Fototour zum ehemaligen Flughafen Tempelhof

Fototour Flughafen Tempelhof

Der Flughafen Tempelhof – Ein geheimnisvoller Ort

Ende 2013 entdeckte ich nach langer Abstinenz meine Liebe zur Fotografie wieder. Ich suchte nach Ablenkung und forschte nach spannenden Fotomotiven in der Stadt. Ich begann mich für geheime Orte zu interessieren. Als ich im Jahr 2008 als einer der letzten Passagiere, Gast im Flughafen Tempelhof war, staunte ich über die riesigen Hallen, Anlagen, die einzigartige Dachkonstruktion, die Stahltore, die mächtig wirkenden Fassaden der Gebäudeteile sowie die unermeßliche Größe gepaart mit der monumentalen Aura.


Wann wurde der Flughafen Tempelhof erbaut?

Der Flughafen Tempelhof in seiner heutigen Form wurde zwischen 1936 und 1941 nach den Plänen von Ernst Sagebiel gebaut. Der Bau entsprach einerseits den Ansprüchen der Nationalsozialisten ans Monumentale und sollte den Weltgeltungsanspruch des „Dritten Reichs“ auch im Luftverkehr verdeutlichen, andererseits wurden hier zum ersten Mal alle Anforderungen eines modernen Großflughafens realisiert. Das größte Baudenkmal Europas steht zwar eindeutig für die monumentale Selbstinszenierung der Nationalsozialisten, ist aber auch durch die Luftbrücke von 1948/49 aber auch zu einem Symbol der Freiheit geworden. Mich beeindruckten vor allen Dingen die Details wie die Fenster im Schießscharten-Design, Säulen wie aus einem Nibelungenfilm gepaart mit dem Vordach des Flughafens aus Stahl, der mit den Trägern mühelos das gewaltige Dach in den Raum hinaushebt. Tempelhof war damals nicht nur das flächengrößte Gebäude Europas, sondern auch eines der längsten. Er wurde durch den Architekten Ernst Sagebiel als neoklassizistischer Monumentalbau entworfen.


Der Größte Flughafen der Welt – Reichshauptstadt Germania

Der Flughafen war ein zentraler Teil der Planungen für die Umgestaltung der Reichshaupt Germania unter Leitung von Hitlers Chefarchitekt Albert Speer. Nach den Vorstellungen Hitlers sollte nach dem Endsieg die Stadt Berlin als Welthauptstadt das größte Luftkreuz der Welt erhalten. Der Flughafen Tempelhof wäre der größte von fünf Berliner Flughäfen gewesen und vor allem als Regierungsflughafen genutzt worden. Der Kriegsverlauf und die Niederlage der Nationalsozialisten verhinderte diese Planungen. Im zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk teilweise für die Rüstungsproduktion genutzt. Deshalb wurde während des Krieges der »normale« Zivilflugverkehr vom alten Flughafen Tempelhof aus den 1920er Jahren abgefertigt. Dieser befand sich immer noch auf dem Gelände des heutigen Flugfeldes.


Geheimnisvolle Bunkeranlagen und Eisenbahnstraßen

Parallel zu den oberirdischen Hangars verläuft eine unterirdische Eisenbahntraße diese unterquert auch die Haupthalle des Flughafens. Genau hier wurden im Zweiten Weltkrieg Jagdflugzeuge vom Typ Focke-Wulf 190 produziert. Man erreicht diesen Eisenbahntunnel durch die beiden Einfahrten zu den Posthöfen des Zentralflughafens. Diese befinden sich unscheinbar jeweils rechts und links neben der Haupthalle. Um während des Krieges so unabhängig wie nur irgend möglich zu sein, errichtete man unter der Grünanlage am Columbiadamm ein Wasserwerk mit zwei großen Wasserspeichern. Darüber hinaus existierte in den Kellern des Seitenflügels am Columbiadamm ein eigenes Kraftwerk. Unter allen Gebäudeteilen sind Versorgungsschächte angelegt worden die heute noch erhalten geblieben sind. Diese Schächte haben eine Gesamtlänge von fast fünf Kilometern. Zu den Besonderheiten des Flughafens gehört ein »Archiv-Bunker«, der zum Ende des Krieges vollständig ausbrannte als sowjetische Streitkräfte die Zugangstür sprengten. Bemerkenswert ist zudem ein weiterer Gewölbebunker, der sich unter dem Hangar 2 am Columbiadamm befindet. Er besteht aus gegossenen Rundbögen. In diesen Räumen waren während der Manöver der amerikanischen Streitkräfte in den achtziger Jahren Schutzräume für die Soldaten angelegt.


Meine Lost Places Fototour durch den Flughafen Tempelhof

Die Fototour im ehemaligen Flughafen Tempelhof führte mich auf das Vorfeld und in das Innerste des Flughafengebäudes.
Bei meinem vierstündigen Streifzug konnte ich Fotomotive aus drei verschiedenen Epochen finden. Im Luftschutzbunker aus dem  Zweiten Weltkrieg entdecke ich originale Wandmalereien aus der Vorkriegszeit von Wilhelm Busch. Im ausgebrannten Filmbunker herrscht immer noch eine beklemmende Atmosphäre. Diverse Malereien und der immer noch in der Luft liegende Brandgeruch zeugt noch heute von der Befreiung Berlins.


Nach dem Krieg US Militärflughafen – Schließung im Jahr 2008

Während der Zeit des Kalten Krieges nutzte die US-Air Force das Gelände. Im Jahr 1992 wurde die Abfertigungshalle ein letztes Mal modernisiert, heute strahlt diese eine gespenstige Ruhe aus. Hier wurden bis zur Schließung am 30.10.2008 bis zu 4 Mio. Passagiere pro Jahr abgefertigt. Der Flughafen Tempelhof ist nicht nur die Mutter aller Flughäfen, sondern auch ein Symbol für Freiheit. Einerseits durch die Größe aber andererseits, überlebte der Flughafen Diktaturen und Besatzungsmächte. Seine große Bewährung hatte er in den Jahren 1948 bis 1949 während der Berlin Blockade, während dieser Zeit wurde West-Berlin durch sogenannte Rosinenbomber aus der Luft versorgt die minütlich auf dem Rollfeld landeten. An diese Zeit erinnert das Luftbrückendenkmal vor dem Flughafen bis heute.



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