Geisterstadt Pyramiden – Eine Lost Places Fototour

Wandern und Fotografieren mit Schwerpunkt auf der ehemaligen russischen Bergbausiedlung Pyramiden in Spitzbergen. Fotoreise Spitzbergen mit Lost Places

Eine spannende Lost Places Fotoreise nach Pyramiden auf Spitzbergen, der nördlichsten Geisterstadt der Welt. In einer kargen Landschaft, liegt die russische Bergarbeiterstadt am nördlichen Ausläufer des Billefjord. Der Genosse Lenin blickt hier immer noch über seine Stadt hinüber zum Nordenskjöldbreen. Der Wind pfeift uns um die Ohren, denn der kurze Sommer ist hier schon Mitte September vorbei.

Nach dem Kohlerausch kehrt die Natur zurück.

Im Jahr 1998 wurde Pyramiden aufgegeben. Die Gründe waren vielfältig, erstens die mangelnden Kohlereserven, der Flugzeugabsturz im Adventfjord im Jahre 1996 und politische Gründe. Seitdem streunen nur noch Tiere wie Eisbären und Polarfüchse durch die verlassene Stadt. Möwen haben sich in die Fenster eingenistet. Schmelzwasser unterspült die Betonpfeiler der Häuser, Kälte und Frost setzen sich an den Mauern fest.

Da die Gefahr das man umher streunenden Eisbären begegnet auf Spitzbergen sehr hoch ist, haben wir eine geladene Waffe dabei. Außerdem muss man hier immer als Gruppe zusammen bleiben und sehr vorsichtig sein. Bei unserer Lost Place Fototour starten wir am Schiffsanleger und dem ehemaligen Hafen vorbei am Kohlekraftwerk, Zementfabrik und diversen Ställen für Kühe, Schweine oder Hühner.

Im Jahre 1910 nahm eine schwedische Bergbaugesellschaft das Gebiet in Besitz, um die Kohlevorkommen abzubauen. Da sich der wirtschaftliche Erfolg in Grenzen hielt, wurde das Gelände im Jahr 1926 an Russland verkauft. 1931 übernahm die staatseigene Firma Trust Arktikugol alle russischen Liegenschaften auf Spitzbergen.

Eine einstmals pulsierende Bergarbeiterstadt in der Arktis.

In der einst quirligen Bergarbeiterstadt wohnten einst etwa 715 Männer, 228 Frauen und 71 Kinder. Zur hervorragenden Infrastruktur gehörte eine Schule, ein Kindergarten, ein Krankenhaus, dazu eine Feuerwehrstation, die auch als Gefängnis diente, ein Kulturpalast mit Kino, ein Hotel, ein Sportzentrum und ein Schwimmbad. Noch stehen alle Gebäude, diese sind aber bedingt durch Frost und Kälte dem Verfall preisgegeben.

Wenn man auf Erkundungstour durch die verlassenen Gebäude ist, merkt man sofort, wie hastig die Stadt damals aufgegeben wurde. In der Bibliothek und dem ehemaligen Kulturpalast scheint es so als, ob gestern nur das Licht ausgemacht wurde. In der Sporthalle sind die Geräte noch aufgebaut und im Schwimmbad fehlt nur noch das Wasser.

Es war eine logistische Meisterleistung die Bergarbeiterstadt Pyramiden in dieser Form aufzubauen. Denn alle Materialien und Baustoffe wie Ziegelsteine, Stahl, Holz, Beton, und Plastik mussten mit dem Schiff aus der Sowjetunion herangeschafft werden.

Auch wenn es im Nachhinein kurios klingen mag, mussten sich die Arbeiter einer intensiven Bewerbungsprozedur unterziehen. Denn nur die besten und fleißigsten durften mit ihren Familien für zwei Jahre nach Pyramiden ziehen.

Das Leben soll hier deutlich besser gewesen sein als in der Heimat. Und das, obwohl die Stadt die meiste Zeit völlig von der Außenwelt abgeschnitten war. Gelegentlich landete ein Versorgungshubschrauber aus dem 100 Kilometer entfernten Longyearbyen oder der zweiten russischen Siedlung Barentsburg. Nur zwischen Juli und September konnten Schiffe den Billefjord gefahrlos befahren.

Pyramiden funktionierte fast autark. Das Herz war das Kraftwerk, es versorgte Mine und Menschen mit Strom. Gleichzeitig floss warmes Wasser durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem über der Erde zu den entsprechenden Gebäuden und sorgte somit für tropische Wärme. Wegen des Permafrostes würden Wasserleitungen in der Erde ganz schnell einfrieren und bersten.

Die Tiere versorgten die Einwohner mit Fleisch, Milch und Eiern. Im Gewächshaus wurden Gurken, Petersilie, Tomaten, Zwiebeln, Salat und Blumen angebaut. Nach einer statistischen Erhebung aus dem Jahr 1975 haben die Menschen in der arktischen Kälte 35000 Kilo Fleisch, 48000 Liter Milch, 110000 Eier und 5700 Kilo Gemüse erzeugt.

Eine sowjetische Siedlung in einer entmilitarisierten Zone.

Bis 1920 war die Inselgruppe mit ihrer Fläche von etwa 61.022 Quadratkilometern in der Arktis quasi Niemandsland. Erst der Spitzbergenvertrag von 1920 hat die Insel auf eine vertragliche Grundlage gestellt. Spitzbergen wurde unter norwegische Verwaltung gestellt, aber alle Bürger der Unterzeichner-Staaten erhielten visafreien Zugang und das Recht auf wirtschaftliche Nutzung. Dies ist bis heute noch so. Außerdem wurde Spitzbergen zur entmilitarisierten Zone erklärt. Zudem war dies zu Zeiten des Kalten Krieges eine außergewöhnliche Situation, dass ein russischer Außenposten mitten im Nato-Territorium stationiert ist.

Seit ein paar Jahren ist Pyramiden wieder bewohnt. Acht Russen leben im Auftrag des staatlichen russischen Bergbauunternehmens Arctigucol im renovierten Hotel Tulip. Holzvertäfelte Decken und rot-gemusterte Stofftapeten zeugen vom Sowjet-Schick. Internet haben die Bewohner nicht. Und nur manchmal gibt es ein kurzes Telefonsignal. Ein Generator erzeugt Strom, die Versorgung kommt per Hubschrauber.

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