Bergbausiedlung Pyramiden – ein Lost Place in der Arktis

Spitzbergen Foto: Izabela Winter

Geschichte der nördlichsten Geisterstadt der Welt

In einer kargen Gegend in der Arktis liegt Pyramiden am nördlichen Ausläufer des Billefjord. Der Genosse Lenin blickt wie immer noch über seine Stadt hinüber zum Gletscher Nordenskjöldbreen. Der Wind pfeift uns um die Ohren, denn der kurze Sommer ist hier schon Mitte September vorbei. Mittlerweile ist die Siedlung verlassen, doch die Wohn- und Wirtschaftsgebäude trotzen immer noch dem Eis und der Kälte und sind in einem einigermaßen guten Zustand. Wenn man durch die Gebäude streift fühlt man sich so als sei dort erst gestern die Zeit stehengeblieben. Urbexplorer Reisen hat die entlegene Siedlung mehrmals im Rahmen der Spitzbergen Lost Places Fototour besucht und erzählt hier eine kurze Geschichte der nördlichsten Geisterstadt der Welt.

Spitzbergen & Lost Places Tour

Sowjetischer Außenposten im kalten Krieg

Bis 1920 war die Inselgruppe mit ihrer Fläche von etwa 61.022 Quadratkilometern in der Arktis quasi Niemandsland. Erst der Spitzbergen-Vertrag von 1920 hat die Insel auf eine vertragliche Grundlage gestellt. Spitzbergen wurde unter norwegische Verwaltung gestellt, aber alle Bürger der Unterzeichner-Staaten erhielten visafreien Zugang und das Recht auf wirtschaftliche Nutzung. Dies ist bis heute noch so. Außerdem wurde Spitzbergen zur entmilitarisierten Zone erklärt. Zudem war dies zu Zeiten des Kalten Krieges eine außergewöhnliche Situation, dass ein russischer Außenposten mitten im Nato-Territorium stationiert ist.

Spitzbergen & Lost Places Tour

Die ersten Siedler kamen schon sehr früh

Es waren reichhaltige Kohlevorkommen, die die Menschen einst so weit hoch in den Norden zogen. Im Jahre 1910 nahm eine schwedische Bergbaugesellschaft das Gebiet in Besitz, um die Kohlevorkommen abzubauen. Da sich der wirtschaftliche Erfolg in Grenzen hielt, wurde das Gelände im Jahr 1926 an Russland verkauft. 1931 übernahm die staatseigene Firma Trust Arktikugol alle russischen Liegenschaften auf Spitzbergen. In den Folgejahren machten die Sowjets aus dem Ort die damals größte Siedlung auf Spitzbergen.

Kohlebergwerk Pyramiden

Eine einstmals pulsierende Bergarbeiterstadt in der Arktis

In der einst quirligen Bergarbeiterstadt wohnten einst etwa 715 Männer, 228 Frauen und 71 Kinder. Zur hervorragenden Infrastruktur gehörte eine Schule, ein Kindergarten, ein Krankenhaus, dazu eine Feuerwehrstation, die auch als Gefängnis diente, ein Kulturpalast mit Kino, ein Hotel, ein Sportzentrum und ein Schwimmbad. Noch stehen alle Gebäude, diese sind aber bedingt durch Frost und Kälte dem Verfall preisgegeben. Wenn man auf Erkundungstour durch die verlassenen Gebäude ist, merkt man sofort, wie hastig die Stadt damals aufgegeben wurde. In der Bibliothek und dem ehemaligen Kulturpalast scheint es so als, ob gestern nur das Licht ausgemacht wurde. In der Sporthalle sind die Geräte noch aufgebaut und im Schwimmbad fehlt nur noch das Wasser.

Es war eine logistische Meisterleistung die Bergarbeiterstadt Pyramiden in dieser Form aufzubauen. Denn alle Materialien und Baustoffe wie Ziegelsteine, Stahl, Holz, Beton, und Plastik mussten mit dem Schiff aus der Sowjetunion herangeschafft werden. Auch wenn es im Nachhinein kurios klingen mag, mussten sich die Arbeiter einer intensiven Bewerbungsprozedur unterziehen. Denn nur die besten und fleißigsten durften mit ihren Familien für zwei Jahre nach Pyramiden ziehen.

Spitzbergen & Lost Places Tour

Ein Leben abgeschnitten von der Außenwelt

Das Leben soll hier deutlich besser gewesen sein als in der Heimat. Und das, obwohl die Stadt die meiste Zeit völlig von der Außenwelt abgeschnitten war. Gelegentlich landete ein Versorgungshubschrauber aus dem 100 Kilometer entfernten Longyearbyen oder der zweiten russischen Siedlung Barentsburg. Nur zwischen Juli und September konnten Schiffe den Billefjord gefahrlos befahren. Pyramiden funktionierte fast autark. Das Herz war das Kraftwerk, es versorgte Mine und Menschen mit Strom. Gleichzeitig floss warmes Wasser durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem über der Erde zu den entsprechenden Gebäuden und sorgte somit für tropische Wärme. Wegen des Permafrostes würden Wasserleitungen in der Erde ganz schnell einfrieren und bersten. Die Tiere versorgten die Einwohner mit Fleisch, Milch und Eiern. Im Gewächshaus wurden Gurken, Petersilie, Tomaten, Zwiebeln, Salat und Blumen angebaut. Nach einer statistischen Erhebung aus dem Jahr 1975 haben die Menschen in der arktischen Kälte 35000 Kilo Fleisch, 48000 Liter Milch, 110000 Eier und 5700 Kilo Gemüse erzeugt.

Spitzbergen Foto: Izabela Winter

Sinkende Kohlepreise und ein Flugzeugabsturz

53 Jahre lang war die Mine durchgehend in Betrieb. Doch dann sanken die Kohlepreise und der Abbau in der Bergmine gestaltete sich zunehmend schwierig und teuer. Zu der Entscheidung, die Mine zu schließen, trug außerdem ein tragisches Flugzeugunglück im Jahr 1996 bei: Am 29. August zerschellte ein aus Russland kommendes Charter-Flugzeug beim Landeanflug auf Spitzbergens Hauptstadt Longyearbyen an einem Berg, alle 141 Insassen starben. Bei den Opfern handelte es sich größtenteils um Minenarbeiter aus Russland und der Ukraine, die auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in Pyramiden waren.

Spitzbergen Foto: Izabela Winter

1998 war das Ende der Mine und damit auch des Ortes Pyramiden endgültig besiegelt. Die Gründe waren vielfältig, erstens die mangelnden Kohlereserven, der Flugzeugabsturz im Adventfjord im Jahre 1996 und politische Gründe. Seitdem streifen nur noch Tiere wie Eisbären und Polarfüchse durch die verlassene Stadt. Möwen haben sich in die Fenster eingenistet. Schmelzwasser unterspült die Betonpfeiler der Häuser, Kälte und Frost setzen sich an den Mauern fest.

Kantine in Pyramiden

Eine Reise in die sozialistische Vergangenheit

Doch dann entdeckte man das touristische Potenzial der einstigen Bergbaustadt, die rund 50 Kilometer nördlich von Longyearbyen liegt. Seit ein paar Jahren ist Pyramiden wieder bewohnt. Acht Russen leben im Auftrag des staatlichen russischen Bergbauunternehmens Arctigucol im renovierten Hotel. Holzvertäfelte Decken und rot-gemusterte Stofftapeten zeugen vom einstigen sozialistischen Charme. Ein Generator erzeugt Strom, die Versorgung kommt per Hubschrauber und Internet oder ein Telefonsignal gibt es nur für ein paar Stunden am Tag. Die Einsiedler kümmern sich um die Instandhaltung der Häuser und Straßen und bieten geführte Touren für Touristen an.

Wer Pyramiden heute besucht, fühlt sich wie mit einer Zeitmaschine zurückversetzt. Denn als die Mine geschlossen und die Siedlung aufgegeben wurde, scheinen alle überstürzt abgereist zu sein. Auf den Tischen standen Tassen, Zeitungsausschnitte hingen an den Wänden und Skier standen in den Korridoren.  Und noch immer wacht Lenin in Form einer Büste am zentralen Platz der Stadt über die Gebäude.

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Arktis, Eisbären und Lost Places in Pyramiden

Auf unserer Spitzbergen Expedition in die Arktis erkunden wir spannende Lost Places, machen beeindruckende Landschaftsaufnahmen und halten Ausschau nach Eisbären, Walen und anderen arktischen Bewohnern. An zwei Tagen besuchen wir die aufgegebene sowjetische Bergarbeitersiedlung “Pyramiden”, die eine Fülle an Motiven, speziell für Lost Places – Fotografen, zu bieten hat. Dort spüren wir den Hauch der untergegangenen Sowjetunion, denn wir übernachten in einem Hotel in der Geisterstadt. Einen Tag verbringen wir in der russischen Polarstation und Bergarbeitersiedlung Barentsburg, wo wir ein noch aktives Bergwerk erkunden und den Bergarbeitern bei der Arbeit zuschauen können. In erster Linie folgen wir immer dem Licht und stellen uns den wechselnden Wetterverhältnissen. Wir sind sowohl mit dem Boot und dem Kleinbus als auch zu Fuß unterwegs. Uns liegt sehr viel daran, unseren Gästen diese vielseitige und spannende Inselkette zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol näher zu bringen.

Da die Gefahr sehr Hoch ist auf Spitzbergen einem hungrigen Eisbären zu begegnen  ist sehr hoch, haben wir eine geladene Waffe dabei. Außerdem muss man hier immer als Gruppe zusammen bleiben und sehr vorsichtig sein. Bei unserer Lost Place Fototour starten wir am Schiffsanleger und dem ehemaligen Hafen vorbei am Kohlekraftwerk, Zementfabrik und diversen Ställen für Kühe, Schweine oder Hühner.

Spitzbergen Foto: Izabela Winter

Was sind Urbexplorer Fotoreisen?

In einer kleinen Gruppe könnt ihr unsere spannenden Reiseziele erkunden, interessante Fotomotive suchen, intensiv erleben und wahrnehmen. Uns alle verbindet die Fotografie auf unseren Reisen ganz gleich ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Die Fotomotive sehen, fotografisch fixieren und gemeinsam auswerten ist unsere Herangehensweise. Unsere Abenteuerreisen auf die Inselgruppe Spitzbergen sind eine Mischung aus Lost Places – Fototour und Ausflug mit Expeditionscharakter, auf denen ausreichend Zeit für eigene Fotoaufnahmen – egal ob mit Spiegelreflexkamera, Systemkamera oder Smartphone – bleibt und man sich voll und ganz der Motivsuche widmen kann. Wir zeigen unseren Gästen die schönsten Fotospots zu den entsprechenden Tageszeiten. Hier dreht sich alles ums Fotografieren und Erkunden. Hintergrundinformationen zu den Ausflugszielen runden unser gemeinsames Abenteuer ab.

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