Spitzbergen: Lost Places in eisiger Idylle

Die Reise nach Spitzbergen beginnt

Die eiskalte Gischt spritzt uns immer wieder ins Gesicht, während unser Schiff über die frostige See gleitet. Doch die Kälte spüren wir fast gar nicht. Mit klammen Fingern haben wir unsere Kameras fest im Griff. Vor uns ragen beeindruckende Formationen auf – Eisberge, soweit das Auge reicht. Willkommen in Spitzbergen, der nördlichsten bewohnten Region unseres Planeten.

Unser Ziel: Atemberaubende Motive zwischen Einsamkeit und Eis. Denn in Spitzbergen gibt es so einige geheimnisvolle Locations, die förmlich nach unserer Kamera rufen. Dabei führt uns unsere Reise von der Bergbaustadt Longyearbyen in die verlassene Siedlung Pyramiden und zum Abschluss nach Barentsburg.

Nur die Hauptinsel heißt Spitzbergen, die Inselgruppe selbst ist bekannt als Svalbard. Sie steht unter norwegischer Verwaltung. Flora, Fauna und auch das Klima unterscheiden sich stark von anderen nordischen Inseln, wie etwa Island, da vulkanische Aktivitäten in Spitzbergen fehlen.

Die Landschaft auf Spitzbergen ist also wortwörtlich einzigartig. Die Westküste ist geprägt von schroffen Gebirgszügen. Der Rest der Insel, insbesondere das Inselinnere, bietet spektakuläre Einblicke in weitläufige Landschaften. Fjorde dürfen natürlich auch nicht fehlen und tragen zur nordischen Atmosphäre bei.

Im Sommer klettern die Temperaturen kaum über 17 °C, was aber immerhin ausreicht, um den Schnee tauen zu lassen. Zum Vorschein kommen dann raue Berglandschaften, karg bewachsene Hügel und schroffe Täler.

Schon beim Anflug auf den kleinen Flughafen sieht man den Fluss Advent, der in einem breiten Fjord eingebettet ist. Nach der Landung geht es erst mal ins Zentrum von Longyearbyen. Die Stadt ist das administrative Zentrum von Spitzbergen und hat sich über Jahre hinweg auf die Bedürfnisse von Touristen eingestellt. Neben einigen Hotels finden sich in der Innenstadt Restaurants für jeden Geldbeutel, Einkaufsmöglichkeiten und eine rundum gute Infrastruktur.

Edle Häuser mit nordischem Ambiente prägen das Stadtbild. Doch hinter den hübschen Fassaden lauert Streit: Der Wohnungsmarkt wird von einigen Vermietern blockiert, die ihre Immobilien nur noch als Ferienunterkünfte über Airbnb vermieten. Dadurch erzielen sie höhere Mieteinnahmen als mit regulären Mietverträgen – für die Einwohner der Stadt wird aber der Wohnraum knapp. Der angespannte Immobilienmarkt führt daher in Longyearbyen seit einigen Jahren zu hitzigen Diskussionen – und Vermietungen über Airbnb sind weiterhin im Aufschwung! Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen uns hier noch bevorstehen.

Um sich solidarisch den Einheimischen gegenüber zu zeigen und sich aus dem politisch heißen Eisen rauszuhalten, ist es für Touristen daher ratsam, ganz einfach in eines der zahlreichen Hotels einzuchecken.

Urban Legend in Longyearbyen: Sterben verboten?!

Auch heute noch halten sich so einige hartnäckige Mythen rund um Spitzbergen und speziell Longyearbyen, die viel zu spannend sind, um sie nicht weiter zu erzählen. Auf zwei der beliebtesten Legenden bereiten wir euch besser schon vor eurer Reise vor:

  • In Spitzbergen ist Sterben verboten? Der Mythos geht zurück auf den Ursprung der Stadt, die lange eine reine Arbeiterstadt war. Es gab hier also nur Arbeiter, die nach Eintritt in die Rente von der Insel wegzogen und ihren Lebensabend ganz einfach woanders verbrachten. Auf der Insel selbst starb also niemand. Heute gibt es zwar ein Krankenhaus auf Spitzbergen, aber keine Altenpflegeeinrichtungen. Daher ziehen pflegebedürftige Senioren auf das Festland und sterben zumeist auch nicht auf der Insel. Trotzdem gibt es in der Stadt natürlich einen Urnen-Friedhof für die Einwohner, der auch immer wieder in Anspruch genommen wird. Der große Friedhof der Gemeinde liegt auf dem Festland.
  • Alle sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine Waffe zu tragen? Das Gesetz verlangt tatsächlich von jedem, bei Reisen ins Hinterland geeignet ausgerüstet zu sein, um Eisbären abschrecken zu können. Die Rede ist allerdings nur von einem geeigneten Abschreckungsmittel – eine Waffe ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Ein wahre Legende können Touristen zumindest von außen betrachten. Den Svalbard Global Seed Vault, zu Deutsch etwa Globaler Saatgut-Tresor auf Svalbard. In dem unterirdischen Tresor in der Nähe von Longyearbyen lagert Saatgut von verschiedenen Pflanzen. Das Besondere: Es sind Saaten von Nahrungspflanzen, die im Falle einer Katastrophe das Überleben der Menschheit sichern sollen.

Daher liegt dieser Tresor im eiskalten Sandstein eines alten Kohlebergwerkes und wird auch als „Arche Noah“ bezeichnet. Trotz Permafrost hat der Tresor ein integriertes Kühlsystem. Bei den so erzeugten -18°C halten die verschiedenen Saaten sehr lange. Selbst wenn die Kühlung ausfallen sollte, herrschen dank der niedrigen Umgebungstemperatur immer noch Minusgrade. Das reicht, um das Saatgut am Leben zu halten.

Bis auf wenige ausgewählte Wissenschaftler darf niemand den Tresor betreten und selbst diese Forscher kommen selten ins Innere der Saatgutkammer. Die verschiedenen Saaten gehören übrigens den jeweiligen Ländern, die sie hier lagern. Wie in einer Bank bleiben die Pflanzen das Eigentum des Herkunftslandes und können im schlimmsten Falle zum Nachzüchten von Nahrung verwendet werden.

Geisterstadt Pyramiden

Ein Highlight der Reise ist der Aufenthalt in der Geisterstadt Pyramiden, einer einstmals belebten Bergarbeiterstadt. Heute ist sie verlassen und der perfekte Ausgangspunkt für eine Lost Places Fototour. An kaum einem anderen Ort ist der Geist der Sowjetunion noch so deutlich spürbar wie hier. Um diese besondere Atmosphäre auszukosten, bleiben wir zwei Tage in dem einzigen bewohnten Gebäude der Stadt – dem Hotel.

Unsere Fototour in Pyramiden war so beeindruckend, dass wir ihr einen eigenen Beitrag Geisterstadt Pyramiden gewidmet haben.

Benannt nach Willem Barentsz, der im 16. Jahrhundert die ersten europäischen Eismeerexkursionen leitete, ist die ehemalige Bergbaustadt etwa 37 Kilometer südöstlich von Longyearbyen. Die noch aktive russische Bergbausiedlung ist immer einen Besuch wert, denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, Bergbauarbeitern über die Schulter zu schauen? Daher steigen wir hier eine Nacht im lokalen Hotel ab, um die Gegend ausgiebig zu erkunden.

Eines der beliebtesten Motive in Barenburg ist sicherlich die eindrucksvolle Lenin Statue. Zusammen mit den sowjetischen Häuserblocks im Hintergrund bietet diese einen Anblick wie aus einer anderen Ära. In die Gegenwart holen einen dann ganz schnell wieder die knallbunten Fassaden der umliegenden Gebäude, die sicher nicht jeden Geschmack treffen aber zweifellos extravagant wirken.

Neben dem Besuch im Bergwerk gibt es noch andere Sachen zu erleben. Der Ort baut das abwechslungsreiche Angebot für Touristen Jahr für Jahr weiter aus. Bei unserem Besuch hätten wir sogar in alte russische Werkstätten schnuppern dürfen. So neugierig wir aber auch waren, wollten wir die Zeit doch lieber nutzen, um das weitläufige Gelände rund um die Bergbaustadt zu entdecken und zu fotografieren. Aber die russische Handwerkskunst schauen wir uns sicher bei unserer nächsten Tour genauer an, wenn uns die Abenteuerlust wieder in die eisige Schönheit von Spitzbergen lockt.

Wer schon beim Gedanken an die Eislandschaft frostige Hände bekommt, sollte vielleicht lieber in wärmere Gefilde aufbrechen. Wie wäre es beispielsweise mit einer Tour durch Georgien und den Kaukasus? Im Sommer steigen die Temperaturen auf angenehme 28 °C und die Wassertemperatur liegt bei etwa 24 °C. Also perfekt für eine sommerliche Fotoreise. Neugierig geworden? Dann klick dich durch unser Angebot Georgien & Kaukasus Fotoreise.

Ihr habt noch keine Erfahrung mit Fotoreisen und wollt eure Kamera erst mal in heimischen Gefilden einsetzen? Dann stöbert in unserem Angebot an Lost Places Fototouren. Ihr werdet überrascht sein, welche Plätze mit besonderer Atmosphäre es ganz in der Nähe gibt. Wie wäre es beispielsweise mit einem Ausflug in den Osten Deutschlands, um die Keramikmaschinenfabrik in Görlitz zu entdecken?

Wenn ihr Fragen zu den Reisen oder allgemeine Anregungen habt, nehmt direkt Kontakt zu uns auf. Wir freuen uns immer auf den direkten Austausch mit euch.

 

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