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Wochenendtour am Ostwall – Entdeckungen im Zentralabschnitt
Eine Reise in die Vergangenheit
Ein Wochenendausflug zum Oder Warthe Bogen bietet nicht nur spannende historische Einsichten, sondern auch die Möglichkeit, eine fast vergessene Welt zu erkunden. Der Zentralabschnitt des Oder-Warthe-Bogens, einer der größten Festungsanlagen Europas, stellt ein faszinierendes Relikt des Zweiten Weltkriegs dar. Hier taucht man in unterirdische Tunnel, Bunker und Verteidigungsstellungen ein, die einst der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie dienten, aber größtenteils ungenutzt blieben. Doch die Bauten sind auch heute noch beeindruckend und bieten interessante Einblicke in die Vergangenheit.
Der Ostwall: Ein Monument der Kriegsführung
Der Oder-Warthe-Bogen, auch Ostwall genannt, war eine stark befestigte Verteidigungslinie, die von den Nationalsozialisten zwischen 1935 und 1938 errichtet wurde. Obwohl sie nie vollständig fertiggestellt und nur teilweise genutzt wurde, ist das gigantische System aus Bunkern, Panzerwerken und unterirdischen Gängen noch heute in erstaunlich gutem Zustand. Die Befestigungsanlagen erstreckten sich über eine Länge von etwa 160 Kilometern und sollten die damaligen Grenzen des Deutschen Reiches sichern.
- Die ober- und unterirdisch erhaltenen Bauten der »Festungsfront Oder-Warthe-Bogen« zählen heute zu den größten zusammenhängen baulichen Hinterlassenschaften des NS-Regimes in Europa
- Die mehr als 30 km langen Tunnel, unterirdischen Kasernen und Bahnhöfe im sogenannten Mittelabschnitt der fast vollständig erhaltenen Festungslinie sind heute nicht nur Europas größtes Überwinterungsquartier für Fledermäuse, sondern Teilbereiche haben sich zu außergewöhnlichen Erlebniszielen entwickelt
- Der vorliegende Band stellt die wechselvolle Geschichte dieser ehemaligen Grenzbefestigung vor und empfiehlt dem Leser unterschiedliche Orte, die besichtigt werden können
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Die massiven Bauwerke, die zu diesem Zweck errichtet wurden, zeugen von der strategischen Bedeutung, die dem Ostwall zugeschrieben wurde. Besonders die unterirdischen Bahnhöfe, Schießscharten und Sprengfallen lassen erahnen, wie weitreichend die Vorbereitungen für einen möglichen Kriegseinsatz waren. Die Panzerwerke, die oberirdisch entdeckt werden können, bieten einen Einblick in die fortschrittliche Militärtechnik jener Zeit und vermitteln einen Eindruck von der Größe und Bedrohlichkeit der damaligen Kriegsmaschinerie.
Die unterirdische Welt: Ein Labyrinth der Geheimnisse
Das Herzstück der Anlage liegt jedoch tief unter der Erde. Das verzweigte Tunnelsystem erstreckt sich über rund 32 Kilometer und birgt zahlreiche unterirdische Räume, Depots und Verteidigungsanlagen. Die Erkundung dieser Bunker ist eine Zeitreise in die dunkle Vergangenheit. Der Zustand vieler Räume lässt erahnen, wie gut vorbereitet die Anlage war – selbst nach über 80 Jahren wirken die Strukturen stabil und funktional. Besonders beeindruckend sind die Bahnhöfe und Stellwerke, die tief unter der Erde für den Transport von Munition und Nachschub vorgesehen waren.
Beim Durchstreifen der Tunnel stellt sich oft die Frage, warum solch gigantische Bauwerke errichtet wurden, obwohl sie letztlich kaum zum Einsatz kamen. War es die Angst vor einer Invasion? Oder handelte es sich um eine Machtdemonstration des nationalsozialistischen Regimes? Die Gründe für den Bau dieser Anlage bleiben komplex und lassen viel Raum für Spekulation.
Die Fledermäuse: Ungewöhnliche Bewohner der Bunker
Nach dem Krieg wurden die meisten Anlagen des Ostwalls von der polnischen Armee gesprengt, doch viele Bunker blieben erhalten – auch wenn sie heute als Ruinen in den Wäldern versteckt liegen. Diese verlassenen Bunker wurden zu einem Zufluchtsort für eine ganz andere Art von Bewohnern: Fledermäuse. Die stillgelegten Tunnel bieten ideale Bedingungen für den Winterschlaf der Tiere, da sie frostfrei bleiben und somit einen sicheren Rückzugsort darstellen. Bis zu 30.000 Fledermäuse von zwölf verschiedenen Arten halten sich in den dunklen Gängen auf, darunter das Große Mausohr, die Mopsfledermaus und die Wasserfledermaus.
Für Naturliebhaber ist dies ein weiterer faszinierender Aspekt des Ostwalls, denn die Anwesenheit der Fledermäuse zeigt, wie sich die Natur auch die unwirtlichsten Orte zu eigen machen kann. Der Ostwall ist somit nicht nur ein Relikt der Geschichte, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Tierarten.
Nachdenken über die Vergangenheit: Das Mahnmal des Friedens
Am Ende der Tour, nach der intensiven Erkundung der unterirdischen Bunker und Panzerwerke, drängt sich eine wichtige Erkenntnis auf: Die beeindruckenden Bauten, die für einen nie geführten Krieg vorbereitet wurden, sind ein bleibendes Mahnmal. Sie erinnern uns daran, welche Zerstörungskraft der Krieg in sich trägt und welche Ressourcen aufgewendet wurden, um diese Verteidigungsanlagen zu errichten. Es ist ein Glück, dass diese Bauten niemals in großem Umfang genutzt wurden, denn ihr Einsatz hätte verheerende Folgen gehabt.
- Vor 70 Jahren kehrte der furchtbarste Krieg der Menschheitsgeschichte auf deutsches Staatsgebiet zurück
- Im Westen hatten die alliierten Truppen die Reichsgrenze überschritten und drangen unaufhaltsam vor
- Im Osten erreichten die Truppen der Roten Armee während einer mächtigen Angriffsoperation bis zu 500 Kilometer nach 18 Tagen die Oder und die Neiße
- Der Zweite Weltkrieg war in seine entscheidende Phase getreten
- Während die Sowjetunion, Großbritannien und die USA in Jalta über das Nachkriegseuropa berieten, versuchte Deutschland, trotz Verlust der strategischen Initiative, mittels Improvisation und verstärkter Propaganda seine letzten Reserven an Personal und Material zu mobilisieren
Die erhaltenen Bunker des Ostwalls können uns auch heute noch daran erinnern, wie wichtig der Frieden ist. Sie bieten eine Möglichkeit, aus der Vergangenheit zu lernen und sicherzustellen, dass solche Konflikte nie wieder geschehen. Der Ostwall mahnt uns, Kriege zu vermeiden und stattdessen auf friedliche Lösungen zu setzen.
Ein Besuch am Ostwall
Die Wochenendtour am Ostwall bietet eine packende Mischung aus Geschichte, Natur und Nachdenklichkeit. Die Erkundung der unterirdischen Tunnel und die Begegnung mit den Fledermäusen führen einem eindrucksvoll vor Augen, wie eng die Themen Krieg und Frieden miteinander verknüpft sind. Die monumentalen Bauwerke, die einst für den Krieg gedacht waren, können heute als Mahnmal für den Frieden dienen. Sie erinnern uns daran, wie wichtig es ist, die Schrecken des Krieges nicht zu vergessen, um eine friedlichere Zukunft zu sichern.











