Die Keramikmaschinenfabrik in Görlitz – Pioniergeist im Osten

Die Keramikmaschinenfabrik in Görlitz – Pioniergeist im Osten

Görlitz, wer kennt denn eigentlich diese Stadt in Sachsen?

Damit das allgemeine Kopfkratzen einem Aha-Moment weichen kann, folgen erst einmal ein paar Fakten rund um die östlichste Stadt Deutschlands und deren Geschichte: Görlitz liegt nahe der polnischen Grenze und ist die grĂ¶ĂŸte Stadt in der Oberlausitz. Die mehr als 55.000 Einwohner tummeln sich auf etwa 67 Quadratkilometer. Die Altstadt mit vielen denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€uden ist ein wahrer Touristenmagnet. Sie hat den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet ĂŒberstanden. Falls euch die Altstadt bekannt vorkommt, hat das einen Grund: Viele Regisseure nutzen sie als Kulisse fĂŒr ihre Dreharbeiten, denn die AtmosphĂ€re der alten Bauten und das Stadtbild sind einmalig. Die Folge: Mehr als 100 Filme wurden hier gedreht. Wenn ihr also ein DĂ©jĂ -vu erlebt, liegt das an Streifen, wie Grand Budapest Hotel, Monuments Men oder auch Das schweigende Klassenzimmer.

Auch wenn die Altstadt unbeschadet geblieben ist, blieb Görlitz vom Krieg leider nicht unberĂŒhrt: Der östlich der Neiße liegende Teil wurde nach Kriegsende Polen ĂŒbergeben und ist heute die eigenstĂ€ndige Stadt Zgorzelec. WĂ€hrend DDR-Zeiten herrschte eisiges Schweigen zwischen den beiden StĂ€dten. Seit der Wende arbeiten sie dagegen intensiv miteinander und haben sich 1998 gemeinsam zur Europastadt erklĂ€rt. So zeigen sie, wie Menschen verschiedener Nationen die Grenzen ĂŒberwinden können.

Ihr seht, die Stadt hat eine bewegte und interessante Zeit hinter sich, die es durchaus wert ist, mit dem Fotoapparat dokumentiert zu werden. Bei den vielen SehenswĂŒrdigkeiten muss man sich erst einmal fĂŒr eine entscheiden. Wir wĂ€hlen als Ziel unserer Reise die Keramikmaschinenfabrik in Görlitz – hier liegt Pioniergeist in der Luft.

Der UnternehmensgrĂŒnder Richard Raupach

Alles beginnt in einer kleinen staubigen Werkstatt in einem Hinterhof in Görlitz. Hier grĂŒndet Richard Raupach im zarten Alter von 27 Jahren sein Unternehmen. Ob der junge Mann damals schon ahnt, wohin seine Firma sich entwickeln wĂŒrde? Er arbeitet jedenfalls hart und legt sich ins Zeug. Sein Eifer zahlt sich aus, denn die Firma wĂ€chst immer weiter und bald ist der Hinterhof zu klein fĂŒr Richards Unternehmen. 1884 ist es dann soweit: der Grundstein fĂŒr das heutige FabrikgelĂ€nde der Keramikmaschinenfabrik in der SĂŒdstadt wird gelegt – gut zehn Jahre nach der GrĂŒndung im Hinterhof.

Doch was macht Richard ĂŒberhaupt? Der kluge Kopf hat sich unter anderem auf die Verbesserung des Wirkungsgrades von Dampfmaschinen spezialisiert. Das heißt, er entwickelt bestehende Maschinen weiter und steigert dadurch deren Effizienz. Kein Wunder, dass der Kundenstamm immer weiter wĂ€chst. In den nĂ€chsten Jahren kommen in der Keramikmaschinenfabrik weitere Spezialisierungen hinzu, wie etwa der Fokus auf Maschinen in der Tonindustrie. Richard Raupach stirbt bei einem Autounfall 1921, doch seine Keramikmaschinenfabrik besteht weiter unter der Leitung seiner beiden Söhne. So ĂŒbersteht das Familienunternehmen den Zweiten Weltkrieg, doch 1948 kommt der harte Bruch in der Unternehmensgeschichte: Die Keramikmaschinenfabrik wird enteignet und in den Volkseigenen Betrieb VEB Kema umgewandelt. Die Produktion geht noch einige Jahre mal mehr, mal weniger erfolgreich weiter. Heute ist die KEMA Montagehalle in der Pomologische Gartenstraße in Görlitz ein verwaister Ort.

Auf Spurensuche durch einstmals ruhmreiche Hallen

Seit vielen Jahren steht die Montagehalle der Keramikmaschinenfabrik still. Die GebĂ€ude werden nur noch von Spinnen und Staub bevölkert. Doch die Spurensuche durch die verlassenen Hallen lĂ€sst den einstigen Pioniergeist von Richard Raupach spĂŒrbar werden.

Zwischen der Architektur der damaligen Zeit und den Anzeichen der heutigen Verwahrlosung ergeben sich bizarre Motive. Nicht umsonst war die Keramikmaschinenfabrik in den vergangenen Jahren Location eines Konzerts der Reihe „Unerhörte Orte“. Dieser Ort ist wahrlich „unerhört“! Doch wer sich mit seiner Fotokamera in die Keramikmaschinenfabrik hineintraut, wird so einiges von dem damaligen Wirtschaftswunder hören, sehen und vielleicht auch spĂŒren.

Unser Tipp: Wenn ihr in der Neißestadt Görlitz Station macht, besucht auch das Fotomuseum in der Löbauer Straße. Schließlich ist die Stadt bekannt fĂŒr ihre Fotogeschichte. Diese wurde von engagierten BĂŒrgern dokumentiert und in dem Museum zur Schau gestellt.

Das nĂ€chste Ziel ist – Lost Places

Habt ihr die wunderschöne Stadt Görlitz besucht, steht euch der Sinn vielleicht nach weiteren industriellen Höhepunkten. Dann ist ein Ausflug nach Schlesien vielleicht genau das Richtige, um hier das stillgelegte Bahnbetriebswerk, oder eines der wunderschönen MÀrchenschlösser zu besichtigen und mit der Kamera festzuhalten.

Steht dir der Sinn nach einem ganz anderen Fotoerlebnis, haben wir dir auf unserer Webseite unter Lost Places weitere coole Angebote. Etwas ganz Außergewöhnliches bieten dir die Reisen nach Tschernobyl. Wie der Alltag in der damaligen Sperrzone aussah, erfĂ€hrst du im Blogbeitrag Bis dass der Tod uns scheidet. Wenn du Fragen hast, wende dich direkt unter Kontakt an uns. Wir helfen dir gerne weiter.

Die Bilder entstanden im Jahr 2017 im Rahmen einer privaten FĂŒhrung mit einem Vertreter des Sicherheitsunternehmens.

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One reply on “Die Keramikmaschinenfabrik in Görlitz – Pioniergeist im Osten

  • Silke Hökelmann

    Hallo wir haben uns gerade die Fotos der Kema angesehen. Mein Mann wollte euch nur mitteilen, dass er dort gearbeitet hat. Mach weiter so

    Antworten

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