Gut versteckt, zugewachsen und oftmals ungenutzt, finden sich auf unseren Lost Places Fototouren interessante geheime Orte wie d√ľstere Industrieanlagen, prachtvolle Schl√∂sser und m√§rchenhafte Kirchen. Unsere Fototouren & Reisen laden Dich ein, einen Blick hinter die Kulissen der geheimnisvollen Orte zu nehmen. Manche der noch zu Zeiten des Sozialismus genutzten Bauwerke und Relikte einer untergegangenen √Ąra sind verlassen und nicht mehr genutzt, haben aber hinter ihren Mauern viele interessante Geschichten zu erz√§hlen.

Mich faszinierten schon immer d√ľstere Industrieobjekte da ich hier sehr viele verschieden Fotomotive entdecken kann. Auf unseren seit 2 Jahren regul√§r stattfindenden Fototouren zu verlassenen Orten besuchen wir auch seit etwa einem Jahr diese „Perle“ eines fr√ľher pulsierenden Industriebetriebes. Diese Lokomotiv- und Waggon Werkstatt einer regionalen Eisenbahngesellschaft die im Gro√üraum Oberschlesien der gr√∂√üte Betreiber von Schmalspurbahnen war ist das neue Ziel unserer spannenden Entdeckungsreisen. Der Bau der Schmalspurbahn wurde von der Oberschlesischen Eisenbahngesellschaft auf der Grundlage der im Jahre 1851 erhaltenen Lizenz des preu√üischen Staates begonnen. Die ersten Abschnitte des Netzes mit einer Schienenbreite von 785 mm ¬†wurden 2 Jahre sp√§ter fertiggestellt. Das √ľber 150-j√§hrige Bestehen der Oberschlesischen Schmalspurbahnen hat alle gro√üen Industrieanlagen mit ihren Gleisen abgedeckt: Minen, Stahlwerke, Kraftwerke und Steinbr√ľche.¬†Viele der mittlerweile aufgegebenen Bahnanlagen und Lokschuppen sind leider Leer ger√§umt von Metalldieben und Vandalen sowie zweifelhafte „Graffitik√ľnstler“ berauben diesen Orten auch noch den letzten Rest von „Stolz“.

Doch gl√ľcklicherweise gibt es sie noch, diese „Perlen“ der Industrialisierung. Mit Sicherheit w√ľrde dieser Ort nicht so aussehen wenn ein gigantischer Hund ihn nicht Rund um die Uhr bewachen w√ľrde. Als der „Wauwau“ an die Kette gelegt wurde und ich diese weitl√§ufigen Halle betrat, war ich von dem mittlerweile allgegenw√§rtigen Gr√ľn √ľberrascht das sich zwischen den rostigen Waggons, Lokomotiven und Maschinen zw√§ngte. Es war eine wundersch√∂ne Komposition die alle menschlichen Sinne angesprochen hat. Man sah eine d√ľstere, rostige Atmosph√§re gepaart mit dem lebendigen Gr√ľn der Pflanzen. Ich schloss f√ľr einen Augenblick die Augen und sp√ľrte eine Mischung aus altem √Ėl und Diesel aber auch das den Duft der Natur. Als ich mich umdrehte h√∂rte ich in den Dachk√§sten das Zwitschern der nistenden V√∂gel.

Nachdem ich die Augen ge√∂ffnet habe sah ich eine Farbenvielfalt aus Gr√ľn, Rot und Orange. Jeder Schritt in diesem Objekt und jedes Motiv war ein farbenfrohes Gem√§lde. Das sind jene Orte die inspirierend sind f√ľr jeden Lost Places Fotografen. Hinter jeder Ecke pr√§sentiert sich ein neues Fotomotiv. Wirklich √ľberrascht war ich das hier noch so viel erhalten geblieben ist. Angefangen von den Lokomotiven, Waggons, diversen Maschinenteilen aus der Jahrhundertwende sowie den allt√§glichen Dingen aus dem Arbeitsalltag.

Das was der Mensch einst geschaffen hat holt sich die Natur langsam aber best√§ndig zur√ľck.

Diese interessante Location kannst Du w√§hrend unserer Lost Places Fototour „Die Wallfahrer“ bestaunen und fotografieren.

 

 

 


Auf unserer¬†spannenden Radioactive Nightcore Fotoexpedition erkunden wir an drei Tagen die Sperrzone von Tschernobyl bevor wir in die N√§he von Perwomajsk fahren wo bis in die 1990 ger Jahre an einem als Wetterstation getarnten Ort und mit einem 3000 Volt gesicherten, dreifachen Elektrozaun die sowjetischen Atomraketen stationiert waren. Diese Raketenbasis bestand aus mehreren Kommandopl√§tzen in deren Silos jeweils 9 Atomraketen standen umgeben von einem 40 Meter tiefen Silo mit der Kommandobr√ľcke. Wir fahren bis zu 40 Meter tief in die Erde hinab um die ehemalige Steuerungszentrale zu erkunden die den Eindruck erweckt als ob man sich in einem Raumschiff befindet. Auf dieser ehemaligen Atomwaffenbasis finden wir auch die ber√ľhmte SS-18 die im NATO Code ‚ÄěSatan‚Äú genannt wurde. Diese Rakete hat eine L√§nge von √ľber 34 Meter und eine Breite von 3 Metern. Die durchschnittliche Reichweite betr√§gt 16.000 Kilometer.

Die geheime Atomwaffenbasis liegt in einem sehr d√ľnn besiedelten gebiet in der s√ľd√∂stlichen Ukraine. Man erreicht die Basis nur √ľber eine rumpelige Schotterpiste und die n√§chste Stadt Kirowograd ist etwa 60 Kilometer entfernt. Diese lage war aber so gewollt, denn im Kriegsfall w√§ren die Basen selbst Ziel eines atomaren Angriffs und mussten deshalb fernab der St√§dte gebaut werden. Au√üerdem musste das Grundwasser sehr niedrig sein damit die etwa 40 Meter tiefen Silos gebaut werden konnten. Wo die sowjetischen Basen lagen, war ein streng geh√ľtetes Geheimnis. Insgesamt sechs feste Basen und somit neunzig Silos samt Befehlsst√§nden waren √ľber das ganze Land verteilt, au√üerdem gab es drei mobile Basen die im Gebiet der n√∂rdlichen Ukraine und Weissrussland aufgebaut werden konnten.

Am 17. Dezember 1959 gr√ľndete die Sowjetunion die Strategischen Raketentruppen und r√ľstete sich zur Atommacht auf. Die ersten Raketen in Perwomaisk waren vom Typ R-12 und hatten eine Reichweite von 2080 Kilometern. 1962 lie√ü Nikita Chruschtschow dieselben Raketen auf Kuba stationieren und l√∂ste damit die sogenannte Kuba-Krise aus. Von Kuba aus h√§tten die Raketen in wenigen Minuten Washington erreicht. Die Zielgenauigkeit der R-12 hatte die Armee zuvor gepr√ľft. Der Test trug den Namen „Operation Rose“. Man r√ľstete die Raketen mit einem leichten Atomsprengkopf aus und brachte sie nach Workuta in Sibirien um spezielle Tauglichkeitstests durchzuf√ľhren. Die Raketen waren bis auf 40 Meter zielgenau, was zu dieser Zeit ein gro√üer Erfolg war. Aber die R-12 hatte einen Nachteil. Sie musste vor jedem¬†Start aufgetankt werden, was etwa zweieinhalb Stunden dauert¬†und im Ernstfall verh√§ngnisvolle Folgen nach sich ziehen w√ľrde . Deshalb wurde die R-12 Mitte der sechziger Jahre von der UR-100 abgel√∂st. Diese war innerhalb von Minuten¬†einsatzbereit.

Auf unserer weiteren Erkundung betreten wir¬†ein unscheinbares Betonh√§uschen. Hier befindet sich der¬†Eingang zur unterirdischen Schaltzentrale, wo die Atomraketen abgefeuert worden w√§ren. Beim Betreten der unterirdischen Schaltzentrale f√ľhlt man sich wie in einem James-Bond Krimi. In diesem haus wurde auch eine ausgekl√ľgelte Bel√ľftungsanlage eingebaut.¬†Auf der linken Seite¬†steigen wir eine zwei Meter lange Leiter hinab. Sie f√ľhrt zu einem schmalen Tunnel. Nach etwa 100¬†Metern endet der Tunnel an einer Schleuse, die mit zwei dicken Stahlt√ľren gesichert ist, diese konnten damals nur mit einem speziellen Zugangscode ge√∂ffnet werden. Hinter der Schleuse wartet ein winziger Fahrstuhl, in den gerade drei Leute hineinpassen. Der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung und wir fahren¬†45 Meter abw√§rts vorbei an verschiedenen Etagen des Kommandosilos.¬†Nach einer Weile sind wir mit dem Fahrstuhl auf der Ebene der¬†Kommandozentrale angekommen. Die ist vollgestopft mit Technik und erinnert stark an ein Raumschiffcockpit. Direkt unter der¬†Schaltzentrale, zu erreichen mit einer Metalleiter, befindet sich ein zweiter Raum mit Schlafkojen. In einem Kommandosilo waren immer 3 Offiziere stationiert, die den Raketenpult haben bedienen m√ľssen.

Den geheimnisvollen roten Knopf gab es hier nicht.¬†Im Kriegsfall w√ľrde der¬†Abschussbefehl vom Oberkommando der Sowjetarmee aus Moskau kommen. Am Kontrollpult h√§tte ein L√§mpchen aufgeleuchtet und ein Summen w√§re ert√∂nt. Auf einem Monitor w√§re das Wort „Pusk“ (russisch: Start) erschienen. Der befehlshabende Offizier h√§tte einen Tresor ge√∂ffnet, in dem sich zwei Schachteln mit jeweils zwei Schl√ľsseln befanden. Ein Schl√ľssel war f√ľr den Befehlshaber, der andere f√ľr den Co-Offizier bestimmt. Die beiden h√§tten die Schl√ľssel gleichzeitig in die Z√ľndvorrichtung einsetzen m√ľssen.

Danach w√§re auf einem anderen Monitor ein sechsstelliger Code erschienen. Dann h√§tte der Befehlshaber aus dem Oberteil des Tresors eine dritte Schachtel herausgeholt. Darin befand sich ein versiegelter Briefumschlag mit einer weiteren sechsstelligen Zahlenfolge. Wenn deren letzte Ziffer mit dem letzten Zeichen des Codes auf dem Monitor √ľbereingestimmt h√§tte, w√§ren die Offiziere zum Abschuss der Raketen berechtigt gewesen.

Nur beide Offiziere gleichzeitig h√§tten die Raketen z√ľnden k√∂nnen. Dazu h√§tten sie mit der linken Hand den Startknopf gedr√ľckt gehalten. Mit der rechten Hand h√§tten sie die Z√ľndschl√ľssel gegen den Uhrzeigersinn um 90 Grad drehen m√ľssen. Diese Prozedur musste zwei Mal erfolgen, nur dann w√§ren die Raketen gestartet. Dieser Ablauf wurde jahrelang ge√ľbt.¬†Dem Angriff der Gegner h√§tte der Bunker leicht standgehalten denn er war ummantelt mit einer dicken Betonschicht und die Kapsel der Kommandobr√ľcke war auf Sto√üd√§mpfern gebaut. Vierzig Tage h√§tten die Offiziere in totaler Isolation √ľberleben k√∂nnen. Es standen Notrationen bereit, sogar eine Mikrowelle gab es im Bunker. Nach Verbrauch der Vorr√§te w√§ren die Soldaten in ein Rohr gekrochen und in einer Luftdruckkapsel nach oben geschossen worden. Der Fahrstuhl w√ľrde dann wohl¬†nicht mehr funktionieren. Oben h√§tten sie sich Schutzanz√ľge √ľbergezogen und w√§ren in die verstrahlte Gegend hinausgegangen. Und was dann? Zum Gl√ľck ist es nicht so weit gekommen.


Sieben hartgesottene Fotografen, ein Urbexplorer Expeditionsbus, acht Tage am n√∂rdlichen Polarkreis dem unberechenbaren Wetterverh√§ltnissen ausgeliefert. Jedes Jahr sind wir mit einer kleinen Gruppe Abenteurern auf der Jagd nach spektakul√§ren Lanschaftsaufnahmen, Streetart und magischen Polarlichtern. Im Februar und M√§rz 2018 geht es mit unserer weiteren Lofoten Fotoreise zur Polarlichtzeit in den n√∂rdlichen Teil von Norwegen.¬†In dieser Zeit ist die Landschaft in wunderbar weiches Licht getaucht und die Nordlichter werden Nachts bei klarem Himmel schon fr√ľher und somit auch l√§nger zu sehen sein. Es erwartet euch bei unserer Fotoreise ein abwechslungsreiches Programm. In hoffentlich klaren N√§chten und einer langen D√§mmerungszeit am Tage fotografieren wir die spektakul√§ren Polarlichter.

Zu den spektakul√§rsten Auftritten des Nordlichts geh√∂rt in zahlreichen Farben tanzendes Licht, das in hoher Geschwindigkeit √ľber den Nachthimmel wirbelt.

Polarlichter kommen in n√∂rdlichen Breiten als auch auf der S√ľdhalbkugel vor. Hier im Norden hei√üen sie dann Nordlichter oder Aurora borealis und am S√ľdpol nennt man sie S√ľdlichter oder Aurora australis. Um sich vorzustellen, wie Polarlichter entstehen, ist es am einfachsten an einen Luftkuss zu denken dem man etwa seiner Freundin oder Freund zuwirft. Die Sonne sendet praktisch einen Luftkuss an die Erde, der in Form von bunten Lichtern am Himmel sichtbar wird.

Denn physikalisch passiert etwas sehr interessantes: Die Sonne st√∂√üt einen sogenannten Solar-Sturm voller energiegeladenen Teilchen aus. Dieser ben√∂tigt rund 18 Stunden, bis er das Magnetfeld der Erde erreicht. Wenn sich die energiegeladener Teilchen dann mit den erdeignen Atomen verbinden, entstehen die Nordlichter. Das ganze passiert etwa in 100 Kilometern H√∂he statt.¬†√úber den Lofoten¬†sind die Polarlichter¬†meistens Gr√ľn, diese Farbe entsteht beispielsweise in Verbindung mit Sauerstoff.¬†Damit wir das einzigartige Naturschauspiel gut sehen k√∂nnen, ben√∂tigen wir au√üerdem einen dunklen und klaren Himmel.

Vielen fragen sich warum man so weit in Richtung Norden oder S√ľden reisen muss um das Naturschauspiel sehen zu k√∂nnen?¬†Das Magnetfeld der Erde ist nicht kreisrund wie bei einem Ball, sondern es sieht eher aus wie ein Apfel, mit √Ėffnungen oben und unten. Das Magnetfeld ist durchzogen von Magnetfeldlinien. Die Elektronen werden aufgrund ihrer magnetischen Ladung besonders von diesen √Ėffnungen angezogen und von den Magnetfeldlinien zu den Polen gelenkt.¬†Dort kollidieren sie dann mit den erdeignen Atomen. Die Polarlichter sind an beiden Enden der Welt zur gleichen Zeit sichtbar. Wenn wir hier in Norwegen Nordlichter sehen, dann k√∂nnen wir uns sicher sein, dass sich der Himmel √ľber dem S√ľdpol gleichzeitig verf√§rbt.


Seit etwa 4 Wochen¬†sind wir alle wieder von unserer Pripjat Silvester 1985 Tour nach Hause zur√ľckgekehrt! Wir begaben uns in das Jahr 1985 um auf eine au√üergew√∂hnliche ‚ÄěSilvester‚Äú Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat. An zwei Tagern erkundeten wir die zu dieser Jahreszeit menschenleere Sperrzone.

Da es ein wenig geschneit hat herrschte auf unserer Erkundungsroute durch die Zone eine stimmungsvolle winterliche Aura! Dies war eine außergewöhnliche und einzigartige Fotoexpedition in die Sperrzone denn die Lichtverhältnisse in dieser Jahreszeit sind schon eine Herausforderung.

Andererseits haben wir v√∂llig neue Eindr√ľcke aus einer winterlichen und verschneiten Zone mitgenommen. Ich pers√∂nlich habe meinen ersten Wolf in meinem Leben gesehen. Die Bilder wurden mir von Nils Konheiser zur Verf√ľgung gestellt. Vielen Dank daf√ľr! Besucht seine Seite unter: Facebook NK Fotografie¬†

Eine kleine Statistik: Aus welchen Ländern kamen eigentlich die meisten Besucher in die Sperrzone?

Platz 1. Ukraine mit 33,2 %
Platz 2. Polen mit 16,8 %
Platz 3. Großbritannien mit 12,3 %
Platz 4. USA mit 8,8 %
Platz 5. Deutschland mit 7,5 %

Fotogalerie Pripjat Silvester 1985 Tour

VideoClip "Pripjat Silvester 1985 Tour"

Pripjat Silvester 1985 Tour

Mach Dir selbst ein Bild!


Mit unserer Urbexplorer St√§dtereise nach Sankt Petersburg vom 1 bis 6 Juli begibst Du dich zur√ľck und erlebst mit uns die verschiedenen Epochen der Zaren hautnah. Am dritten Tag hast Du¬†die M√∂glichkeit, an einem sechsst√ľndiges Fashionshooting unter der Begleitung des deutschen Modefotografen und Fototrainers Felix R. Krull in einem traumhaften leerstehenden Palastgeb√§ude aus dem 18. Jhd teilzunehmen. Das legendenumwobene Geb√§ude selbst liegt versteckt in einem heruntergekommenen¬†Industriegel√§nde an der Neva, weitab der Saint Petersburger Metrostationen. Das Haus ist seit jahren verschlossen und leerstehend. Eine passende geheimnisvolle Atmosph√§re wird durch einen stuckverzierten weissen Zeremoniensaal und einem riesigen Wintergarten erzeugt. Dieser Ort gleicht einer Geistergeschichte zwischen abgenutzter Eichenholzt√§felung, gesprungenem Mamor, halbblinden Spiegeln und zerissenen Wandverkleidungen aus goldenem oder blutrotem Samt.

In diesem einzigartigen Ambiente arbeiten wir mit zwei wunderbaren international tätigen Topmodels sowie zwei hochprofessionellen Make-Up Artists und einer Stylistin. Felix wird euch verschiedene Sets bieten und euch im Umgang mit den Models, dem Posing, dem Licht, der Technik und dem Styling begleiten.


„Bonehaus“ –¬†das Bonehaus ist ohne Bone nur Haus

G√∂rlitz gilt als eine der sch√∂nsten St√§dte Deutschlands. Unz√§hlige¬†Bauten aus Romanik, Barock, Renaissance und Gr√ľnderzeit zieren das Stadtbild und bilden zusammen ein beeindruckendes Ensemble. Anfang 2016 begab ich mich nach der Urbexplorer Fototour zum Hotel Vier Jahreszeiten und dem Freisebad, auf Erkundungstour durch die Altstadt von G√∂rlitz. Von einem Freund bekam ich den Tip das legend√§re „Bone Haus“ am Obermarkt 26 gleich neben der ber√ľhmten Verr√§tergasse zu besuchen. Der K√ľnstler¬†Steeven Fabian Bonig – bei den Einheimischen¬†schlicht ‚ÄěBone‚Äú genannt – ist Mieter des Hauses Obermarkt 26 und¬†machte die Innenr√§ume durch seine Kunstinstallationen zu einem mystischen und inspirierenden Ort was aus der Zeit gefallen scheint.¬†Es ist mehr als ein Haus, es ist ein lebendiges Kunstwerk, geschaffen von einem kreativen Geist und nicht leicht zu erfassen, weil man ein Bestandteil der¬†Installation¬†wird, wenn man es¬†betritt.¬†Bei einem kurzen Gespr√§ch mit „Bone“ erfuhr ich zudem das seine Kunst eine Art kreativer Sch√∂pfungsprozess ist, der¬†sich st√§ndig ver√§ndert, w√§chst, zerf√§llt¬†und neu entsteht. Die Zutaten bestehen¬†teils aus Holz, Porzellan, Eisen, Plastik oder Papier, teils aus Tr√§umen, Sehns√ľchten und Gedanken.

Leider verlie√ü Steeven Fabian Bonig¬†das sogenannte „Bonehaus“ Ende 2016, nachdem er seine mit dem Eigent√ľmer geschlossenen Vertr√§ge, so auch den Mietvertrag, gek√ľndigt hat.¬†In der Zwischenzeit hat¬†„Bone“ gemeinsam mit Freunden das Haus ausger√§umt und alle Rarit√§ten den Leuten in der Stadt zur√ľckgegeben die sich an seinen aufw√§ndigen Installationen beteiligt haben.

Das „Bone Haus“ bleibt aber als eine G√∂rlitzer¬†Legende und als ein Denkmal sowie ein Ort der Inspiration in Erinnerung.

Was ist das hier? (Ein Gedicht von „Bone“)

So im Vorbeischleichen an den Fassaden¬†– von einem historischen ‚ÄěVorsicht frisch gestrichen‚Äú zum n√§chsten¬†schreckt pl√∂tzlich eine zerfressene Sockelkante¬†in die l√§ngst langweilig gewordene T√ľnche der Sanierung.¬†Hier soll sich noch beweisen, was ein Denkmal ist und was nicht.

Eine T√ľr steht offen. Manchmal auch zwei oder drei,¬†weil so viele T√ľren hat die Halle dieses j√ľngsten Hallenhaus der Stadt.¬†Man tritt ein, nicht weit und fragt sich -was ist das hier- ,¬†wenig ahnend, dass das zuvor schon in den acht Jahren¬†mehr als Hundert tausend Menschen ebenso fragten¬†und ebenso keine Antwort fanden.¬†Das soll es auch nicht,
denn was es in Absicht einzig zu sagen gibt steht auf einem Zettel im zweiten Stock; der Rest in Bildersprache.

Der ist viel, dieser Rest, aber auf den Betrachter¬†wirkt zun√§chst nur die Wucht der F√ľlle.¬†Auch das Detail scheint sich einer Antwort zu entziehen, weil der heutige Mensch
vom Konsum seiner Bildschirmmedien und Tonfilmprodukte gew√∂hnt ist,¬†dass das, was er anschaut auch mit ihm spricht.¬†Wer dennoch selbst ein Detail deutet, wird sofort ein n√§chstes finden,¬†das seine letzte Deutung fehl f√ľhrt.¬†Hier wirkt, was Goethe im Vorspiel des Faust¬†den Theaterdirektor zum Dichter sagen l√§sst:¬†…suchet nur sie zu verwirren; / sie zu befriedigen ist schwer.

Wer die Ordnung zwischen den Details erkennt¬†beginnt sein warmes Aufgehobensein zu genie√üen,¬†den Abpfiff des Zeitgef√ľhls und die Sprache der Stille zu h√∂ren.¬†Erst sp√§t, wenn √ľberhaupt, wird der Geist merken,¬†dass das, was hier wohltuend wirkt das Fehlen des Weltgegr√∂hls ist,¬†dass der Ort hier gegen diese Welt¬†ein kostbares Nichts ist,¬†dass auch den Menschen nicht zwingt etwas zu sein.¬†Kein Gesch√§ft, dass den Mensch zwingt Kunde zu sein.¬†Ein Nichts, dass den Menschen einfach nur da sein l√§sst¬†und allein daf√ľr willkommen hei√üt.¬†Keine Werbung raubt die kostbare Aufmerksamkeit,¬†nichts schreit sein aufdringliches eitles -ich ich ich-, wie die K√ľken im Vogelnest.¬†Nichts hier soll was sagen, obwohl man ahnt, dass es das k√∂nnte.¬†Niemand will Geld, nichts soll verkauft, nichts gepriesen werden.¬†Niemand will sagen was es ist.¬†Es ist Nichts und soll es auch sein.¬†Ein Kunstwerk; ein angebliches Vielsein,¬†dass aber nichts ist,¬†wie die wortlose Behauptung eines Theaterzauberers,¬†n√§mlich dass wei√üe Kaninchen in schwarzen Zylindern wohnen…Und wo sich alle deswegen freuen,¬†weil es eben perfekt so aussieht,¬†aber unm√∂glich so sein kann.

Und doch ist es was. Es muss! was sein…

Wer fern allen Hochmuts und unbeleidigt √ľber dieses Nichtbeantwortetsein ist,¬†nicht einen Ort braucht, um selbst etwas zu sein,¬†und √ľberhaupt in aller Uneile die Zeit dazu hat¬†wird irgendwann den Weg in den ersten Stock finden.¬†Eine breite gro√üz√ľgig einladende Treppe,¬†die zun√§chst auf ein feurig leuchtendes √Ėlgem√§lde zuschreiten l√§sst,¬†das einen liebesfreudigen Geist an die Lust zur Leidenschaft erinnert.

Dann biegt die Treppe scharf ab und f√ľhrt den Blick aufw√§rts in den Abgrund.¬†Drei vergammelte Restbalken lassen sofort die Phantasie¬†jene nicht mehr vorhandene Decke konstruieren,¬†schreien dem Baulaien ein erstes Auweia in den Sinn,¬†und wirken das Gef√ľhl,¬†gegen das sich die Frechheit des Herzens wehren w√ľrde,¬†wenn es auf einem Warnschild befohlen w√§re: Vorsicht einsturzgef√§hrdet!!!

Aber was fehlt kann nicht gez√§hlt werden, schreibt Lao Tse im Tao te King¬†und eine nicht vorhandene Decke kann auch nicht einst√ľrzen.¬†Und wenn, dann eben nur da, wo sie gerade ist: in der Phantasie.¬†(eventuell auch in den Gutachten verlogener Sachverst√§ndiger…)

Dann √∂ffnet sich der Blick bis zum Dach¬†und f√ľttert die Phantasie weiter¬†mit einem Gewirr von angefaulten Gammelbalken.¬†Die sind, wo sie sich selbst nicht mehr zu halten drohen¬†in verrostete Eisenketten gehangen, verrostete dunkle,¬†damit man nicht sogleich sehen kann,¬†dass das Geb√§lk eigentlich gegen das,¬†was dieser Anblick vermuten l√§sst gesichert ist.¬†Sie sind auch gereinigt¬†mit einem Wasserstrahl von f√ľnfzehn Atmosph√§ren Druck,¬†der wirklich nur die von Pilz und F√§ulnis unbesch√§digte Substanz √ľbrig l√§sst.
Aber Dreck, der weg ist sieht man nicht,¬†noch weniger, wenn man sowieso ein Mikroskop br√§uchte¬†f√ľr gefr√§√üige Bakterien, Sporen und Mycelien.¬†Darum sieht die Phantasie immer und immer weiter herabst√ľrzen,¬†was l√§ngst herabgest√ľrzt und wegger√§umt ist.¬†Und was staubgesaugt ist¬†und abgewaschen¬†und mit Antimykotikum f√ľr die Ewigkeit bereitet…

Sucht das Auge weiter wird es f√ľndig an talergro√üen Verstecktheiten,¬†die letztlich dem Laien oder all zu eiligen Fachmann¬†nichts als die Gro√üe Gefahr √ľbrig lassen, n√§mlich die Gefahr,¬†dass in allen schwarzen Zylindern weisse Kanikel wohnen …

Tatsächlich aber schwebt dieses Gewirr der Gammelei als banale Dekoration in diesem Raum, gleich wie in aller Welt auch Blumenampeln, Discokugeln und Lampen an der Decke hängen. und wirken in jedem Fall eine stark erhöhte Aufmerksamkeit. Die soll sein wegen dem Zettel im zweiten Stock.

Man betritt den Aufgang nach weiter hoch.¬†Zwei gro√üe alte schwarz-wei√ü-Fotographien von Alt-G√∂rlitz h√§ngen an der Wand,¬†eine dritte steht am Boden, eine kleine Steigeleiter davor,¬†ein Hammer und eine B√ľchse N√§gel.¬†Es sieht aus wie mitten drin abgebrochen,¬†als ob jemand gerade von der Arbeit weggelaufen ist.¬†Kommt man ein Jahr sp√§ter¬†wird es immer noch so aussehen,¬†und dieser jemand wird sich als Imagination entpuppen,¬†als das v i r im Wort environment. Virus- der Lebende.¬†Mindestens Hundert solche sind im Haus zu finden.

Dann biegt die Treppe scharf ab und dann noch mal.¬†Dann tritt man auf einen kleinen Balkon,¬†die Decke dar√ľber sind zwanzig Quadratmeter¬†komplett fl√§chendeckendes Gammeldekor.¬†Ein Balken, auf einer Seite abgefault und herunter gebrochen¬†schwebt schr√§g im Raum, wie als ob er gerade noch fliegt.¬†Eine Eisenkette sichert ihn, doch die w√§re nicht n√∂tig gewesen,¬†denn der Balken hing noch von allein so.¬†Aber hier fand auch der Baumeister¬†die Angst an die Grenze getrieben.¬†Und da an diesem Balken h√§ngt er nun, der Zettel,¬†der noch beweisen wird, dass Kunst √ľberhaupt nicht Gesschmackssache ist.¬†Kunst ist sehr wohl erkl√§rbar und Geschmack auch,¬†lediglich nicht f√ľr jeden.Man muss es auch nicht.¬†Man kann auch Speise einfach genie√üen¬†ohne zu wissen wie sie gekocht wird.¬†Oder eben in Gefahr schweben, die gar keine ist,¬†und danach das Gl√ľck f√ľhlen, das man die ganze Zeit schon hatte.¬†Oder die wirkliche Sch√∂nheit erkennen,¬†die man draussen¬†an all den paar tausend strahlenden Hausfassaden¬†l√§ngst gesehen zu haben meint.

Was Du da gesehen hast, h√∂re Mensch, es ist Deine Sch√∂nheit !!!¬†Zumindest die H√§lfte etwa,¬†denn ohne diese Beigabe aus dem Steuers√§ckel¬†w√§ren diese H√§user nie gerettet¬†und nie so sch√∂n geworden wie sie heute sind.¬†Sie waren fast alle, wie es diese Gammelei verk√ľndet,¬†und sie waren es wirklich, was diese Gammelei nicht wirklich ist.¬†G√∂rlitz hat nicht nur diesen einen anonymen Spender,¬†der jedes Jahr diese Altstadtmillion spendiert.¬†Es hat auch achtzig Millionen anonyme Steuerzahler¬†und Hunderte Millionen verbaut!¬†Und einen Solidarit√§tszuschlag,¬†eine Zahl, den meisten G√§sten nur vom Steuerbescheid bekannt,¬†in G√∂rlitz aber nun¬†in einer solch robusten Sch√∂nheit sichtbar geworden,¬†wie in keiner anderen Stadt;¬†und ja;- wer sowas nie bezahlt hat,¬†oder nur Erwerb und Bereicherung darinnen fand,¬†der wird auch nur wenig ger√ľhrt sein¬†von einem Dankesch√∂n.

Das ist Erkl√§rung und keine Geschmackssache.¬†Es gab ja auch feuchte Augen, sehr und nicht selten, vor Freude¬†√ľber ein Kunstwerk aus zweitausend Arbeitsstunden,¬†die bauingineurlich genau so nutzlos sind,¬†wie die fliegenden B√§llchen beim Jongeleur,¬†oder wie die Kriminalit√§t im Kriminalfilm,-¬†-ach es gibt ja genug echte im wirklichen Leben,¬†und die ist doch auch nicht Geschmackssache,¬†weil sie nicht so clever aufgekl√§rt wird, wie die im Film.¬†Wozu putzen, wozu die M√ľhe, die ganze Arbeit¬†an etwas, das nicht mehr ist, was es mal war,¬†nicht mehr tut, was es mal tat¬†und nie mehr kann, was es mal sollte ???¬†Steht man nicht immer vor der Sinnlosigkeit eines sinnlosen Kunstwerkes¬†und fragt ‚Äěwas will uns der K√ľnstler damit sagen ???¬†…steht doch auf dem Zettel: Danke !!!

[supsystic-gallery id=9 position=center]

Im März 2015 startete die erste Reise nach Tschernobyl & Pripjat. Nun sind wir schon im dritten Jahr und fahren etwa ein Mal im Monat in die Sperrzone, mit einer kleinen Gruppe von Abenteurern.

Bei unserer Tschernobyl Tour hatten wir die einmalige M√∂glichkeit an einer gef√ľhrten wissenschaftlichen F√ľhrung durch die Bl√∂cke 1 bis 3 des Kraftwerkes teilzunehmen sowie auf dem Au√üengel√§nde den Fortschritt an den Arbeiten am neuen Sakrophag zu begutachten. In einem theoretischen Teil bekamen wir an einem Modell des havarierten Block 4 der im Informationszentrum steht eine Chronologie der Entscheidungen die zu dieser fatalen Kettenreaktion gef√ľhrt haben die den Supergau von Tschernobyl ausgel√∂st hat. Au√üerdem bekommen wir einen Einblick in die Funktionsweise des Kraftwerkes und d√ľrfen den Kontrollraum von Bloch 2 betreten.

Ablauf der Tschernobyl Katastrophe

Bereits am 25. April 1986 sollte im 4. Block ein Experiment stattfinden, bei dem √ľberpr√ľft werden sollte, ob die Turbinen bei einem kompletten Stromausfall im Kraftwerk noch gen√ľgend Strom liefern k√∂nnen, um die Notk√ľhlung des Reaktors zu gew√§hrleisten. Um das Experiment unter realistischen Bedingungen stattfinden zu lassen, wurde das Notprogramm „Havarieschutz“ abgeschaltet, in dem alle wichtigen Sicherheitseinrichtungen wie die Notk√ľhlung und das Einfahren der Bremsst√§be zusammengefa√üt sind. Doch der Beginn des Experiments wurde verschoben, so dass die unvorbereitete Nachtschicht des 26. April die Durchf√ľhrung eines Experiments √ľbernahm, dessen Versuchsanordnung den Reaktor praktisch schutzlos gemacht hatte.

Der Supergau von Tschernobyl – Eine Kette fataler Entscheidungen

Durch einen Bedienungsfehler des unerfahrenen Reaktoroperators Leonid Toptunow fiel kurz vor Beginn des Experiments die Reaktorleistung stark ab. Um sie wieder anzuheben, entfernten die Operatoren Bremsstäbe (mit denen die atomare Kettenreaktion kontrolliert werden kann) und unterschritten dabei die zulässige Minimalgrenze von 28 Stäben. Damit war der Reaktor noch schwerer zu beherrschen und in einem gefährlichen Sicherheitszustand.

1.22:30 Uhr

Dennoch befahl der Stellvertretende Chefingenieur des Kraftwerks, Anatolij Djatlow, den Beginn des Experiments. Dabei schalteten die Operatoren zu viele K√ľhlpumpen zu, so dass der mit wenig Leistung arbeitende Reaktor das ihn umflie√üende Wasser nicht mehr verdampfen konnte. Das Wasser begann aufzukochen, und erste hydraulische Schl√§ge waren zu h√∂ren. Akimow, der Schichtleiter, und Toptunow wollten den Test abbrechen, doch Djatlow trieb sie weiter an. Dabei sprach er die historischen Worte: „Noch ein, zwei Minuten, und alles ist vorbei! Etwas beweglicher, meine Herren!“

1.23:04 Uhr

Als die Bedienungsmannschaft nun den Strom abschaltete und nur die Auslaufenergie der Turbine die Wasserpumpen antrieb, wurde wieder weniger K√ľhlwasser durch den Reaktorkern gepumpt. Das Wasser wurde hei√üer, erreichte aber nur die Siedetemperatur. Da der Reaktor nur bei verdampfendem K√ľhlwasser ausreichend gek√ľhlt werden kann, begann seine Leistung anzusteigen.

1.23:40 Uhr 

Sp√§testens an dieser Stelle w√§re der Havarieschutz komplett angelaufen und h√§tte die Katastrophe verhindert, aber er war ja abgeschaltet. Als Akimow den sprunghaften Leistungsanstieg im Reaktor bemerkte, l√∂ste er um 1.23:40 Uhr den Havarieschutz manuell aus. Sofort wurden alle Bremsst√§be, die sich nicht in der aktiven Zone befanden, eingefahren (√ľber 200 St√ľck!). Doch genau an diesem Punkt entbl√∂√üte der Reaktor seinen gravierendsten Konstruktionsfehler: Die Einfahrgeschwindigkeit der Bemsst√§be ist viel zu niedrig, deutlich langsamer als in westlichen Kernkraftwerken. Au√üerdem befinden sich an der unteren Spitze der Bremsst√§be Graphitk√∂pfe, welche die Kettenreaktion nur noch beschleunigen. Das Einfahren der Bremsst√§be soll die Kettenreaktion aber stoppen. Auf diesem Konzept beruht der Sicherheitsmechanismus jedes Kernkraftwerks. Der Konstruktionsfehler f√ľhrte aber genau zum Gegenteil. Da die Graphitspitzen zuerst eingef√ľhrt wurden, erh√∂hte sich die Leistung f√ľr einen Moment sprungartig – der letzte Schub, der „Todessto√ü“ f√ľr den au√üer Kontrolle geratenen Reaktor.

Fatalerweise hatten sich durch die ungeheure Hitze im Reaktorkern auch noch die Kan√§le der Bremsst√§be verformt, und die Bremsst√§be verklemmten sich unwiderruflich. Es waren beinahe nur die reaktionsbeschleunigenden Graphitk√∂pfe im Reaktor. Die Katastrophe war nicht mehr zu verhindern. In der aktiven Zone begann eine chemische Reaktion zwischen dem Zirkonium, das die mitllerweile geborstenen Brennstoffkammern umh√ľllt, und dem Dampf. Es bildeten sich Wasserstoff und Sauerstoff – Knallgas!

1.23:58 Uhr

Nun zerri√ü eine m√§chtige Knallgasexplosion den Reaktor und alles, was ihn umgab. Ein gro√üer Teil des radioaktiven Reaktorinhalts wurde nach drau√üen geschleudert. Gl√ľhende Teile entz√ľndeten die Teerdachpappe der D√§cher des Maschinenhauses und des benachbarten 3. Blocks. Nur der heldenhafte Einsatz von Feuerwehrleuten und Kraftwerksmitarbeitern verhinderte in dieser Nacht eine noch gr√∂√üere Katastrophe.¬†Bei der Explosion wurden zwei M√§nner durch herabst√ľrzende Tr√ľmmer erschlagen. In den Wochen nach der Katastrophe starben noch weitere 30 Menschen. Sie erlagen der gewaltigen Strahlung, der sie bei ihren Rettungsarbeiten ausgesetzt waren. Unter ihnen sind Feuerwehrleute, die Operatoren Akimow und Toptunow sowie Mitglieder des Betriebspersonals des Kraftwerks.

In den folgenden Monaten kamen sogeannte „Liquidatoren“ nach Tschernobyl (Soldaten, Studenten und „Freiwillige“), die das Kraftwerk dekontaminierten, weitere Gefahrenquellen eliminierten und schlie√ülich den Sarkophag umbauten, der heute den explodierten 4. Block umschlie√üt. Die Zahlenangaben zu den eingesetzten Personen schwanken zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Menschen.

Tschernobyl – Der neue Sarkophag

Die Errichtung des Sarkophags wurde von den Liquidatoren unter Opferung ihrer Gesundheit schon wenige Wochen nach dem Unfall in Angriff genommen und im November 1986 abgeschlossen. Die in aller Eile errichtete, massive Beton-Stahl-Konstruktion ist √ľber die Jahre instabil geworden und stellt heute eine riskante Situation dar. Zahlreiche Reparaturen wurden bereits durchgef√ľhrt, unter anderem die Stabilisierung des Ventilationssystems, das Verschliessen von L√∂chern und eine Verst√§rkung der Dachkonstruktion. Dennoch wurde parallel ein Plan ausget√ľftelt, mit dem eine zweite, stabile Sarkophagkonstruktion √ľber die bereits bestehende Schutzh√ľlle gezogen werden soll. Diese ambitionierte Vision der Ingenieure ist nun fertiggestellt. Neben der Reaktorruine entstand¬†eine bogenf√∂rmige Stahlkonstruktion mit einer Breite von 245 Metern, einer L√§nge von 144 Metern und einer H√∂he von 86 Metern, ein Bauwerk, doppelt so gro√ü wie der K√∂lner Dom. Auf Schienen wurde die Konstruktion dann √ľber den alten Sarkophag geschoben und an den Seiten verschlossen. Die Arbeiten an der Infrastruktur wurden abgeschlossen und im November 2016 wurde der Stahlgigant fertiggestellt und √ľber die Tschernobyl-Ruine geschoben.


Es gibt wieder Leben in der Sperrzone von Tschernobyl und der Geisterstadt Pripyat

Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus¬†dass die Vegetation rund um den havarierten Reaktorblock in Tschernobyl f√ľr immer zerst√∂rt wurde, und die Flora & Fauna f√ľr immer¬†ausgel√∂scht. Doch es gibt mittlerweile neues Leben in der Sperrzone wie beispielsweise M√§use, die keine sichtbaren Ver√§nderungen am K√∂rper zeigen, und sich scheinbar bester Gesundheit erfreuen, eine vom Aussterben bedrohte Wildpferderasse, die sich munter weiter fortpflanzt und Birkenw√§lder, die ganze D√∂rfer verschlingen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten nach dem Supergau hat die Natur von Tschernobyl wieder Besitz ergriffen, Pflanzen und B√§ume wuchern in verlassenen D√∂rfern und Siedlungen, wilde Tierarten wie W√∂lfe, B√§ren, F√ľchse und Luchse haben in den tiefen W√§ldern an der wei√ürussischen Grenze und in den verlassenen D√∂rfern Zuflucht gefunden. V√∂gel nisten auf den Hochh√§usern in der Geisterstadt Pripjat. Dabei scheinen sie alle gesund zu sein, und keine sichtbaren Ver√§nderungen aufzuweisen. Forscher fanden heraus, dass eine geringe Strahlenbelastung √ľber l√§ngere Zeit, Gene in den Tieren und Pflanzen aktiviert, die in der Lage sind, freie Radikale zu binden. Schlimmer ist also eine kurze, h√∂here Strahlenbelastung, die kurz nach dem Reaktorungl√ľck das Leben in Tschernobyl ausl√∂schte.

Es sind aber nicht alle Tiere in der Lage, trotz Strahlung zu √ľberleben. Schwalben zum Beispiel, die als Zugv√∂gel nach Afrika fliegen und wieder zur√ľck, verbrauchen auf dem Weg viele lebenswichtige Antioxidantien. Diese sind aber notwendig, um sich gegen die Strahlung zu wehren. So ist die Missbildungsrate bei Schwalben sehr hoch und nur 70 Prozent √ľberleben den Winter. Sie haben zudem auch eine k√ľrzere Lebenserwartung als Populationen au√üerhalb der Sperrzone.

Unglaublich erscheint auch die Geschichte der Przewalski-Pferde, einer asiatischen Wildpferderasse

Diese Leben in der 30 Kilometer Zone in Tschernobyl und pflanzen sich immer weiter fort, obwohl diese¬†eigentlich dem Tode geweiht waren. Diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse, von denen es weltweit nur noch ca. 2000 Exemplare gibt, stammt aus einem Naturschutzgebiet im S√ľden der Ukraine. Im Herbst 1998 entschieden Verantwortliche des Tierreservoirs, die 21 alten und schwachen Pferde in der Sperrzone auszusetzen, in dem Bewusstsein , dass die Tiere dort keine Chance mehr haben w√ľrden.

Heute leben dort etwa 40 Nachkommen der zum Tode Geweihten und erfreuen sich bester Gesundheit. Forscher vermuten, dass ihre schnelle Verdauung den radioaktiv verstrahlten Gr√§sern nicht mehr so viel Zeit l√§sst, um Sch√§den an den Zellen zu hinterlassen. Die wilden Pferde verf√ľgen zudem √ľber 66 Gene, wohingegen domestizierte Pferde nur 64 Gene besitzen. Auch hier spekulieren die Wissenschaftler auf einen Zusammenhang mit der hohen Widerstandskraft der Tiere. Sie hoffen, ihre Erkenntnisse auf Menschen √ľbertragen zu k√∂nnen, um zum Beispiel die negativen Auswirkungen einer Chemotherapie durch eine l√§ngere und daf√ľr mildere Strahlung zu minimieren. (Quelle: UNI.de)


Ein ziemlich unbekanntes Online-Nachrichtenportal aus dem Emsland das als bisherige journalistischen Meisterleistungen das „Absenken von Gullideckeln in Buxtehude und das Entlaufen von H√ľhnern in Kotzenb√ľll“ (ein wirklich existierendes Dorf in Nordfriesland) als Breaking News vermeldete m√∂chte jetzt in den Presseolymp aufsteigen. Als Beispiel wird sich hier die Onlinestrategie eines gro√üen Onlineportals herangezogen. Jeder erinnert sich wohl an die ver√∂ffentlichten Meldungen von „Schl√§gern in der U-Bahn“ als Fahndungsafruf die meist s√ľdl√§ndisch aussehende Jugendliche abbildeten. Meist waren die Artikel mehrere Jahre Alt. Der Zweck bestand einzig darin diese Artikel von Zeit zu Zeit bei Facebook zu posten um „Content“ auf der Seite zu generieren. Auf diesen Zug m√∂chte nun auch das winzig kleine Nachrichtenportal aus dem Norden aufspringen und mit einer Reportage aus Tschernobyl am gro√üen journalistischen Rad drehen. Aufgebaut als Reisebericht eines unbedarften Teilnehmers der meiner Meinung nach die Fotoexpedition nach Tschernobyl mit einer Pauschalreise nach Malle verwechselt hat soll nun in einer Reportage √ľber jeden Expeditionstag berichtet werden. Als Ank√ľndigung¬†erschien vor einigen Wochen die riesige √úberschrift „ABGEZOCKT in Tschernobyl“! Damit soll nat√ľrlich eine breite Aufmerksamkeit angezogen werden und ganz subtil einen massiven finanziellen Verlust beim Teilnehmer suggerieren um darauf zu schlie√üen das der Veranstalter wohl nicht ganz „koscher“ ist. Am Ende entpuppte sich dies als hei√üe Luft denn wenn man „Lesen“ kann und dazu noch den Vertrag komplett studiert hat, ist man halt Klar im Vorteil. In Berlin bei der Abfahrt wurde vom Teilnehmer moniert das der Veranstalter Ihn nicht die 50 Meter am Treffpunkt an die Hand genommen hat und sicher zum Bus auf die gegen√ľberliegende Stra√üenseite begleitet hat. Es gab leider zu dieser Zeit keinen freien Parkplatz am genauen Treffpunkt deshalb musste dieser Abseits parken. Am Ende √§rgere ich mich das ich diesem Teilnehmer kein Zugticket gekauft habe so wie er es sich gew√ľnscht hat, so w√§re mir vieles erspart geblieben. Fortsetzung folgt…

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Nat√ľrlich m√∂chte ich euch nicht das Feedback einer Teilnehmerin vorenthalten die schon mehrmals mit diesem „zwielichtigen“ Veranstalter unterwegs war.

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Fortsetzung folgt….


Seit genau 4 Jahren wird unter Hochdruck an der neuen st√§hlernen Kuppel f√ľr den Ungl√ľcksreaktor in Tschernobyl gearbeitet. Die Gr√∂√üe des Bauwerkes ist gigantisch. Lang wie ein Fu√üballstadion und Hoch wie ein zehnst√∂ckiges Haus. Das Gesamtgewicht des Sarkophags betr√§gt etwa 38.000 Tonnen. Die Innen und Au√üenw√§nde der H√ľlle sind mit Edelstahl verkleidet. Etwa 3000¬†Arbeiter bauen seit etwa 4 Jahren an der neuen Schutzh√ľlle. Am 07 und 08 November 2016¬†soll die gigantische Konstruktion auf Schienen gesetzt und endg√ľltig √ľber den Ungl√ľcksreaktor geschoben werden.

Wenn man den neuen Sarkophag dar√ľber geschoben hat, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Die strahlenden Stoffe aus dem Inneren des Reaktors m√ľssen herausgeholt werden um sie in ein endg√ľltiges Lager zu bef√∂rdern. Das Endlager¬†daf√ľr muss noch gebaut werden. Deshalb wurde die neue Schutzh√ľlle auf eine Zeit von 100 Jahren angelegt.¬†Der Reaktor war nach dem Ungl√ľck 1986 in hektischer Arbeit mit Blei und Sand zugesch√ľttet, dann mit Stahl und Beton abgedeckt worden. Darunter liegen bis heute 180 Tonnen strahlende Kernbrennstoffe. Dieser sogenannte erste Sarkophag ist nunmehr marode, deshalb wurde die zweite Schutzh√ľlle gebaut.

Unter ihrem Dach soll das radioaktive Material¬†aus dem Reaktor geholt und dann das Kraftwerksgeb√§ude abgerissen werden. Dies stellt eine Aufgabe f√ľr Jahrzehnte dar.