Vorwort

Bei meiner Ausstellungseröffnung zum Thema Tschernobyl trat Herr Schaffer an mich heran und gab mir einen Reisebericht von 1997.
Herr Schaffer lebt nicht weit von mir und ist ein Weltenrumbummler.¬†Er war bei einer Solidarit√§tsaktion f√ľr die Zone dabei. Ich habe die Seiten mal eingescannt um euch seine Eindr√ľcke zu zeigen.

Tschernobyl – Die Folgen der Katastrophe

Das Leben nach den Supergau

Breites, narbiges, buckeliges Asphaltband. Schnurgeradeaus zum fernen Horizont. Katen ducken sich l√§ngs der Stra√üe windschief in verwilderte G√§rten. Sonnenblumen. Der Kerne wegen. Endlos die Allee kunterbunter B√§ume. Grelles Gelb, flammendes Rot, leuchtendes Orange. Reste staubigen Gr√ľns.¬† Wolkenlos blau blendender Himmel. Ein M√§hdrescher treckt √ľber die Piste. Ein LKW scheppert vorbei. Ein Planenwagen zockelt auf dem Sommerweg daher. Der Kutscher nickt in sich hinein. Kopfbetuchte Babuschkas sitzen im grauen Gras am Rand. Ein Rabe kr√§chzt m√ľde. Kleine Pause. Weites Land.¬† Fruchtbares Land. Armes Land.

Welche Folgen hatte Tschernobyl f√ľr die Menschen?

GAU. SUPERGAU. Der vor sich hin br√ľtende Reaktor Nummer vier explodiert am 26. April. F√ľnf vor Zw√∂lf. Fragw√ľrdig geb√§ndigte Energie bricht aus. Schleudert vulkangleich t√∂dlich strahlende Betonbrocken kilometerweit um sich. Wolken tragen giftigen Staub weithin √ľbers Land. Weithin √ľber den Kontinent. Es regnet Unheil. Radioaktivit√§t. Niemand sieht sie, niemand riecht sie, niemand schmeckt sie. Die √ľberall gegenw√§rtige. Heldenm√ľtig st√ľrzten sich Feuerwehrleute und Kraftwerker in das Inferno. Mit uns√§glichen Mitteln, fast mit blo√üen H√§nden zu retten, was nicht zu retten ist. 29 gehen elend zugrunde. Vergl√ľht, verstrahlt, vergangen. Was die Menschen f√ľr ihr Wohl schufen, geriet ihnen zum Verh√§ngnis. Kommunismus, das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes. √úber allem herrscht Schweigen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Kiew feiert den 1. Mai. Wie jedes Jahr.

Fragw√ľrdig geb√§ndigte Energie, Foto: Wilhelm Schaffer

Das Gebiet um Tschernobyl

Ein Posten. Ein Schlagbaum. Eine digitale Anzeige zeigt 82 Millir√∂ntgen (820 ¬ĶSv? Ich vermute eher Mikror√∂ntgen, also 0,8 ¬ĶSv) an. Dahinter liegt Prypjat. Menschenleer. Eine Geisterstadt. Mit der Atomstation entstanden, eine moderne Wohnsiedlung. Wohnbl√∂cke, Hochh√§user, Restaurants, Hotels, Universalnie Magazin, ein Kulturpalast. Schulen und Kinderg√§rten. Inmitten von Gr√ľnanlagen und Parks. F√ľr 20 000 Menschen. Stolz auf ihre Errungenschaften. Bis sie am 29. April Lautsprecher auf den zentralen Platz zusammenpl√§rren. Alle. Evakuierung. Wie sie kamen, kesselt sie die Armee ein. Selektiert nach Kind, Weib, Mann. Verladen und in¬† den¬† Wald.¬† Entkontaminiert. Ab in die Ferne. Es dauert Wochen, ehe sich manche Familien wieder finden.

Niemand konnte etwas mitnehmen. M√∂bel, Hausrat, Kleidung, Lebensmittel blieben in den Wohnungen. Vieles in zehn Jahren verdorben. Geraubt. Der Rest steht hinter geborstenen Fensterscheiben. Die H√§user wuchern langsam zu. Die Natur kommt zur√ľck. Ganz langsam, ganz sicher. Obdachlose, anderswo nicht Angekommene siedeln schon wieder in der 30-Kilometer-Zone. Woanders k√∂nnen sie nicht √ľberleben, hier √ľberleben sie sich zu Tode.

Das Museum

Im Foyer h√§ngen Ortsschilder. Mit einem roten Diagonalstrich . 72 liquidierte Ortschaften¬† in der 30-Kilometer-Zone. Eine Vitrine. Ein junges Gesicht, eine Uniform, ein Orden. Macht einen Helden,¬† einen Heiligen. Hunderte junger Gesichter, hunderte Helden, hunderte Heilige. Im Saal an der Decke die f√ľnf Erdteile. Die Atomstationen darauf. Vollz√§hlig. F√ľr jedes leuchtet harmlos ein L√§mpchen. An der Wand tausend leuchtende Augenpaare. Tausend Kindergesichter. Tausendfach Sinnbild der Zukunft. Vergangen im dritten, vierten, f√ľnften Jahr ihres Daseins. In fast elf Jahren ‚Äěnach Tschernobyl“. Auf dem Parkett abgebildet die Deckplatte des Reaktors. Originalgro√ü. Einige St√§be ragen heraus. Tragen eine Sitzplatte. Eine holzgeschnitzte Wiege h√§ngt von der Decke herab. Schaukelt sacht √ľber dem fiktiven Reaktor. Puppen, Teddys, ein Buratino sitzt stumm darin. Sie blieben √ľbrig. Die Kinder sind tot.

Die humanitäre Hilfe

Worte des Landrats. Vom Winde verweht. Eine Schulklasse w√ľnscht gute Fahrt. Der Konvoi geht ab gen Osten. 1600 Kilometer. 36 Stunden non stopp. Hoffnungsvoll √ľberladen mit Paketen, P√§ckchen, Geschirr, Overalls f√ľr die Tschernobyler Feuerwehrleute. Verpflegung f√ľr die neunk√∂pfige Transportmannschaft. Neun Wochenrationen. ,,Helft den Kindern von Tschernobyl!“ rief die Zeitung auf. Das DRK zur Seite.

Tausend packten Pakete ein. Sch√ľler vor allem, engagierte Veteranen, Mitb√ľrger aller Orten. Reich gef√ľllt, bunt eingeh√ľllt. Mit Bildern lieb bemalt. Ein ‚ÄěPl√ľschi“ oben drauf . Eine alte Dame stiftete gar Kaffee f√ľr die Fahrer. Manchen war jede Mark zu schade. Sie entsorgten, was sie nicht mehr brauchten. Wenige.

Halt an einer Grenze. Neben uns elf Trucks mit Hilfsg√ľtern. F√ľr drei Millionen. Sagt ein Fahrer. Ausgebaute Fenster und T√ľren, alte R√∂ntgenger√§te. Die werdens sicher noch verwenden k√∂nnen. In Moldavien. Sagte ein anderer. Ein peinlich sauber geharkter Grenzstreifen trennt Polen und die Ukraine.

Opfer der Tschernobyl Katastrophe

Die Klinik riecht deprimierend, schmuddelig und nach Chemie. Eine Alte hockt am Fenster. Kaut Sonnenblumenkerne Reinemachen gilt nicht. Kleine Glatzk√∂pfe mit gro√üen Augen stehen in offenen T√ľren. Spielen auf dem Flur. Sitzen, liegen apathisch in ihren Betten. Bettw√§sche m√ľssen die Eltern mitbringen. Medikamente bezahlen. Wer kann. Sonst gibt es keine. Essen kocht die Mutter, die Oma auf dem Flur. Die bunten Pakete ziehen alle an. Der Berg aufgestapelter Pl√ľschtiere, das Spielzeug. Die Kindersachen, sortiert nach Gr√∂√üen. Die √Ąrztin hilft beim Verteilen. Familie f√ľr Familie. Da steht eine Frau bescheiden. Wartet, was sie erh√§lt, w√§hlt zaghaft ein Kleidchen aus. Eine andere kommt zum f√ľnften Mal, mit flinken Augen sieht und noch flinkerem Griff erhascht sie das sechste St√ľck. Ein d√ľnner Winzling grapscht heimlich durch die Barriere eine Knautschmaus. Haut ab. ‚ÄěMein Kind besitzt alles. Nur keine Gesundheit“, sagt eine blasse Frau. Irgendwie vorwurfsvoll. ‚ÄěSucht mal ein sch√∂nes Fre√üpaket raus. In der 7 liegt ein Junge. Der stirbt wahrscheinlich in ein, zwei Wochen“. Er bekommt einen riesigen Affen aus Pl√ľsch. Seine Augen leuchten matt auf. Die Samariter verlassen das Haus. Fix und fertig. Die Alte hockt immer noch am Fenster und kaut Sonnenblumenkerne.

Sucht mal ein schönes Freßpaket raus, Foto: Ulrich Fischer

Die Veteranen

Mitten in der Stadt. Die Pakete wandern flott von Hand zu Hand ins Haus. R√ľstige alte Krieger. Das Fernsehen war schon weg. Festakt. Eine Rede √ľber die Freundschaft. Vor allem zur DDR. Schade, dass das mit dem¬† Sozialismus nicht klappte. Jetzt herrscht gro√üer Mangel. Doch wir hoffen, dass, bald, mit Hilfe, aus eigener Kraft…¬† Der Redakteur der Zeitschrift

,,Buchenwald mahnt“ mahnt uns. Die Samariter erhalten einen Orden. Mit Urkunde. Und eine Einladung in die ukrainische Weite. Nahe der Desna. Eine Datscha, ein lustiger General, seine Matka, ein mit Spezialit√§ten des Landes gedeckter Tisch. Alles aus Wald, Fluss, Feld und Garten. Wodka aus der Naturalform des Warenaustausches. Zwei Stunden Toast auf Toast. 50 Gramm auf 50 Gramm. Umarmung . Drei K√ľsse. Doswidanija, Towarischtschi!

Die Poliklinik inmitten der Stadt

Eine Klinik f√ľr 60 000 Menschen. F√ľr alles. Das Personal erhielt schon f√ľnf Monate kein Gehalt. Sagt die Chef√§rztin. Auch ihre Patienten m√ľssen die Medikamente bezahlen. Wenn vorhanden. Wenn sie gespendete erhalten, kosteten sie weniger. Vielleicht die H√§lfte. Medikamente brauchen sie. Gezielt, f√ľr ganz bestimmte Indikationen. Dringender als Lebensmittel. Obwohl sie uns 850 Adressen nennen kann. Von Alten und Kranken, die hilflos zuhause liegen. Hungern. Verhungern. Allein in ihrem Rayon. Aber alle Adressen¬† kennt sie nicht. Die Samariter hinterlassen einen¬† Berg Pakete. In den richtigen H√§nden. Denken sie.
Abends gehen sie in die Sauna.

Die Feuerwehr

,,Hallo, Kinder, schafft mal die Pakete rein“. Ein Befehl. Die gr√ľngraukhaki¬† gescheckten Jungs kommen aus der Ruhestellung. Der Feuerwehrhauptmann hat gerade Geburtstag. Das Gesicht ger√∂tet, die breitrandige Schirmm√ľtze auf den Hinterkopf gerutscht. Anzeichen zahlreicher herzlicher¬† Gratulationen. Zuerst zeigt er uns die Helden seiner Einheit. Die Heiligen, die den Strahlentod starben. Sein Stellvertreter, einer der ersten am Ungl√ľcksreaktor, √ľberlebte. Ein lebendes Denkmal. Eines aus Beton erhebt sich monumental vor dem Feuerwehrareal. Daneben das schwere L√∂schger√§t. R√§umpanzer, Lafetten mit Wasserkanonen, Katjuschas zum Zersprengen des Brandherdes. ,,Wenn unsere Feuerwehr hier vorgefahren k√§me, den Genossen gingen die Augen √ľber, sagt ein Th√ľringer Feuerwehrmann. Zweihundert Meter weiter das Kraftwerk. Der Sarkophag. Br√ľtet vielleicht an einem neuen Ausbruch. Der Reaktor ist sicher. Sagen die Feuerwehrleute von Tschernobyl. Da sind sie sicher. Die Allt√§glichkeit des Lebens am Rande der Gefahr stumpft die Angst. Au√üerdem gibts „W√§sserchen“. Zumindest am Geburtstag. Schwer zu entscheiden wer besser dran ist. Sie, oder die zu Hause t√§glich die Spuren des Massenmords auf deutschen Stra√üen beseitigen m√ľssen.

geschrieben von
WILHELM SCHAFFER


Auf unserer Tschernobyl Tour erkunden wir entlegene Dörfer am Rande der Zone

Das Riesenrad und der neue Sarkophag sind nat√ľrlich die Highlights bei einem Besuch in der Zone, aber es gibt tausend andere Dinge zu erkunden und zu bestaunen. So zum Beispiel die kleinen verlassenen D√∂rfer am Rande der Zone. Heute will ich euch mal nach Mashevo entf√ľhren. –ľ–į—ą–Ķ–≤–ĺ, zu Deutsch „mache“. Es ist das n√∂rdlichste Dorf an der Grenze zu Wei√ürussland. Von einem weiteren verschlossenen Kontrollpunkt geht es dann ca. 30km nach Norden. Die Stra√üe ist ganz gut befahrbar, wenn nicht gerade B√§ume rumliegen (2016). Dreimal „hau ruck“ und die Sache war geregelt.

Das imposanteste Bauwerk ist die Schule. Ziemlich gro√ü f√ľr so ein kleines Dorf.

Im Inneren gibt es zahlreiche Fachräume. Der Abakus hat schon eine beachtliche Größe und Lenin ist immer noch sehr dominant.

Sehr erstaunlich ist es mitten in dieser Abgelegenheit ein Zimmer f√ľr den Deutschunterricht zu finden.

Der Physikraum lässt jedes Technikerherz höher schlagen. Solch eine Vielfalt an Gerätschaften und Schautafeln möchte ich mal in deutschen Schulen sehen.

Auch wenn der hier bildlich dominierende Typ mit der Glatze mit seinem Spruch „Lernen, lernen und nochmals lernen“ durchaus Recht hat … ein paar Impressionen vom Dorf selbst. Auffallend zwischen den h√∂lzernen Blockh√ľtten sind die steinernen Reihenh√§user incl. Nebengeb√§ude. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber doch, die Wellasbestplatten auf den D√§chern.

Das soll mal gen√ľgen. Es gibt in Mashevo noch viel zu entdecken. Das Innere der H√§user und Schuppen, der Bereich der Kolchose, die l√§ngeren Dorfstra√üen, die Grenze zu Wei√ürussland … usw.

Siehe auch: Chernobyl Fallout Tour


Eine kurze Erinnerung an das Jahr 1986 in der damaligen DDR

Im April 1986 – ich 17 Jahre alt und im ersten Ausbildungsjahr an einer Berufsschule mit Internat im Osten von Berlin. Wir h√∂rten heimlich auf den Zimmern West-Radio. Der RIAS war problemlos zu empfangen und hatte die bessere Musik. Daher lief das Radio am Sonntagabend. In den Nachrichten brachten sie eine Mitteilung √ľber einen Reaktorunfall in der Sowjetunion. Wir diskutierten an diesem Abend lange √ľber die Situation und wussten, dass dieser Unfall auch Einfluss auf unser jetziges und zuk√ľnftiges Leben haben wird. Von den DDR-Medien war zu dieser Zeit nichts dar√ľber zu h√∂ren. Es wurde totgeschwiegen.

N√§chster Montagmorgen ‚Äď erste Stunde Sport. Unser Lehrer, ein ehemaliger NVA-Offizier, verordnete 5 km Waldlauf unter dem Motto: ‚ÄěNicht dass ihr denkt, ich schere mich um die aktuelle Lage. Frische Luft ist gesund!‚Äú Mehr wurde dar√ľber nicht gesprochen und das Thema generell unter den Tisch gekehrt. Ich wei√ü nicht, ob diese Sportstunde einen Einfluss auf meine Gesundheit hatte. Ich habe noch viele Jahre danach Joggen mit diesem Ereignis verkn√ľpft und es gehasst.

Bei uns war die Welt also auch danach noch in Ordnung. In Westberlin und der BRD nicht. Pl√∂tzlich gab es Unmengen an frischem Gem√ľse: Gr√ľner Salat und Gurken – im Fr√ľhjahr! Jeder wusste, dass in Westdeutschland Niemand das (offensichtlich) verstrahlte Gem√ľse und Obst anr√ľhrte. Wir auch nicht. Es war eine Zeit der Ger√ľchte und Vermutungen und wir hatten Angst. Was w√ľrde die Zukunft bringen?

Die DDR war bis 1989 in permanenten Kriegszustand. Das erfuhr ich allerdings erst nach der Wende. Mit 14 lernten wir, wie ein sicherer Unterschlupf f√ľr den Katastrophenfall zu bauen ist. Mit 16 robbten wir mit Gasmasken durch die Natur ‚Äď eine Kombination aus Survivals- und Pfadfindertraining. Mit dem kalten Krieg lernten wir umzugehen. Eine Katastrophe durch die ‚Äěguten‚Äú Atome ‚Äď das war nicht vorgesehen. Das Ungl√ľck von Tschernobyl wurde zur gr√∂√üten technologischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Heute begebe ich mich auf eine spannende Tschernobyl Reise

31 Jahre sp√§ter mache ich mich mit 11 anderen Unerschrockenen auf den Weg nach Tschernobyl. Das Gebiet ist in zwei Zonen eingeteilt. In der 30 km Zone leben noch ca. 2000 Menschen, die haupts√§chlich im Kraftwerk arbeiten. Hier ist auch das einzige Hostel zu finden, in dem wir zwei N√§chte verbringen. In der 10 km Zone liegt die heutige Geisterstadt Pripyat, ca. 4 km entfernt vom Reaktor 4. Vor der Katastrophe muss Pripiyat eine sehr lebenswerte Stadt f√ľr ihre 50.000 Einwohner gewesen sein: Ein nie fertig gestelltes Stadion, eine Schiffsanlegestelle, Kino, Kulturhaus, Schwimmbad, Rummelplatz sowie zahlreiche Sporthallen, die Einwohner hatten viele M√∂glichkeiten. Heute sehen noch viele H√§user aus wie am Tag der Evakuierung, trotz Pl√ľnderungen und Vandalismus.

Im Krankenhaus stehen die Babybetten in Reihe als w√§re nichts passiert. Wir wandern √ľber kaum erkennbare Stra√üen und Wege. Die Natur hat sich Raum zur√ľckerobert. Die einstige Hauptstra√üe ist mit B√§umen und Str√§uchern zu gewuchert und nicht mehr erkennbar. Wenn man mit den F√ľ√üen das Laub und den Humus wegschiebt, kommt der Beton zum Vorschein. Es ist still, sehr still. Nur vereinzelt h√∂rt man ein Zwitschern. Wo sind die V√∂gel? Bienen und Wespen sucht man ebenfalls vergebens. Das leise Ticken des Messger√§tes am Hosenbund wird nur ab und zu unterbrochen von einem hektischen Fiepen, wenn die radioaktive Strahlung √ľber dem Grenzwert liegt. Hier kann ich mich nicht auf meine Sinne verlassen. Denn radioaktive Strahlung kann man nicht riechen, sehen oder schmecken. Ich laufe quasi blind durch die Gegend. Tiere sollen die Gefahr ja sp√ľren, ich verlasse mich auf den Geigerz√§hler. Tats√§chlich ist die Strahlung unregelm√§√üig. Es gibt sogenannte Hotspots, die schlimmsten sind mit einem Warnschild versehen. Die Hauptwege und umliegende Geb√§ude wurden dekontaminiert, so dass man sich gefahrenfrei bewegen konnte.

Erkundungstour zu Fuß durch die Straßen der Geisterstadt Pripjat

In drei Tagen, nach vielen Kilometern Weg und etlichen Stockwerken sind mir die Schicksale der Menschen in Pripyat und Umgebung n√§her. Ich w√ľnschte ich k√∂nnte mich nur f√ľr einen Augenblick 35 Jahre in die Vergangenheit zur√ľck beamen und Szenen des t√§glichen Lebens beobachten. Besonders stark ist dieses Gef√ľhl im Kindergarten. Hier stehen noch die Spielzeugautos auf dem Tisch und Kinderschuhe im Schrank. Es muss ein sch√∂nes Geb√§ude gewesen sein ‚Äď offen und hell.

Abends ab 18 Uhr geh√∂rt Pripyat wieder den Geistern. Niemand darf sich √ľber Nacht dort aufhalten. Bevor wir die 10 km Zone verlassen, werden Fahrzeug und Mensch auf Radioaktivit√§t untersucht. Nach 3 Tagen haben wir eine errechnete Gesamt-Strahlendosis von ca. 29 Microsievert aufgenommen. Gut, dass in diesem Jahr kein Langstreckenflug mehr ansteht.

Die Reise wurde organisiert von urbexplorer.com und fand im September 2017 statt.

Marek & Marek – herzlichen Dank f√ľr die tolle Organisation.¬†


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Fotomotive und Hintergr√ľnde

Die Stadt Prypjat

Die Stadt wurde 1970 gegr√ľndet und z√§hlte 1986 knapp 50.000 Einwhner, davon ca. 15.000 Kinder.
Auf unserer Tour werden wir die bekanntesten Sehensw√ľrdigkeiten der Stadt besuchen.
Dazu z√§hlen der Rummelplatz der 4 Tage vor der Er√∂ffnung f√ľr immer geschlossen wurde, der Kulturpalast „Energetik“, Das Kaufhaus, Hotel „Polissja“ und weitere staatliche Einrichtungen.

Schulen und Kindergärten

Da Prypjat durch die vielen Kinder eine sehr junge Stadt war gibt es eine gro√üe Zahl an Schulen und Kinderg√§rten. Hier und da ist schon ein Marx oder Engels gefallen, oder auch eine komplette Klassenzimmerwand. Man findet noch viele Lehrb√ľcher, Klassenarbeiten und Bastelarbeiten. Ebenso die zahllosen Gasmasken. Aber das ist eine andere Geschichte und hat mit dem Atomunfall nichts zu tun.

Krankenhaus

Alte Instrumente, Medikamente und Behandlungsr√§ume fesseln die Augen und jagen auch den ein oder anderen Schauer √ľber den R√ľcken. Durch viele originale Schautafeln kann man sich ein gutes Bild machen was hier vor √ľber 30 Jahren vor sich ging.

Kleinigkeiten und ganz große Sachen

Die Zone ist eine Schatzgrube an Zeugen der Vergangenheit. Kleinigkeiten oder auch hier und da mal eine Installation?
Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis die Eindr√ľcke fotografisch einzufangen, oder auch einfach nur die gro√üen Bauwerke auf sich wirken zu lassen.

Man sieht sich? … jetzt buchen … bis bald … .. .


Auf unserer¬†spannenden Radioactive Nightcore Fotoexpedition erkunden wir an drei Tagen die Sperrzone von Tschernobyl bevor wir in die N√§he von Perwomajsk fahren wo bis in die 1990 ger Jahre an einem als Wetterstation getarnten Ort und mit einem 3000 Volt gesicherten, dreifachen Elektrozaun die sowjetischen Atomraketen stationiert waren. Diese Raketenbasis bestand aus mehreren Kommandopl√§tzen in deren Silos jeweils 9 Atomraketen standen umgeben von einem 40 Meter tiefen Silo mit der Kommandobr√ľcke. Wir fahren bis zu 40 Meter tief in die Erde hinab um die ehemalige Steuerungszentrale zu erkunden die den Eindruck erweckt als ob man sich in einem Raumschiff befindet. Auf dieser ehemaligen Atomwaffenbasis finden wir auch die ber√ľhmte SS-18 die im NATO Code ‚ÄěSatan‚Äú genannt wurde. Diese Rakete hat eine L√§nge von √ľber 34 Meter und eine Breite von 3 Metern. Die durchschnittliche Reichweite betr√§gt 16.000 Kilometer.

Die geheime Atomwaffenbasis liegt in einem sehr d√ľnn besiedelten gebiet in der s√ľd√∂stlichen Ukraine. Man erreicht die Basis nur √ľber eine rumpelige Schotterpiste und die n√§chste Stadt Kirowograd ist etwa 60 Kilometer entfernt. Diese lage war aber so gewollt, denn im Kriegsfall w√§ren die Basen selbst Ziel eines atomaren Angriffs und mussten deshalb fernab der St√§dte gebaut werden. Au√üerdem musste das Grundwasser sehr niedrig sein damit die etwa 40 Meter tiefen Silos gebaut werden konnten. Wo die sowjetischen Basen lagen, war ein streng geh√ľtetes Geheimnis. Insgesamt sechs feste Basen und somit neunzig Silos samt Befehlsst√§nden waren √ľber das ganze Land verteilt, au√üerdem gab es drei mobile Basen die im Gebiet der n√∂rdlichen Ukraine und Weissrussland aufgebaut werden konnten.

Am 17. Dezember 1959 gr√ľndete die Sowjetunion die Strategischen Raketentruppen und r√ľstete sich zur Atommacht auf. Die ersten Raketen in Perwomaisk waren vom Typ R-12 und hatten eine Reichweite von 2080 Kilometern. 1962 lie√ü Nikita Chruschtschow dieselben Raketen auf Kuba stationieren und l√∂ste damit die sogenannte Kuba-Krise aus. Von Kuba aus h√§tten die Raketen in wenigen Minuten Washington erreicht. Die Zielgenauigkeit der R-12 hatte die Armee zuvor gepr√ľft. Der Test trug den Namen „Operation Rose“. Man r√ľstete die Raketen mit einem leichten Atomsprengkopf aus und brachte sie nach Workuta in Sibirien um spezielle Tauglichkeitstests durchzuf√ľhren. Die Raketen waren bis auf 40 Meter zielgenau, was zu dieser Zeit ein gro√üer Erfolg war. Aber die R-12 hatte einen Nachteil. Sie musste vor jedem¬†Start aufgetankt werden, was etwa zweieinhalb Stunden dauert¬†und im Ernstfall verh√§ngnisvolle Folgen nach sich ziehen w√ľrde . Deshalb wurde die R-12 Mitte der sechziger Jahre von der UR-100 abgel√∂st. Diese war innerhalb von Minuten¬†einsatzbereit.

Auf unserer weiteren Erkundung betreten wir¬†ein unscheinbares Betonh√§uschen. Hier befindet sich der¬†Eingang zur unterirdischen Schaltzentrale, wo die Atomraketen abgefeuert worden w√§ren. Beim Betreten der unterirdischen Schaltzentrale f√ľhlt man sich wie in einem James-Bond Krimi. In diesem haus wurde auch eine ausgekl√ľgelte Bel√ľftungsanlage eingebaut.¬†Auf der linken Seite¬†steigen wir eine zwei Meter lange Leiter hinab. Sie f√ľhrt zu einem schmalen Tunnel. Nach etwa 100¬†Metern endet der Tunnel an einer Schleuse, die mit zwei dicken Stahlt√ľren gesichert ist, diese konnten damals nur mit einem speziellen Zugangscode ge√∂ffnet werden. Hinter der Schleuse wartet ein winziger Fahrstuhl, in den gerade drei Leute hineinpassen. Der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung und wir fahren¬†45 Meter abw√§rts vorbei an verschiedenen Etagen des Kommandosilos.¬†Nach einer Weile sind wir mit dem Fahrstuhl auf der Ebene der¬†Kommandozentrale angekommen. Die ist vollgestopft mit Technik und erinnert stark an ein Raumschiffcockpit. Direkt unter der¬†Schaltzentrale, zu erreichen mit einer Metalleiter, befindet sich ein zweiter Raum mit Schlafkojen. In einem Kommandosilo waren immer 3 Offiziere stationiert, die den Raketenpult haben bedienen m√ľssen.

Den geheimnisvollen roten Knopf gab es hier nicht.¬†Im Kriegsfall w√ľrde der¬†Abschussbefehl vom Oberkommando der Sowjetarmee aus Moskau kommen. Am Kontrollpult h√§tte ein L√§mpchen aufgeleuchtet und ein Summen w√§re ert√∂nt. Auf einem Monitor w√§re das Wort „Pusk“ (russisch: Start) erschienen. Der befehlshabende Offizier h√§tte einen Tresor ge√∂ffnet, in dem sich zwei Schachteln mit jeweils zwei Schl√ľsseln befanden. Ein Schl√ľssel war f√ľr den Befehlshaber, der andere f√ľr den Co-Offizier bestimmt. Die beiden h√§tten die Schl√ľssel gleichzeitig in die Z√ľndvorrichtung einsetzen m√ľssen.

Danach w√§re auf einem anderen Monitor ein sechsstelliger Code erschienen. Dann h√§tte der Befehlshaber aus dem Oberteil des Tresors eine dritte Schachtel herausgeholt. Darin befand sich ein versiegelter Briefumschlag mit einer weiteren sechsstelligen Zahlenfolge. Wenn deren letzte Ziffer mit dem letzten Zeichen des Codes auf dem Monitor √ľbereingestimmt h√§tte, w√§ren die Offiziere zum Abschuss der Raketen berechtigt gewesen.

Nur beide Offiziere gleichzeitig h√§tten die Raketen z√ľnden k√∂nnen. Dazu h√§tten sie mit der linken Hand den Startknopf gedr√ľckt gehalten. Mit der rechten Hand h√§tten sie die Z√ľndschl√ľssel gegen den Uhrzeigersinn um 90 Grad drehen m√ľssen. Diese Prozedur musste zwei Mal erfolgen, nur dann w√§ren die Raketen gestartet. Dieser Ablauf wurde jahrelang ge√ľbt.¬†Dem Angriff der Gegner h√§tte der Bunker leicht standgehalten denn er war ummantelt mit einer dicken Betonschicht und die Kapsel der Kommandobr√ľcke war auf Sto√üd√§mpfern gebaut. Vierzig Tage h√§tten die Offiziere in totaler Isolation √ľberleben k√∂nnen. Es standen Notrationen bereit, sogar eine Mikrowelle gab es im Bunker. Nach Verbrauch der Vorr√§te w√§ren die Soldaten in ein Rohr gekrochen und in einer Luftdruckkapsel nach oben geschossen worden. Der Fahrstuhl w√ľrde dann wohl¬†nicht mehr funktionieren. Oben h√§tten sie sich Schutzanz√ľge √ľbergezogen und w√§ren in die verstrahlte Gegend hinausgegangen. Und was dann? Zum Gl√ľck ist es nicht so weit gekommen.


Seit etwa 4 Wochen¬†sind wir alle wieder von unserer Pripjat Silvester 1985 Tour nach Hause zur√ľckgekehrt! Wir begaben uns in das Jahr 1985 um auf eine au√üergew√∂hnliche ‚ÄěSilvester‚Äú Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat. An zwei Tagern erkundeten wir die zu dieser Jahreszeit menschenleere Sperrzone.

Da es ein wenig geschneit hat herrschte auf unserer Erkundungsroute durch die Zone eine stimmungsvolle winterliche Aura! Dies war eine außergewöhnliche und einzigartige Fotoexpedition in die Sperrzone denn die Lichtverhältnisse in dieser Jahreszeit sind schon eine Herausforderung.

Andererseits haben wir v√∂llig neue Eindr√ľcke aus einer winterlichen und verschneiten Zone mitgenommen. Ich pers√∂nlich habe meinen ersten Wolf in meinem Leben gesehen. Die Bilder wurden mir von Nils Konheiser zur Verf√ľgung gestellt. Vielen Dank daf√ľr! Besucht seine Seite unter: Facebook NK Fotografie¬†

Eine kleine Statistik: Aus welchen Ländern kamen eigentlich die meisten Besucher in die Sperrzone?

Platz 1. Ukraine mit 33,2 %
Platz 2. Polen mit 16,8 %
Platz 3. Großbritannien mit 12,3 %
Platz 4. USA mit 8,8 %
Platz 5. Deutschland mit 7,5 %

Fotogalerie Pripjat Silvester 1985 Tour

VideoClip "Pripjat Silvester 1985 Tour"

Pripjat Silvester 1985 Tour

Mach Dir selbst ein Bild!


Pripjat- das nukleare Pompeji wird zunehmend ein besonderes Reiseziel f√ľr Lost Places Fotografen, Entdecker und Geschichtsinteressierte. Wenn mich jemand fragt: ‚ÄúJa, der M√§rz ist die beste Reisezeit um die spektakul√§rsten Fotomotive auf unserer ‚ÄúPripjat Stalker Tour‚ÄĚ zu suchen. Vom 18. M√§rz bis 23. M√§rz findet unsere erste Pripjat Stalker Tour 2017 statt. Zu dieser Jahreszeit ist die Natur noch im Wintermodus und verbreitet eine d√ľstere Aura.

Das Leben in Tschernobyl heute

Seit Mitte 2014 organisiere ich mit urbexplorer.com spannende Fotoreisen und Expeditionen an vergessene und geheime Pl√§tze dieser Welt. Wenn wir auf Entdeckungsreise mit unserer Kamera sind gieren wir f√∂rmlich danach, Orte zu finden, weit ab vom Schuss sind und verborgene geheime Orte die uns √ľberraschen.¬†Wir brechen auf in unbekannte Welten und an Orte die sich auf Karten nicht so leicht finden lassen. Diese Orte sind f√ľr uns au√üergew√∂hnlich und zugleich v√∂llig real. Auf eine Reise nach Tschernobyl kannst du dich mit uns Rahmen unserer Pripjat Stalker Tour¬†begeben, hier erkunden wir an 3 Tagen wir die Geisterstadt Pripjat.

Was ist in Tschernobyl passiert?

Die Stadt wurde in den 1960 ger Jahren f√ľr die vielen jungen Arbeiter des Kernkraftwerkes im nahegelegenen Tschernobyl erbaut. Die Stadt Pripjat bot zu dieser Zeit f√ľr junge Familien zahlreiche Annehmlichkeiten die es an anderen Orten in der damaligen Sowjetunion nicht gab. Doch die glorreiche Geschichte der aufstrebenden sozialistischen Musterstadt endet am 27. April 1986.

Es ist der tag nach der Explosion im Reaktorblock 4 von Tschernobyl. Die etwa 50.000 Einwohner der Stadt wurden √ľber das Ausma√ü und die Gefahr die im Zusammenhang mit dem Supergau entstanden ist lange Zeit im Unklaren gelassen. Erst viele Stunden nach der Katastrophe rollten Panzer in Pripjat ein, die eine lange Schlange von etwa 1225 Bussen eskortierten um alle Bewohner schnellstm√∂glich aus der Stadt zu bringen. 30 Jahre danach ist Pripjat eine unheimliche Geisterstadt. So in etwa stellt man sich „Die Welt danach vor“ .

Tschernobyl – Die Natur kehrt zur√ľck

Wenn du mehr √ľber die Geschichte und Hintergr√ľnde erfahren m√∂chtest oder eine pers√∂nliche Fotoreportage einiger Teilnehmer unserer Fotoexpeditionen lesen m√∂chtest empfehle ich Dir folgende Links:¬†¬†ZERST√ĖRTES LEBEN ‚Äď VERLORENE WELT: DIE SPERRZONE UM TSCHERNOBYL ‚Äď EIN REISEBERICHT¬†von Andrea Johlige¬†oder Fototour Tschernobyl¬†von Georg Schuh.


Nach jahrelangem Aufbau der gigantischen Konstruktion wird nun Ende November an drei Tagen der neue Sarkophag √ľber den havarierten Block 4 des Atomkraftwerkes in Tschernobyl geschoben. Die Gesamtkosten f√ľr dieses ambitionierte Projekt belaufen sich auf 35 Millionen Euro. In dieser Zeit wird die „Zone“ f√ľr den Besucherverkehr gesperrt sein ¬†um einen reibungslosen Ablauf zu gew√§hrleisten.¬†¬†„New Safe Confinement“, das ist der offizielle Name, ist das gr√∂√üte bewegliche Bauwerk¬†der Welt. Seine H√∂he betr√§gt 110 m, die L√§nge 150 m, einer Breite von 260 m und das Gesamtgewicht betr√§gt 31.000 Tonnen. Man¬†geht davon aus, dass der neue Sarkophag¬†100 Jahre standhalten wird.

Im November 2017¬†wird mit dem¬†R√ľckbau des alten Sarkophags begonnen. ¬†Dies wird Mithilfe von Kr√§nen die unter dem Dach der neuen Konstruktion¬†montiert sind geschehen. Diese Ma√ünahmen sind notwendig, weil die alte Konstruktion hochgradig Einsturzgef√§hrdet ist und damit einer erneute Kontamination der Umgebung vorgebeugt werden soll.¬†Bisher ist immer noch v√∂llig Unklar¬†was mit den Tonnen an radioaktivem Staub und Kernbrennstoffen geschehen soll. Diese befinden sich immer noch unter dem Mantel¬†des alten Sarkophag. Das Problem ist das die Strahlung am so genannten „Elefantenfu√ü“ bis zu 10 Sv/h betr√§gt. Unter solchen Bedingungen ist eine halbe Stunde ausreichend, um die letale Dosis zu erhalten. Dies w√ľrde den Strahlentod¬†innerhalb von 30 Tagen hervorrufen.


Im März 2015 startete die erste Reise nach Tschernobyl & Pripjat. Nun sind wir schon im dritten Jahr und fahren etwa ein Mal im Monat in die Sperrzone, mit einer kleinen Gruppe von Abenteurern.

Bei unserer Tschernobyl Tour hatten wir die einmalige M√∂glichkeit an einer gef√ľhrten wissenschaftlichen F√ľhrung durch die Bl√∂cke 1 bis 3 des Kraftwerkes teilzunehmen sowie auf dem Au√üengel√§nde den Fortschritt an den Arbeiten am neuen Sakrophag zu begutachten. In einem theoretischen Teil bekamen wir an einem Modell des havarierten Block 4 der im Informationszentrum steht eine Chronologie der Entscheidungen die zu dieser fatalen Kettenreaktion gef√ľhrt haben die den Supergau von Tschernobyl ausgel√∂st hat. Au√üerdem bekommen wir einen Einblick in die Funktionsweise des Kraftwerkes und d√ľrfen den Kontrollraum von Bloch 2 betreten.

Ablauf der Tschernobyl Katastrophe

Bereits am 25. April 1986 sollte im 4. Block ein Experiment stattfinden, bei dem √ľberpr√ľft werden sollte, ob die Turbinen bei einem kompletten Stromausfall im Kraftwerk noch gen√ľgend Strom liefern k√∂nnen, um die Notk√ľhlung des Reaktors zu gew√§hrleisten. Um das Experiment unter realistischen Bedingungen stattfinden zu lassen, wurde das Notprogramm „Havarieschutz“ abgeschaltet, in dem alle wichtigen Sicherheitseinrichtungen wie die Notk√ľhlung und das Einfahren der Bremsst√§be zusammengefa√üt sind. Doch der Beginn des Experiments wurde verschoben, so dass die unvorbereitete Nachtschicht des 26. April die Durchf√ľhrung eines Experiments √ľbernahm, dessen Versuchsanordnung den Reaktor praktisch schutzlos gemacht hatte.

Der Supergau von Tschernobyl – Eine Kette fataler Entscheidungen

Durch einen Bedienungsfehler des unerfahrenen Reaktoroperators Leonid Toptunow fiel kurz vor Beginn des Experiments die Reaktorleistung stark ab. Um sie wieder anzuheben, entfernten die Operatoren Bremsstäbe (mit denen die atomare Kettenreaktion kontrolliert werden kann) und unterschritten dabei die zulässige Minimalgrenze von 28 Stäben. Damit war der Reaktor noch schwerer zu beherrschen und in einem gefährlichen Sicherheitszustand.

1.22:30 Uhr

Dennoch befahl der Stellvertretende Chefingenieur des Kraftwerks, Anatolij Djatlow, den Beginn des Experiments. Dabei schalteten die Operatoren zu viele K√ľhlpumpen zu, so dass der mit wenig Leistung arbeitende Reaktor das ihn umflie√üende Wasser nicht mehr verdampfen konnte. Das Wasser begann aufzukochen, und erste hydraulische Schl√§ge waren zu h√∂ren. Akimow, der Schichtleiter, und Toptunow wollten den Test abbrechen, doch Djatlow trieb sie weiter an. Dabei sprach er die historischen Worte: „Noch ein, zwei Minuten, und alles ist vorbei! Etwas beweglicher, meine Herren!“

1.23:04 Uhr

Als die Bedienungsmannschaft nun den Strom abschaltete und nur die Auslaufenergie der Turbine die Wasserpumpen antrieb, wurde wieder weniger K√ľhlwasser durch den Reaktorkern gepumpt. Das Wasser wurde hei√üer, erreichte aber nur die Siedetemperatur. Da der Reaktor nur bei verdampfendem K√ľhlwasser ausreichend gek√ľhlt werden kann, begann seine Leistung anzusteigen.

1.23:40 Uhr 

Sp√§testens an dieser Stelle w√§re der Havarieschutz komplett angelaufen und h√§tte die Katastrophe verhindert, aber er war ja abgeschaltet. Als Akimow den sprunghaften Leistungsanstieg im Reaktor bemerkte, l√∂ste er um 1.23:40 Uhr den Havarieschutz manuell aus. Sofort wurden alle Bremsst√§be, die sich nicht in der aktiven Zone befanden, eingefahren (√ľber 200 St√ľck!). Doch genau an diesem Punkt entbl√∂√üte der Reaktor seinen gravierendsten Konstruktionsfehler: Die Einfahrgeschwindigkeit der Bemsst√§be ist viel zu niedrig, deutlich langsamer als in westlichen Kernkraftwerken. Au√üerdem befinden sich an der unteren Spitze der Bremsst√§be Graphitk√∂pfe, welche die Kettenreaktion nur noch beschleunigen. Das Einfahren der Bremsst√§be soll die Kettenreaktion aber stoppen. Auf diesem Konzept beruht der Sicherheitsmechanismus jedes Kernkraftwerks. Der Konstruktionsfehler f√ľhrte aber genau zum Gegenteil. Da die Graphitspitzen zuerst eingef√ľhrt wurden, erh√∂hte sich die Leistung f√ľr einen Moment sprungartig – der letzte Schub, der „Todessto√ü“ f√ľr den au√üer Kontrolle geratenen Reaktor.

Fatalerweise hatten sich durch die ungeheure Hitze im Reaktorkern auch noch die Kan√§le der Bremsst√§be verformt, und die Bremsst√§be verklemmten sich unwiderruflich. Es waren beinahe nur die reaktionsbeschleunigenden Graphitk√∂pfe im Reaktor. Die Katastrophe war nicht mehr zu verhindern. In der aktiven Zone begann eine chemische Reaktion zwischen dem Zirkonium, das die mitllerweile geborstenen Brennstoffkammern umh√ľllt, und dem Dampf. Es bildeten sich Wasserstoff und Sauerstoff – Knallgas!

1.23:58 Uhr

Nun zerri√ü eine m√§chtige Knallgasexplosion den Reaktor und alles, was ihn umgab. Ein gro√üer Teil des radioaktiven Reaktorinhalts wurde nach drau√üen geschleudert. Gl√ľhende Teile entz√ľndeten die Teerdachpappe der D√§cher des Maschinenhauses und des benachbarten 3. Blocks. Nur der heldenhafte Einsatz von Feuerwehrleuten und Kraftwerksmitarbeitern verhinderte in dieser Nacht eine noch gr√∂√üere Katastrophe.¬†Bei der Explosion wurden zwei M√§nner durch herabst√ľrzende Tr√ľmmer erschlagen. In den Wochen nach der Katastrophe starben noch weitere 30 Menschen. Sie erlagen der gewaltigen Strahlung, der sie bei ihren Rettungsarbeiten ausgesetzt waren. Unter ihnen sind Feuerwehrleute, die Operatoren Akimow und Toptunow sowie Mitglieder des Betriebspersonals des Kraftwerks.

In den folgenden Monaten kamen sogeannte „Liquidatoren“ nach Tschernobyl (Soldaten, Studenten und „Freiwillige“), die das Kraftwerk dekontaminierten, weitere Gefahrenquellen eliminierten und schlie√ülich den Sarkophag umbauten, der heute den explodierten 4. Block umschlie√üt. Die Zahlenangaben zu den eingesetzten Personen schwanken zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Menschen.

Tschernobyl – Der neue Sarkophag

Die Errichtung des Sarkophags wurde von den Liquidatoren unter Opferung ihrer Gesundheit schon wenige Wochen nach dem Unfall in Angriff genommen und im November 1986 abgeschlossen. Die in aller Eile errichtete, massive Beton-Stahl-Konstruktion ist √ľber die Jahre instabil geworden und stellt heute eine riskante Situation dar. Zahlreiche Reparaturen wurden bereits durchgef√ľhrt, unter anderem die Stabilisierung des Ventilationssystems, das Verschliessen von L√∂chern und eine Verst√§rkung der Dachkonstruktion. Dennoch wurde parallel ein Plan ausget√ľftelt, mit dem eine zweite, stabile Sarkophagkonstruktion √ľber die bereits bestehende Schutzh√ľlle gezogen werden soll. Diese ambitionierte Vision der Ingenieure ist nun fertiggestellt. Neben der Reaktorruine entstand¬†eine bogenf√∂rmige Stahlkonstruktion mit einer Breite von 245 Metern, einer L√§nge von 144 Metern und einer H√∂he von 86 Metern, ein Bauwerk, doppelt so gro√ü wie der K√∂lner Dom. Auf Schienen wurde die Konstruktion dann √ľber den alten Sarkophag geschoben und an den Seiten verschlossen. Die Arbeiten an der Infrastruktur wurden abgeschlossen und im November 2016 wurde der Stahlgigant fertiggestellt und √ľber die Tschernobyl-Ruine geschoben.


Ich veranstalte seit Mitte 2014 sogenannte Lost Places Fototouren, Expeditionen und Fotoreisen nach Polen, Osteuropa, und den Lofoten. Im März 2015 startete die erste Fotoexpedition nach Tschernobyl & Pripjat. Seitdem fahre ich etwa ein mal im Monat in die Sperrzone mit einer Gruppe aus höchstens 14 Teilnehmern.

Bevor wir in die Sperrzone fahren verbringen wir einen Tag in Kiew. Hier machen wir eine interessante Sightseeing Tour als sogenannten Fotowalk. Abends fahren wir gemeinsam zum Majdan, hier werden wir von einem Zeitzeugen begleitet der bei den Unruhen 2014 an vorderster Front dabei war und uns spannende Hintergrundinformationen geliefert hat.

Ein paar Eindr√ľcke unserer Teilnehmer und Fotos „Hinter den Motiven“ von der Pripjat Stalker Tour im Juni 2016. ¬†Alle Infos zur Fotoexpedition Pripjat Stalker Tour findet Ihr HIER

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Es gibt wieder Leben in der Sperrzone von Tschernobyl und der Geisterstadt Pripyat

Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus¬†dass die Vegetation rund um den havarierten Reaktorblock in Tschernobyl f√ľr immer zerst√∂rt wurde, und die Flora & Fauna f√ľr immer¬†ausgel√∂scht. Doch es gibt mittlerweile neues Leben in der Sperrzone wie beispielsweise M√§use, die keine sichtbaren Ver√§nderungen am K√∂rper zeigen, und sich scheinbar bester Gesundheit erfreuen, eine vom Aussterben bedrohte Wildpferderasse, die sich munter weiter fortpflanzt und Birkenw√§lder, die ganze D√∂rfer verschlingen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten nach dem Supergau hat die Natur von Tschernobyl wieder Besitz ergriffen, Pflanzen und B√§ume wuchern in verlassenen D√∂rfern und Siedlungen, wilde Tierarten wie W√∂lfe, B√§ren, F√ľchse und Luchse haben in den tiefen W√§ldern an der wei√ürussischen Grenze und in den verlassenen D√∂rfern Zuflucht gefunden. V√∂gel nisten auf den Hochh√§usern in der Geisterstadt Pripjat. Dabei scheinen sie alle gesund zu sein, und keine sichtbaren Ver√§nderungen aufzuweisen. Forscher fanden heraus, dass eine geringe Strahlenbelastung √ľber l√§ngere Zeit, Gene in den Tieren und Pflanzen aktiviert, die in der Lage sind, freie Radikale zu binden. Schlimmer ist also eine kurze, h√∂here Strahlenbelastung, die kurz nach dem Reaktorungl√ľck das Leben in Tschernobyl ausl√∂schte.

Es sind aber nicht alle Tiere in der Lage, trotz Strahlung zu √ľberleben. Schwalben zum Beispiel, die als Zugv√∂gel nach Afrika fliegen und wieder zur√ľck, verbrauchen auf dem Weg viele lebenswichtige Antioxidantien. Diese sind aber notwendig, um sich gegen die Strahlung zu wehren. So ist die Missbildungsrate bei Schwalben sehr hoch und nur 70 Prozent √ľberleben den Winter. Sie haben zudem auch eine k√ľrzere Lebenserwartung als Populationen au√üerhalb der Sperrzone.

Unglaublich erscheint auch die Geschichte der Przewalski-Pferde, einer asiatischen Wildpferderasse

Diese Leben in der 30 Kilometer Zone in Tschernobyl und pflanzen sich immer weiter fort, obwohl diese¬†eigentlich dem Tode geweiht waren. Diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse, von denen es weltweit nur noch ca. 2000 Exemplare gibt, stammt aus einem Naturschutzgebiet im S√ľden der Ukraine. Im Herbst 1998 entschieden Verantwortliche des Tierreservoirs, die 21 alten und schwachen Pferde in der Sperrzone auszusetzen, in dem Bewusstsein , dass die Tiere dort keine Chance mehr haben w√ľrden.

Heute leben dort etwa 40 Nachkommen der zum Tode Geweihten und erfreuen sich bester Gesundheit. Forscher vermuten, dass ihre schnelle Verdauung den radioaktiv verstrahlten Gr√§sern nicht mehr so viel Zeit l√§sst, um Sch√§den an den Zellen zu hinterlassen. Die wilden Pferde verf√ľgen zudem √ľber 66 Gene, wohingegen domestizierte Pferde nur 64 Gene besitzen. Auch hier spekulieren die Wissenschaftler auf einen Zusammenhang mit der hohen Widerstandskraft der Tiere. Sie hoffen, ihre Erkenntnisse auf Menschen √ľbertragen zu k√∂nnen, um zum Beispiel die negativen Auswirkungen einer Chemotherapie durch eine l√§ngere und daf√ľr mildere Strahlung zu minimieren. (Quelle: UNI.de)


Ein ziemlich unbekanntes Online-Nachrichtenportal aus dem Emsland das als bisherige journalistischen Meisterleistungen das „Absenken von Gullideckeln in Buxtehude und das Entlaufen von H√ľhnern in Kotzenb√ľll“ (ein wirklich existierendes Dorf in Nordfriesland) als Breaking News vermeldete m√∂chte jetzt in den Presseolymp aufsteigen. Als Beispiel wird sich hier die Onlinestrategie eines gro√üen Onlineportals herangezogen. Jeder erinnert sich wohl an die ver√∂ffentlichten Meldungen von „Schl√§gern in der U-Bahn“ als Fahndungsafruf die meist s√ľdl√§ndisch aussehende Jugendliche abbildeten. Meist waren die Artikel mehrere Jahre Alt. Der Zweck bestand einzig darin diese Artikel von Zeit zu Zeit bei Facebook zu posten um „Content“ auf der Seite zu generieren. Auf diesen Zug m√∂chte nun auch das winzig kleine Nachrichtenportal aus dem Norden aufspringen und mit einer Reportage aus Tschernobyl am gro√üen journalistischen Rad drehen. Aufgebaut als Reisebericht eines unbedarften Teilnehmers der meiner Meinung nach die Fotoexpedition nach Tschernobyl mit einer Pauschalreise nach Malle verwechselt hat soll nun in einer Reportage √ľber jeden Expeditionstag berichtet werden. Als Ank√ľndigung¬†erschien vor einigen Wochen die riesige √úberschrift „ABGEZOCKT in Tschernobyl“! Damit soll nat√ľrlich eine breite Aufmerksamkeit angezogen werden und ganz subtil einen massiven finanziellen Verlust beim Teilnehmer suggerieren um darauf zu schlie√üen das der Veranstalter wohl nicht ganz „koscher“ ist. Am Ende entpuppte sich dies als hei√üe Luft denn wenn man „Lesen“ kann und dazu noch den Vertrag komplett studiert hat, ist man halt Klar im Vorteil. In Berlin bei der Abfahrt wurde vom Teilnehmer moniert das der Veranstalter Ihn nicht die 50 Meter am Treffpunkt an die Hand genommen hat und sicher zum Bus auf die gegen√ľberliegende Stra√üenseite begleitet hat. Es gab leider zu dieser Zeit keinen freien Parkplatz am genauen Treffpunkt deshalb musste dieser Abseits parken. Am Ende √§rgere ich mich das ich diesem Teilnehmer kein Zugticket gekauft habe so wie er es sich gew√ľnscht hat, so w√§re mir vieles erspart geblieben. Fortsetzung folgt…

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Nat√ľrlich m√∂chte ich euch nicht das Feedback einer Teilnehmerin vorenthalten die schon mehrmals mit diesem „zwielichtigen“ Veranstalter unterwegs war.

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Fortsetzung folgt….


Seit genau 4 Jahren wird unter Hochdruck an der neuen st√§hlernen Kuppel f√ľr den Ungl√ľcksreaktor in Tschernobyl gearbeitet. Die Gr√∂√üe des Bauwerkes ist gigantisch. Lang wie ein Fu√üballstadion und Hoch wie ein zehnst√∂ckiges Haus. Das Gesamtgewicht des Sarkophags betr√§gt etwa 38.000 Tonnen. Die Innen und Au√üenw√§nde der H√ľlle sind mit Edelstahl verkleidet. Etwa 3000¬†Arbeiter bauen seit etwa 4 Jahren an der neuen Schutzh√ľlle. Am 07 und 08 November 2016¬†soll die gigantische Konstruktion auf Schienen gesetzt und endg√ľltig √ľber den Ungl√ľcksreaktor geschoben werden.

Wenn man den neuen Sarkophag dar√ľber geschoben hat, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Die strahlenden Stoffe aus dem Inneren des Reaktors m√ľssen herausgeholt werden um sie in ein endg√ľltiges Lager zu bef√∂rdern. Das Endlager¬†daf√ľr muss noch gebaut werden. Deshalb wurde die neue Schutzh√ľlle auf eine Zeit von 100 Jahren angelegt.¬†Der Reaktor war nach dem Ungl√ľck 1986 in hektischer Arbeit mit Blei und Sand zugesch√ľttet, dann mit Stahl und Beton abgedeckt worden. Darunter liegen bis heute 180 Tonnen strahlende Kernbrennstoffe. Dieser sogenannte erste Sarkophag ist nunmehr marode, deshalb wurde die zweite Schutzh√ľlle gebaut.

Unter ihrem Dach soll das radioaktive Material¬†aus dem Reaktor geholt und dann das Kraftwerksgeb√§ude abgerissen werden. Dies stellt eine Aufgabe f√ľr Jahrzehnte dar.

 


Auf unserer letzten Fotoexpedition nach Tschernobyl und Prypjat haben wir an einer F√ľhrung durch die Geb√§ude und das riesige Gel√§nde des Atomkraftwerks Tschernobyl teilgenommen.¬†Nach einem Sicherheitscheck und einer Einweisung ging es mit einem wei√üen Kittel, einer Kopfbedeckung und einem hauseigenen Dosimeter durch mehrere Sicherheitsschleusen und endlos lange Flure zum Kontrollraum im Block 2.¬†An vielen Stellen im Kraftwerk ist das Fotografieren verboten¬†und die vielen Sicherheitsleute achten streng darauf das dies auch eingehalten wird.¬†Die Atmosph√§re entspannt sich nach der Ankunft im sogenannten „goldenen Korridor“, der seinen Namen der Farbe des goldenen Aluminiumplatten, die nach 1986 hier eingebaut wurden, um die Reinigung zu erleichtern verdankt. Der Korridor erstreckt sich √ľber fast einen Kilometer und f√ľhrt durch alle Kraftwerksbl√∂cke und endet im Sarkophag des Block 4. Wir halten an der T√ľr mit einem Telefon an seiner Seite, durch die unser Guide uns ank√ľndigt und wir durch eine T√ľr in den Kontrollraum des¬†Block 2 gelangen, der Baugleich mit dem Kontrollraum im havarierten Block 4 ist.¬†Als n√§chstes gingen wir zu der¬†Pumpen und Turbinenhalle, wo an einem unserer Dosimeter¬†die Strahlung bis auf das Niveau von 300 mSv / h (in Berlin betr√§gt die durchschnittliche Strahlung 0,20 mSv / h). Wir passierten auch eine Wand mit einer roten Sicherheitst√ľr die¬†¬†uns von dem Block 4, das 1986 zerst√∂rt wurde, trennt. In der N√§he befindet sich auch ein Denkmal f√ľr Valery Chodemczuk der hier tragischerweise verstorben ist. Dessen K√∂rper wurde nie gefunden.¬†Im mittlerweile stillgelegten Kraftwerk arbeiten noch immer sehr viele Menschen. Auf dem Au√üengel√§nde errichten Arbeiter aus der ganzen Welt den neuen Sarkophag der ab 2017 den havarierten Block 4 ummanteln soll.

Auf dem Gel√§nde des Atomkraftwerks Tschernobyl waren 1986 vier Reaktorbl√∂cke in Betrieb und zwei weitere in Bau. Die Bl√∂cke 1 und 2 gingen 1977 bzw. 1978 in Betrieb, die Bl√∂cke 3 und 4 wurden 1981 bzw. 1984 ans Netz geschaltet. An den Bl√∂cken 5 und 6 wurde noch gebaut und sie sollten 1986 und 1988 in Betrieb gehen.¬†Die Bl√∂cke sind vom Typ eines Graphitmoderierten Druckr√∂hren-Siedewasserreaktors (RBMK-1000), mit einer elektrischen Leistung von je 1.000 MW. Das Reaktordesign weist zwei K√ľhlmittelkreisl√§ufe auf welche die W√§rme von jeweils einer Reaktorh√§lfte abf√ľhren. Kernreaktoren dieses Typs wurden ausschliesslich auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gebaut und betrieben. Die etwa 1700 Brennst√§be befinden sich jeweils in einer eigenen Druckr√∂hre und nicht, wie in anderen Kernreaktoren √ľblich, in einem grossen Druckbeh√§lter.

Am Samstag, den 26. April 1986 kam es aufgrund technisch bedingter Baufehler und menschlicher Fehlentscheidungen zu einer Explosion in Block 4, ausgel√∂st durch eine nukleare Leistungsexkursion.¬†Angefangen hat alles mit einem versp√§teten Test, der die Stabilit√§t des Kraftwerkes bei einem vollkommenen Stromausfall simulieren sollte. Vor allem sollte gezeigt werden, dass die auslaufenden Turbinen des Dampfgenerators gen√ľgend Strom erzeugen w√ľrden, um das K√ľhlsystem und die Sicherheitssysteme im Reaktor betriebsbereit zu halten bis die Notstromaggregate angesprungen w√§ren, wenn sowohl au√üerhalb des Kraftwerkes von Tschernobyl wie auch innerhalb der Strom ausfallen w√ľrde.

Wie sich dann sp√§ter herausstellte wurde dieser Versuch unter Bedingungen durchgef√ľhrt, die weit au√üerhalb des zul√§ssigen Betriebszustandes des Kraftwerkes lagen. Hierbei waren es nicht nur bauartbedingte technische Fehler, die die Katastrophe von Tschernobyl hervorriefen, es waren vor allem Fehlentscheidungen des Personals.

Die Reaktorblöcke von Tschernobyl sind heute alle mittlerweile stillgelegt. Im Oktober 1991 wurde nach einem Brand der Block 2 stillgelegt. Im November 1996 erfolgte die Stilllegung von Block 1 und im Dezember 2000 letztendlich der Block 3. (Quelle: teilweise Wikipedia)

 


Es ist das bekannteste Wahrzeichen der Geisterstadt Pripyat und ein Motiv das jeder Lost Place Fotograf einfangen muss wenn er an unserer Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat teilnimmt. Mittlerweile wird dieser Ort auch von vielen Tagestouristen heimgesucht die eine sogenannte „Chernobyl Tour“ buchen ein Selfie mit dem Riesenrad machen und wieder verschwinden.

Am 1. Mai 1986 sollte neben den √ľblichen Maifeierlichkeiten auch der Vern√ľgungspark in Pripyat zum ersten Mal seine Tore f√ľr Besucher √∂ffnen. Auf den Stra√üen wehten die Fahnen und Dekorationen zum √ľblichen Maifeiertag. Es kam jedoch alles anders, am 26. April 1986 explodierte im nur wenige Kilometer entfernten Tschernobyl ein Kernreaktor und sorgte so f√ľr jene unbeschreibliche Katastrophe, die den meisten von uns wohl noch zu gut in Erinnerung geblieben sein d√ľrfte.

Einen Tag nach der Tschernobyl-Katastrophe entschloss sich die Stadtverwaltung dazu, den Freizeitpark f√ľr Besucher trotzdem zu √∂ffnen, um den Menschen etwas Ablenkung von den √Ąngsten und Gefahren der Katastrophe zu verschaffen.

Doch nach nur wenigen Stunden, in denen das Riesenrad des Parks sowie ein Autoscooter und ein Fallschirmturm zumindest f√ľr das ein oder andere vorsichtige L√§cheln in den Gesichtern der Besucher und vor allem der Kinder gesorgt haben d√ľrfte, kam der Befehl, Pripyat endg√ľltig zu evakuieren.

Hier präsentiere ich euch einen Kurzfilm von unserer Fotoexpedition im Mai 2015