Barone Transsylvaniens mit dem Hause Habsburg, fand die gesamte Dorfbevölkerung, mit Vieh und beweglicher Habe, in ihrer Kirchenburg Schutz.

Ein Brunnen und Vorrat an Nahrungsmitteln sicherte das Überleben

Dank der hier im Vorfeld angelegten Vorräte an Getreide und Speck und der im Burghof oder gar im Kirchenschiff befindlichen Brunnen, konnten die Bauern hier ausharren.  Nachdem die wilden Horden sengend, brennend und plündernd vorbeigezogen waren und das schöne Dorf in einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelt haben konnten die Bewohner die sichere Festung verlassen und das Ausmaß der Zerstörung sehen. Aber man ist wenigstens mit dem Leben davon gekommen.


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