Inhaltsübersicht
Der Rummelplatz in Pripjat – Wer hat am Riesenrad gedreht?
Im Spätsommer 2017 zog es mich erneut in die Sperrzone von Tschernobyl, genauer gesagt nach Pripjat, Ukraine. Die verlassenen Straßen, überwuchert von wilder Natur, wirken wie eine Szenerie aus einem dystopischen Film. Doch an diesem Tag war es nicht die gespenstische Stille der Geisterstadt, die für Aufsehen sorgte. Im Fokus stand das ikonische Riesenrad von Pripjat – ein Symbol einer verlorenen Zukunft –, das plötzlich in einen handfesten Skandal verwickelt war.

Das Riesenrad dreht sich? Ein Skandal in der Sperrzone
Ein Video ging viral: Es zeigte, wie sich das Riesenrad in Pripjat einmal drehte, bevor es in seine Ausgangsposition zurückkehrte. Gerüchte besagten, polnische Touristen hätten das Rad mit reiner Muskelkraft bewegt, ohne es zu beschädigen. In sozialen Netzwerken entbrannte eine hitzige Debatte. Während einige den Vorfall als harmlosen Streich abtaten, empfanden andere die Aktion als respektlos gegenüber den Opfern der Tschernobyl-Katastrophe.
Die Verwaltung der Sperrzone reagierte schnell und erklärte das Video für eine Fälschung. Offizielle Untersuchungen hätten ergeben, dass die Mechanik des Rades so stark beschädigt sei, dass eine Bewegung unmöglich wäre. Dennoch wurden Experten entsandt, um den Zustand des Riesenrads zu prüfen, und die Überwachung der Zone wurde verschärft, um ähnliche Vorfälle zu verhindern.

Die Realität vor Ort: Ein stiller Zeuge der Geschichte
Als ich den Vergnügungspark in Pripjat erreichte, stand das Riesenrad wie immer still – majestätisch, aber bedrückend. Es wurde nie in Betrieb genommen, da die geplante Eröffnung am 1. Mai 1986 durch die Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 zunichtegemacht wurde. Für mich verkörpert es die erloschene Lebensfreude einer einst blühenden Arbeiterstadt.
Unser Guide erklärte, wie das Riesenrad zu einem Magneten für Abenteurer und Influencer geworden ist. Doch das spektakuläre Video? Wahrscheinlich ein PR-Trick oder eine geschickte Inszenierung. „Niemand hat das Riesenrad gedreht“, sagte unser Guide schmunzelnd. „Es bewegt sich nur in den Köpfen der Besucher.“

Katastrophentourismus: Faszination und Verantwortung
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des Tschernobyl-Tourismus. Von illegalen Graffiti bis hin zu mutwilliger Zerstörung – die fragile Atmosphäre der Sperrzone wird zunehmend durch Gedankenlosigkeit bedroht. Diese Vorfälle unterstreichen, wie wichtig es ist, Pripjat und Tschernobyl mit Respekt zu besuchen. Die Zone ist kein Freizeitpark, sondern ein Mahnmal der Geschichte.
Ein unvergessliches Abenteuer in der Sperrzone
Trotz der Kontroversen bleibt eine Reise nach Tschernobyl ein einzigartiges Erlebnis. Neben dem Riesenrad und den Überresten des Vergnügungsparks erkundeten wir das Kernkraftwerk, den imposanten neuen Sarkophag und den gigantischen Duga-3-Radarkomplex. Ein besonderes Highlight war der Besuch bei den „Babushkas von Tschernobyl“, den älteren Frauen, die trotz der Katastrophe in der Zone geblieben sind. Ihre Geschichten über das Leben in der Sperrzone und ihre beeindruckende Resilienz haben mich tief berührt.

Das Vermächtnis des Riesenrads
Auch wenn sich das Riesenrad in Pripjat nicht bewegt hat, bleibt es ein kraftvolles Symbol. Es erinnert uns an die Zerbrechlichkeit unserer Welt und die Bedeutung, Orte wie Tschernobyl und Pripjat zu bewahren. Eine Reise in die Sperrzone ist mehr als ein Abenteuer – sie ist eine Begegnung mit der Geschichte, die uns Demut lehrt.
Planst du selbst eine Reise in die Sperrzone?
Trag dich in unseren Newsletter ein und erfahre, wann es wieder möglich ist, diese einzigartige Region zu besuchen – sobald Frieden in die Ukraine zurückkehrt. Bis dahin bleibt das Riesenrad ein stiller Wächter seiner tragischen Geschichte.






