Der ehemalige Flughafen Tempelhof

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Ende 2013 entdeckte ich nach langer Abstinenz meine Liebe zur Fotografie wieder. Ich suchte nach Ablenkung und forschte nach spannenden Fotomotiven in der Stadt. Ich begann mich fĂŒr geheime Orte zu interessieren. Als ich im Jahr 2008 als einer der letzten Passagiere, Gast im Flughafen Tempelhof war, staunte ich ĂŒber die riesigen Hallen, Anlagen, die einzigartige Dachkonstruktion, die Stahltore, die mĂ€chtig wirkenden Fassaden der GebĂ€udeteile sowie die unermeßliche GrĂ¶ĂŸe gepaart mit der monumentalen Aura.

Mich beeindruckten vor allen Dingen die Details wie die Fenster im Schießscharten-Design, SĂ€ulen wie aus einem Nibelungenfilm gepaart mit dem Vordach des Flughafens aus Stahl, der mit den TrĂ€gern mĂŒhelos das gewaltige Dach in den Raum hinaushebt. Tempelhof war damals nicht nur das flĂ€chengrĂ¶ĂŸte GebĂ€ude Europas, sondern auch eines der lĂ€ngsten. Im Jahr 1934 gaben Hitler und Reichsluftfahrtminister Göring einen vollstĂ€ndigen Neubau des inzwischen zu klein gewordenen Flughafens in Auftrag. Er wurde durch den Architekten Ernst Sagebiel als neoklassizistischer Monumentalbau entworfen. Der Bau entsprach einerseits den AnsprĂŒchen der Nationalsozialisten ans Monumentale und sollte den Weltgeltungsanspruch des „Dritten Reichs“ auch im Luftverkehr verdeutlichen, andererseits wurden hier zum ersten Mal alle Anforderungen eines modernen Großflughafens realisiert.
Durch Zufall entdeckte ich im Internet das Angebot den mittlerweile stillgelegten Flughafen Tempelhof auf einer Urban Exploring Fototour in einer kleinen Gruppe zu erkunden. Der Trend des sogenannten Urban Exploration oder kurz Urbex, setzte Anfang des neuen Jahrtausends ein. Es geht bei dieser Art der urbanen Erkundung um Abenteuer und Entdeckerlust gepaart mit der Jagd nach schönen Fotomotiven. Die Fototour im ehemaligen Flughafen Tempelhof fĂŒhrte mich auf das Vorfeld und in das Innerste des FlughafengebĂ€udes.

Bei meinem vierstĂŒndigen Streifzug konnte ich Artefakte in Form von Fotomotiven aus drei verschiedenen Epochen finden. Im Luftschutzbunker des Zweiten Weltkrieges entdecke ich originale Wandmalereien aus der Vorkriegszeit von Wilhelm Busch. Im ausgebrannten Filmbunker herrscht immer noch eine beklemmende AtmosphĂ€re. Diverse Malereien und der immer noch in der Luft liegende Brandgeruch zeugt noch heute von der Befreiung Berlins. WĂ€hrend der Zeit des Kalten Krieges nutzte die US-Air Force das GelĂ€nde. Im Jahr 1992 wurde die Abfertigungshalle ein letztes Mal modernisiert, heute strahlt diese eine gespenstige Ruhe aus. Hier wurden bis zur Schließung am 30.10.2008 bis zu 4 Mio. Passagiere pro Jahr abgefertigt.

Der Flughafen Tempelhof ist nicht nur die Mutter aller FlughĂ€fen, sondern auch ein Symbol fĂŒr Freiheit. Einerseits durch die GrĂ¶ĂŸe aber andererseits, ĂŒberlebte der Flughafen Diktaturen und BesatzungsmĂ€chte. Seine große BewĂ€hrung hatte er in den Jahren 1948 bis 1949 wĂ€hrend der Berlin Blockade,wĂ€hrend dieser Zeit wurde West-Berlin durch sogenannte Rosinenbomber aus der Luft versorgt die minĂŒtlich auf dem Rollfeld landeten. An diese Zeit erinnert das LuftbrĂŒckendenkmal vor dem Flughafen bis heute.

 

 

 

 


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