“OP ruft Dr. Müller” – das Regierungskrankenhaus der DDR

Fototour Lost Places in Berlin. Geheime Orte entdecken und Urban Exploring Fototouren.

Lost Places sind seitdem ich eine Kamera habe eine Leidenschaft von mir. In den letzten Jahren haben meine Frau und ich jede leerstehende Fabrik in der näheren Umgebung besichtigt und fotografiert. Leider sind die meisten frei zugänglichen Objekte über die Jahre dem Vandalismus zum Opfer gefallen.

Vor einiger Zeit stieß ich im Netz auf den Berliner Veranstalter go2know. Es werden Touren in gesicherten Objekten angeboten, deren Zustand meist noch gut ist.

Am 16. Juni trafen wir uns gegen 10:00 Uhr mit den Guides von go2know und anderen Fotografen am Haupteingang des ehemaligen Regierungskrankenhauses. Erster Schock – die Menge an Leuten. In Gedanken sahen wir schon Fotografen die ständig durchs Bild rennen und langes Anstehen an Fotospots .… Wie sollte da die Zeit reichen?

Das Regierungskrankenhaus wurde Anfang der siebziger Jahre gebaut. Es gibt ein zweites Gebäude – das sogenannte Stasi-Krankenhaus, welches Ende der Siebziger entstand. Beide Gebäude wurden bis in die 2000er genutzt.

Klare Empfehlung mit dem zweiten Gebäude beginnen – da die meisten im Hauptgebäude anfangen.

Also auf zum Stasi-Krankenhaus. Nachdem wir endlich den gut „versteckten“ Eingang gefunden hatten, begannen wir mit unserer Erkundungstour.Trotz des relativ modernen Touchs hatte man bei der Erkundung ein mulmiges Gefühl. Zu fotografieren gab es – wider Erwarten – viel. Beeindruckend: Der OP-Trakt mit der fast kompletten Ausstattung – Die teilweise möblierten Vorbereitungszimmer gleich daneben – Der Speisesaal mit einem für diese Zeit typischen Wandkunstwerk. Und das Bettenhaus, wo man noch den stressigen Alltag eines Krankenhauses erahnen konnte.

Nach knapp drei Stunden liefen wir zum Hauptgebäude. Zugang war nur durch den Keller möglich. Leider ist das Objekt weniger dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, sondern schlicht blindem Vandalismus. Der Eingangsbereich mit wunderschönen großen Fenstern und Glastüren musste leider durch Metallgitter gesichert werden. Wir gelangten durch einen Kellereingang in das Krankenhaus.

Begonnen haben wir im unterirdischen Schutzbauwerk – das ein beklemmendes Gefühl auslöst. Hier entdeckten wir u.a. einen komplett blau gefliesten Raum, der sicher als OP-Raum genutzt werden sollte. Durch die abgeschiedenen Lage im Keller – absolut spooky. Von dort ging es über einige Umwege in die Schwimmhalle und den dazugehörige „Wellnesstrakt“.

Einige verwinkelte Gänge weiter standen wir im Eingangsbereich – der uns mit DDR-typischer dunkelbrauner Holzvertäfelung empfing. Weiter in die oberen Etagen.

Im ehemaligen Speisesaal kann man immer noch den früheren Betrieb erahnen. Im Hauptgebäude – dem stationären Bereich – entdeckten wir noch einige Fotospots. U.a. den OP-Bereich mit angrenzender Intensivstation, ein Krankenschwesternzimmer mit bestücktem Spind, Ärztezimmer mit diversen Instrumenten. Spannend war auch das Kartenzimmer mit Flachablageschränken voller alter Lagepläne und Zeichnungen. Sehr beklemmend die Kinderstation mit den wunderschönen Wandbildern.

Da selbst in den Eingangsbereichen die Orientierungsschilder noch an Ort und Stelle hängen und auch Fahrstühle einen intakten Eindruck machen, hat man oft das Gefühl, das Gebäude würde noch aktiv genutzt werden.

Zudem macht die Anordnung des Regierungskrankenhauses die Orientierung innerhalb des Gebäudes etwas schwierig. Und das Zeitweise ohne Licht – Taschenlampen nicht vergessen!!!

Schade ist, dass auf Grund der Nachnutzung in den Neunzigern bis in die Zweitausender hinein, vom ursprünglichen DDR Charme kaum noch etwas übrig ist.

Fazit: Wenn man sich von der Vorstellung löst, eine Zeitreise in die Vergangenheit der DDR zu machen, ist die Fototour durchaus lohnenswert.

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