Tschernobyl: Fünf Minuten im Kontrollraum von Block 4

@ Vladimir Gerasimov

Seit der Ankündigung, dass Touristen nun den Kontrollraum von Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl besuchen dürfen, kursieren im Internet viele utopische Zahlen bezüglich der Strahlenbelastung vor Ort. Diverse Webseiten berichten, dass die Strahlung den Normalwert um das 40.000-fache überschreitet und man sich deshalb nur maximal fünf Minuten dort aufhalten kann. Wir wissen nicht, wie die Journalisten auf diese Zahl kommen. Ist es vielleicht nur ein Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen, Entsetzen auszulösen und eine hohe Klickzahl zu erreichen? Wir von Urbexplorer möchten unseren Gästen die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild von der Sperrzone und der Situation vor Ort zu machen und sie mit korrekten Informationen versorgen.

Das Herzstück der Sperrzone von Tschernobyl

Im Kontrollraum von Reaktorblock 4 wurden vor über 33 Jahren die schwerwiegenden Fehler begangen, die zur bis dahin schlimmsten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte geführt haben. Die Explosion hat nahezu den gesamten Block 4 zerstört, was die Nutzung der Bedieneinheit unnötig machte. In den folgenden Jahren fungierte sie nur noch als Ersatzteilspender für die anderen drei Blöcke, die bis Oktober 1993 (Block 2), November 1996 (Block 1) bzw. Dezember 2000 (Block 3) in Betrieb waren.

@ Vladimir Gerasimov

Unvergessliche Eindrücke

Tatsächlich ist die Strahlenbelastung im Kontrollraum von Reaktorblock 4 erhöht. Durchschnittlich erreicht sie 3 µSv/h, was zwanzigmal höher als der Standard in Berlin ist (0,1 µSv/h). Stellenweise kann die Strahlenbelastung auch einen Wert von 10 µSv/h bis zu 20 µSv/h an sogenannten „Hotspots“ erreichen. Dies entspricht dem Hundert- bis Zweihundertfachen des Normalwertes. Spezielle Kleidung wie Schutzanzüge, Atemmasken, Sicherheitsschuhe und Schutzhelme sind während der Besichtigung deshalb Pflicht. Ein Grund, sich nur fünf Minuten in dem Raum aufhalten zu können, ist dies allerdings nicht. Die viel größere Gefahr, die dort besteht, ist, radioaktiv belasteten Staub durch Einatmen in den Körper aufzunehmen. Aus diesem Grund besteht während des Besuches Maskenpflicht. Doch auch hier muss man keine Angst haben – der Boden des Raumes ist mit einer klebrigen Substanz überzogen, welche die umherfliegenden Staubpartikel am Boden fixiert.

Für den Aufenthalt im Kraftwerk bekommt jeder Besucher ein persönliches Dosimeter, das die aufgenommene Strahlendosis misst. Diverse Sicherheitsmaßnahmen wie ferngesteuerte Sicherheitstüren, an den Wänden installierte Dosimeter und das Melden eines jeden Passierens der Sicherheitstüren stellen zudem sicher, dass kein Besucher sich von seiner Gruppe entfernen kann und so in Gefahr gerät. Beim Verlassen des Kontrollraums von Block 4 muss jeder Besucher eine Dosimetriekontrolle durchlaufen. Die gleiche Prozedur geschieht beim Verlassen des Kraftwerks. Die gesamte Führung dauert circa drei bis vier Stunden, in denen man, je nach persönlichem Verhalten, um die 4 µSv/h aufnimmt. Zum Vergleich: Auf einem knapp zweistündigen Flug von Berlin nach Kiew nimmt man ungefähr die gleiche Strahlendosis auf.

Strahlenbelastung im Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach Kiew

Eine sichere Reise mit Urbexplorer

Wir organisieren für euch sowohl die Kraftwerksführung als auch die Besichtigung des Kontrollraums von Reaktorblock 4 – alles wie gewohnt in einer kleinen Gruppe von Abenteurern und Entdeckern mit dem nötigen Respekt vor den Opfern der Katastrophe und ihren Hinterbliebenen. Wenn ihr den Kontrollraum von Block 4 mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite Tschernobyl Fallout Tour alle Informationen, die ihr für eure individuelle Fotoreise mit Urbexplorer benötigt.

Auch im Rahmen einer privaten Tschernobyl-Reise mit den Freunden können wir einen Besuch des Kontrollraums von Reaktorblock 4 organisieren. Weitere Informationen findet ihr HIER.

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