Auf unserer spannenden Radioactive Nightcore Fotoexpedition erkunden wir an drei Tagen die Sperrzone von Tschernobyl bevor wir in die NĂ€he von Perwomajsk fahren wo bis in die 1990 ger Jahre an einem als Wetterstation getarnten Ort und mit einem 3000 Volt gesicherten, dreifachen Elektrozaun die sowjetischen Atomraketen stationiert waren. Diese Raketenbasis bestand aus mehreren KommandoplĂ€tzen in deren Silos jeweils 9 Atomraketen standen umgeben von einem 40 Meter tiefen Silo mit der KommandobrĂŒcke. Wir fahren bis zu 40 Meter tief in die Erde hinab um die ehemalige Steuerungszentrale zu erkunden die den Eindruck erweckt als ob man sich in einem Raumschiff befindet. Auf dieser ehemaligen Atomwaffenbasis finden wir auch die berĂŒhmte SS-18 die im NATO Code „Satan“ genannt wurde. Diese Rakete hat eine LĂ€nge von ĂŒber 34 Meter und eine Breite von 3 Metern. Die durchschnittliche Reichweite betrĂ€gt 16.000 Kilometer.

Die geheime Atomwaffenbasis liegt in einem sehr dĂŒnn besiedelten gebiet in der sĂŒdöstlichen Ukraine. Man erreicht die Basis nur ĂŒber eine rumpelige Schotterpiste und die nĂ€chste Stadt Kirowograd ist etwa 60 Kilometer entfernt. Diese lage war aber so gewollt, denn im Kriegsfall wĂ€ren die Basen selbst Ziel eines atomaren Angriffs und mussten deshalb fernab der StĂ€dte gebaut werden. Außerdem musste das Grundwasser sehr niedrig sein damit die etwa 40 Meter tiefen Silos gebaut werden konnten. Wo die sowjetischen Basen lagen, war ein streng gehĂŒtetes Geheimnis. Insgesamt sechs feste Basen und somit neunzig Silos samt BefehlsstĂ€nden waren ĂŒber das ganze Land verteilt, außerdem gab es drei mobile Basen die im Gebiet der nördlichen Ukraine und Weissrussland aufgebaut werden konnten.

Am 17. Dezember 1959 grĂŒndete die Sowjetunion die Strategischen Raketentruppen und rĂŒstete sich zur Atommacht auf. Die ersten Raketen in Perwomaisk waren vom Typ R-12 und hatten eine Reichweite von 2080 Kilometern. 1962 ließ Nikita Chruschtschow dieselben Raketen auf Kuba stationieren und löste damit die sogenannte Kuba-Krise aus. Von Kuba aus hĂ€tten die Raketen in wenigen Minuten Washington erreicht. Die Zielgenauigkeit der R-12 hatte die Armee zuvor geprĂŒft. Der Test trug den Namen „Operation Rose“. Man rĂŒstete die Raketen mit einem leichten Atomsprengkopf aus und brachte sie nach Workuta in Sibirien um spezielle Tauglichkeitstests durchzufĂŒhren. Die Raketen waren bis auf 40 Meter zielgenau, was zu dieser Zeit ein großer Erfolg war. Aber die R-12 hatte einen Nachteil. Sie musste vor jedem Start aufgetankt werden, was etwa zweieinhalb Stunden dauert und im Ernstfall verhĂ€ngnisvolle Folgen nach sich ziehen wĂŒrde . Deshalb wurde die R-12 Mitte der sechziger Jahre von der UR-100 abgelöst. Diese war innerhalb von Minuten einsatzbereit.

Auf unserer weiteren Erkundung betreten wir ein unscheinbares BetonhĂ€uschen. Hier befindet sich der Eingang zur unterirdischen Schaltzentrale, wo die Atomraketen abgefeuert worden wĂ€ren. Beim Betreten der unterirdischen Schaltzentrale fĂŒhlt man sich wie in einem James-Bond Krimi. In diesem haus wurde auch eine ausgeklĂŒgelte BelĂŒftungsanlage eingebaut. Auf der linken Seite steigen wir eine zwei Meter lange Leiter hinab. Sie fĂŒhrt zu einem schmalen Tunnel. Nach etwa 100 Metern endet der Tunnel an einer Schleuse, die mit zwei dicken StahltĂŒren gesichert ist, diese konnten damals nur mit einem speziellen Zugangscode geöffnet werden. Hinter der Schleuse wartet ein winziger Fahrstuhl, in den gerade drei Leute hineinpassen. Der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung und wir fahren 45 Meter abwĂ€rts vorbei an verschiedenen Etagen des Kommandosilos. Nach einer Weile sind wir mit dem Fahrstuhl auf der Ebene der Kommandozentrale angekommen. Die ist vollgestopft mit Technik und erinnert stark an ein Raumschiffcockpit. Direkt unter der Schaltzentrale, zu erreichen mit einer Metalleiter, befindet sich ein zweiter Raum mit Schlafkojen. In einem Kommandosilo waren immer 3 Offiziere stationiert, die den Raketenpult haben bedienen mĂŒssen.

Den geheimnisvollen roten Knopf gab es hier nicht. Im Kriegsfall wĂŒrde der Abschussbefehl vom Oberkommando der Sowjetarmee aus Moskau kommen. Am Kontrollpult hĂ€tte ein LĂ€mpchen aufgeleuchtet und ein Summen wĂ€re ertönt. Auf einem Monitor wĂ€re das Wort „Pusk“ (russisch: Start) erschienen. Der befehlshabende Offizier hĂ€tte einen Tresor geöffnet, in dem sich zwei Schachteln mit jeweils zwei SchlĂŒsseln befanden. Ein SchlĂŒssel war fĂŒr den Befehlshaber, der andere fĂŒr den Co-Offizier bestimmt. Die beiden hĂ€tten die SchlĂŒssel gleichzeitig in die ZĂŒndvorrichtung einsetzen mĂŒssen.

Danach wĂ€re auf einem anderen Monitor ein sechsstelliger Code erschienen. Dann hĂ€tte der Befehlshaber aus dem Oberteil des Tresors eine dritte Schachtel herausgeholt. Darin befand sich ein versiegelter Briefumschlag mit einer weiteren sechsstelligen Zahlenfolge. Wenn deren letzte Ziffer mit dem letzten Zeichen des Codes auf dem Monitor ĂŒbereingestimmt hĂ€tte, wĂ€ren die Offiziere zum Abschuss der Raketen berechtigt gewesen.

Nur beide Offiziere gleichzeitig hĂ€tten die Raketen zĂŒnden können. Dazu hĂ€tten sie mit der linken Hand den Startknopf gedrĂŒckt gehalten. Mit der rechten Hand hĂ€tten sie die ZĂŒndschlĂŒssel gegen den Uhrzeigersinn um 90 Grad drehen mĂŒssen. Diese Prozedur musste zwei Mal erfolgen, nur dann wĂ€ren die Raketen gestartet. Dieser Ablauf wurde jahrelang geĂŒbt. Dem Angriff der Gegner hĂ€tte der Bunker leicht standgehalten denn er war ummantelt mit einer dicken Betonschicht und die Kapsel der KommandobrĂŒcke war auf StoßdĂ€mpfern gebaut. Vierzig Tage hĂ€tten die Offiziere in totaler Isolation ĂŒberleben können. Es standen Notrationen bereit, sogar eine Mikrowelle gab es im Bunker. Nach Verbrauch der VorrĂ€te wĂ€ren die Soldaten in ein Rohr gekrochen und in einer Luftdruckkapsel nach oben geschossen worden. Der Fahrstuhl wĂŒrde dann wohl nicht mehr funktionieren. Oben hĂ€tten sie sich SchutzanzĂŒge ĂŒbergezogen und wĂ€ren in die verstrahlte Gegend hinausgegangen. Und was dann? Zum GlĂŒck ist es nicht so weit gekommen.


Seit etwa 4 Wochen sind wir alle wieder von unserer Pripjat Silvester 1985 Tour nach Hause zurĂŒckgekehrt! Wir begaben uns in das Jahr 1985 um auf eine außergewöhnliche „Silvester“ Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat. An zwei Tagern erkundeten wir die zu dieser Jahreszeit menschenleere Sperrzone.

Da es ein wenig geschneit hat herrschte auf unserer Erkundungsroute durch die Zone eine stimmungsvolle winterliche Aura! Dies war eine außergewöhnliche und einzigartige Fotoexpedition in die Sperrzone denn die LichtverhĂ€ltnisse in dieser Jahreszeit sind schon eine Herausforderung.

Andererseits haben wir völlig neue EindrĂŒcke aus einer winterlichen und verschneiten Zone mitgenommen. Ich persönlich habe meinen ersten Wolf in meinem Leben gesehen. Die Bilder wurden mir von Nils Konheiser zur VerfĂŒgung gestellt. Vielen Dank dafĂŒr! Besucht seine Seite unter: Facebook NK Fotografie 

Eine kleine Statistik: Aus welchen LĂ€ndern kamen eigentlich die meisten Besucher in die Sperrzone?

Platz 1. Ukraine mit 33,2 %
Platz 2. Polen mit 16,8 %
Platz 3. Großbritannien mit 12,3 %
Platz 4. USA mit 8,8 %
Platz 5. Deutschland mit 7,5 %

Fotogalerie Pripjat Silvester 1985 Tour

VideoClip "Pripjat Silvester 1985 Tour"

Pripjat Silvester 1985 Tour

Mach Dir selbst ein Bild!


Pripjat- das nukleare Pompeji wird zunehmend ein besonderes Reiseziel fĂŒr Lost Places Fotografen, Entdecker und Geschichtsinteressierte. Wenn mich jemand fragt: “Ja, der MĂ€rz ist die beste Reisezeit um die spektakulĂ€rsten Fotomotive auf unserer “Pripjat Stalker Tour” zu suchen. Vom 18. MĂ€rz bis 23. MĂ€rz findet unsere erste Pripjat Stalker Tour 2017 statt. Zu dieser Jahreszeit ist die Natur noch im Wintermodus und verbreitet eine dĂŒstere Aura.

Ich veranstalte seit Mitte 2014 sogenannte Lost Places Fototouren, Expeditionen und Fotoreisen nach Polen, Osteuropa, und den Lofoten. Im MÀrz 2015 startete die erste Fotoexpedition nach Tschernobyl & Pripjat. Seitdem fahre ich etwa ein mal im Monat in die Sperrzone mit einer Gruppe aus höchstens 14 Teilnehmern.

Bevor wir in die Sperrzone fahren verbringen wir einen Tag in Kiew. Hier machen wir eine interessante Sightseeing Tour als sogenannten Fotowalk. Abends fahren wir gemeinsam zum Majdan, hier werden wir von einem Zeitzeugen begleitet der bei den Unruhen 2014 an vorderster Front dabei war und uns spannende Hintergrundinformationen geliefert hat.

Ein paar EindrĂŒcke unserer Teilnehmer und Fotos „Hinter den Motiven“ von der Pripjat Stalker Tour im Juni 2016.  Alle Infos zur Fotoexpedition Pripjat Stalker Tour findet Ihr HIER

[supsystic-gallery id=“6″]


Es gibt wieder Leben in der Sperrzone von Tschernobyl und der Geisterstadt Pripyat

Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus dass die Vegetation rund um den havarierten Reaktorblock in Tschernobyl fĂŒr immer zerstört wurde, und die Flora & Fauna fĂŒr immer ausgelöscht. Doch es gibt mittlerweile neues Leben in der Sperrzone wie beispielsweise MĂ€use, die keine sichtbaren VerĂ€nderungen am Körper zeigen, und sich scheinbar bester Gesundheit erfreuen, eine vom Aussterben bedrohte Wildpferderasse, die sich munter weiter fortpflanzt und BirkenwĂ€lder, die ganze Dörfer verschlingen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten nach dem Supergau hat die Natur von Tschernobyl wieder Besitz ergriffen, Pflanzen und BĂ€ume wuchern in verlassenen Dörfern und Siedlungen, wilde Tierarten wie Wölfe, BĂ€ren, FĂŒchse und Luchse haben in den tiefen WĂ€ldern an der weißrussischen Grenze und in den verlassenen Dörfern Zuflucht gefunden. Vögel nisten auf den HochhĂ€usern in der Geisterstadt Pripjat. Dabei scheinen sie alle gesund zu sein, und keine sichtbaren VerĂ€nderungen aufzuweisen. Forscher fanden heraus, dass eine geringe Strahlenbelastung ĂŒber lĂ€ngere Zeit, Gene in den Tieren und Pflanzen aktiviert, die in der Lage sind, freie Radikale zu binden. Schlimmer ist also eine kurze, höhere Strahlenbelastung, die kurz nach dem ReaktorunglĂŒck das Leben in Tschernobyl auslöschte.

Es sind aber nicht alle Tiere in der Lage, trotz Strahlung zu ĂŒberleben. Schwalben zum Beispiel, die als Zugvögel nach Afrika fliegen und wieder zurĂŒck, verbrauchen auf dem Weg viele lebenswichtige Antioxidantien. Diese sind aber notwendig, um sich gegen die Strahlung zu wehren. So ist die Missbildungsrate bei Schwalben sehr hoch und nur 70 Prozent ĂŒberleben den Winter. Sie haben zudem auch eine kĂŒrzere Lebenserwartung als Populationen außerhalb der Sperrzone.

Unglaublich erscheint auch die Geschichte der Przewalski-Pferde, einer asiatischen Wildpferderasse

Diese Leben in der 30 Kilometer Zone in Tschernobyl und pflanzen sich immer weiter fort, obwohl diese eigentlich dem Tode geweiht waren. Diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse, von denen es weltweit nur noch ca. 2000 Exemplare gibt, stammt aus einem Naturschutzgebiet im SĂŒden der Ukraine. Im Herbst 1998 entschieden Verantwortliche des Tierreservoirs, die 21 alten und schwachen Pferde in der Sperrzone auszusetzen, in dem Bewusstsein , dass die Tiere dort keine Chance mehr haben wĂŒrden.

Heute leben dort etwa 40 Nachkommen der zum Tode Geweihten und erfreuen sich bester Gesundheit. Forscher vermuten, dass ihre schnelle Verdauung den radioaktiv verstrahlten GrĂ€sern nicht mehr so viel Zeit lĂ€sst, um SchĂ€den an den Zellen zu hinterlassen. Die wilden Pferde verfĂŒgen zudem ĂŒber 66 Gene, wohingegen domestizierte Pferde nur 64 Gene besitzen. Auch hier spekulieren die Wissenschaftler auf einen Zusammenhang mit der hohen Widerstandskraft der Tiere. Sie hoffen, ihre Erkenntnisse auf Menschen ĂŒbertragen zu können, um zum Beispiel die negativen Auswirkungen einer Chemotherapie durch eine lĂ€ngere und dafĂŒr mildere Strahlung zu minimieren. (Quelle: UNI.de)


Ein ziemlich unbekanntes Online-Nachrichtenportal aus dem Emsland das als bisherige journalistischen Meisterleistungen das „Absenken von Gullideckeln in Buxtehude und das Entlaufen von HĂŒhnern in KotzenbĂŒll“ (ein wirklich existierendes Dorf in Nordfriesland) als Breaking News vermeldete möchte jetzt in den Presseolymp aufsteigen. Als Beispiel wird sich hier die Onlinestrategie eines großen Onlineportals herangezogen. Jeder erinnert sich wohl an die veröffentlichten Meldungen von „SchlĂ€gern in der U-Bahn“ als Fahndungsafruf die meist sĂŒdlĂ€ndisch aussehende Jugendliche abbildeten. Meist waren die Artikel mehrere Jahre Alt. Der Zweck bestand einzig darin diese Artikel von Zeit zu Zeit bei Facebook zu posten um „Content“ auf der Seite zu generieren. Auf diesen Zug möchte nun auch das winzig kleine Nachrichtenportal aus dem Norden aufspringen und mit einer Reportage aus Tschernobyl am großen journalistischen Rad drehen. Aufgebaut als Reisebericht eines unbedarften Teilnehmers der meiner Meinung nach die Fotoexpedition nach Tschernobyl mit einer Pauschalreise nach Malle verwechselt hat soll nun in einer Reportage ĂŒber jeden Expeditionstag berichtet werden. Als AnkĂŒndigung erschien vor einigen Wochen die riesige Überschrift „ABGEZOCKT in Tschernobyl“! Damit soll natĂŒrlich eine breite Aufmerksamkeit angezogen werden und ganz subtil einen massiven finanziellen Verlust beim Teilnehmer suggerieren um darauf zu schließen das der Veranstalter wohl nicht ganz „koscher“ ist. Am Ende entpuppte sich dies als heiße Luft denn wenn man „Lesen“ kann und dazu noch den Vertrag komplett studiert hat, ist man halt Klar im Vorteil. In Berlin bei der Abfahrt wurde vom Teilnehmer moniert das der Veranstalter Ihn nicht die 50 Meter am Treffpunkt an die Hand genommen hat und sicher zum Bus auf die gegenĂŒberliegende Straßenseite begleitet hat. Es gab leider zu dieser Zeit keinen freien Parkplatz am genauen Treffpunkt deshalb musste dieser Abseits parken. Am Ende Ă€rgere ich mich das ich diesem Teilnehmer kein Zugticket gekauft habe so wie er es sich gewĂŒnscht hat, so wĂ€re mir vieles erspart geblieben. Fortsetzung folgt…

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

NatĂŒrlich möchte ich euch nicht das Feedback einer Teilnehmerin vorenthalten die schon mehrmals mit diesem „zwielichtigen“ Veranstalter unterwegs war.

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Fortsetzung folgt….


Seit genau 4 Jahren wird unter Hochdruck an der neuen stĂ€hlernen Kuppel fĂŒr den UnglĂŒcksreaktor in Tschernobyl gearbeitet. Die GrĂ¶ĂŸe des Bauwerkes ist gigantisch. Lang wie ein Fußballstadion und Hoch wie ein zehnstöckiges Haus. Das Gesamtgewicht des Sarkophags betrĂ€gt etwa 38.000 Tonnen. Die Innen und AußenwĂ€nde der HĂŒlle sind mit Edelstahl verkleidet. Etwa 3000 Arbeiter bauen seit etwa 4 Jahren an der neuen SchutzhĂŒlle. Am 07 und 08 November 2016 soll die gigantische Konstruktion auf Schienen gesetzt und endgĂŒltig ĂŒber den UnglĂŒcksreaktor geschoben werden.

Wenn man den neuen Sarkophag darĂŒber geschoben hat, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Die strahlenden Stoffe aus dem Inneren des Reaktors mĂŒssen herausgeholt werden um sie in ein endgĂŒltiges Lager zu befördern. Das Endlager dafĂŒr muss noch gebaut werden. Deshalb wurde die neue SchutzhĂŒlle auf eine Zeit von 100 Jahren angelegt. Der Reaktor war nach dem UnglĂŒck 1986 in hektischer Arbeit mit Blei und Sand zugeschĂŒttet, dann mit Stahl und Beton abgedeckt worden. Darunter liegen bis heute 180 Tonnen strahlende Kernbrennstoffe. Dieser sogenannte erste Sarkophag ist nunmehr marode, deshalb wurde die zweite SchutzhĂŒlle gebaut.

Unter ihrem Dach soll das radioaktive Material aus dem Reaktor geholt und dann das KraftwerksgebĂ€ude abgerissen werden. Dies stellt eine Aufgabe fĂŒr Jahrzehnte dar.

 


Auf unserer letzten Fotoexpedition nach Tschernobyl und Prypjat haben wir an einer FĂŒhrung durch die GebĂ€ude und das riesige GelĂ€nde des Atomkraftwerks Tschernobyl teilgenommen. Nach einem Sicherheitscheck und einer Einweisung ging es mit einem weißen Kittel, einer Kopfbedeckung und einem hauseigenen Dosimeter durch mehrere Sicherheitsschleusen und endlos lange Flure zum Kontrollraum im Block 2. An vielen Stellen im Kraftwerk ist das Fotografieren verboten und die vielen Sicherheitsleute achten streng darauf das dies auch eingehalten wird. Die AtmosphĂ€re entspannt sich nach der Ankunft im sogenannten „goldenen Korridor“, der seinen Namen der Farbe des goldenen Aluminiumplatten, die nach 1986 hier eingebaut wurden, um die Reinigung zu erleichtern verdankt. Der Korridor erstreckt sich ĂŒber fast einen Kilometer und fĂŒhrt durch alle Kraftwerksblöcke und endet im Sarkophag des Block 4. Wir halten an der TĂŒr mit einem Telefon an seiner Seite, durch die unser Guide uns ankĂŒndigt und wir durch eine TĂŒr in den Kontrollraum des Block 2 gelangen, der Baugleich mit dem Kontrollraum im havarierten Block 4 ist. Als nĂ€chstes gingen wir zu der Pumpen und Turbinenhalle, wo an einem unserer Dosimeter die Strahlung bis auf das Niveau von 300 mSv / h (in Berlin betrĂ€gt die durchschnittliche Strahlung 0,20 mSv / h). Wir passierten auch eine Wand mit einer roten SicherheitstĂŒr die  uns von dem Block 4, das 1986 zerstört wurde, trennt. In der NĂ€he befindet sich auch ein Denkmal fĂŒr Valery Chodemczuk der hier tragischerweise verstorben ist. Dessen Körper wurde nie gefunden. Im mittlerweile stillgelegten Kraftwerk arbeiten noch immer sehr viele Menschen. Auf dem AußengelĂ€nde errichten Arbeiter aus der ganzen Welt den neuen Sarkophag der ab 2017 den havarierten Block 4 ummanteln soll.

Auf dem GelĂ€nde des Atomkraftwerks Tschernobyl waren 1986 vier Reaktorblöcke in Betrieb und zwei weitere in Bau. Die Blöcke 1 und 2 gingen 1977 bzw. 1978 in Betrieb, die Blöcke 3 und 4 wurden 1981 bzw. 1984 ans Netz geschaltet. An den Blöcken 5 und 6 wurde noch gebaut und sie sollten 1986 und 1988 in Betrieb gehen. Die Blöcke sind vom Typ eines Graphitmoderierten Druckröhren-Siedewasserreaktors (RBMK-1000), mit einer elektrischen Leistung von je 1.000 MW. Das Reaktordesign weist zwei KĂŒhlmittelkreislĂ€ufe auf welche die WĂ€rme von jeweils einer ReaktorhĂ€lfte abfĂŒhren. Kernreaktoren dieses Typs wurden ausschliesslich auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gebaut und betrieben. Die etwa 1700 BrennstĂ€be befinden sich jeweils in einer eigenen Druckröhre und nicht, wie in anderen Kernreaktoren ĂŒblich, in einem grossen DruckbehĂ€lter.

Am Samstag, den 26. April 1986 kam es aufgrund technisch bedingter Baufehler und menschlicher Fehlentscheidungen zu einer Explosion in Block 4, ausgelöst durch eine nukleare Leistungsexkursion. Angefangen hat alles mit einem verspĂ€teten Test, der die StabilitĂ€t des Kraftwerkes bei einem vollkommenen Stromausfall simulieren sollte. Vor allem sollte gezeigt werden, dass die auslaufenden Turbinen des Dampfgenerators genĂŒgend Strom erzeugen wĂŒrden, um das KĂŒhlsystem und die Sicherheitssysteme im Reaktor betriebsbereit zu halten bis die Notstromaggregate angesprungen wĂ€ren, wenn sowohl außerhalb des Kraftwerkes von Tschernobyl wie auch innerhalb der Strom ausfallen wĂŒrde.

Wie sich dann spĂ€ter herausstellte wurde dieser Versuch unter Bedingungen durchgefĂŒhrt, die weit außerhalb des zulĂ€ssigen Betriebszustandes des Kraftwerkes lagen. Hierbei waren es nicht nur bauartbedingte technische Fehler, die die Katastrophe von Tschernobyl hervorriefen, es waren vor allem Fehlentscheidungen des Personals.

Die Reaktorblöcke von Tschernobyl sind heute alle mittlerweile stillgelegt. Im Oktober 1991 wurde nach einem Brand der Block 2 stillgelegt. Im November 1996 erfolgte die Stilllegung von Block 1 und im Dezember 2000 letztendlich der Block 3. (Quelle: teilweise Wikipedia)

 


Es ist das bekannteste Wahrzeichen der Geisterstadt Pripyat und ein Motiv das jeder Lost Place Fotograf einfangen muss wenn er an unserer Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat teilnimmt. Mittlerweile wird dieser Ort auch von vielen Tagestouristen heimgesucht die eine sogenannte „Chernobyl Tour“ buchen ein Selfie mit dem Riesenrad machen und wieder verschwinden.

Am 1. Mai 1986 sollte neben den ĂŒblichen Maifeierlichkeiten auch der VernĂŒgungspark in Pripyat zum ersten Mal seine Tore fĂŒr Besucher öffnen. Auf den Straßen wehten die Fahnen und Dekorationen zum ĂŒblichen Maifeiertag. Es kam jedoch alles anders, am 26. April 1986 explodierte im nur wenige Kilometer entfernten Tschernobyl ein Kernreaktor und sorgte so fĂŒr jene unbeschreibliche Katastrophe, die den meisten von uns wohl noch zu gut in Erinnerung geblieben sein dĂŒrfte.

Einen Tag nach der Tschernobyl-Katastrophe entschloss sich die Stadtverwaltung dazu, den Freizeitpark fĂŒr Besucher trotzdem zu öffnen, um den Menschen etwas Ablenkung von den Ängsten und Gefahren der Katastrophe zu verschaffen.

Doch nach nur wenigen Stunden, in denen das Riesenrad des Parks sowie ein Autoscooter und ein Fallschirmturm zumindest fĂŒr das ein oder andere vorsichtige LĂ€cheln in den Gesichtern der Besucher und vor allem der Kinder gesorgt haben dĂŒrfte, kam der Befehl, Pripyat endgĂŒltig zu evakuieren.

Hier prÀsentiere ich euch einen Kurzfilm von unserer Fotoexpedition im Mai 2015