Die Geisterstadt Pripjat leuchtet

Zwei polnische Urban Explorer haben nach √ľber 30 Jahren Dunkelheit wieder die Geisterstadt Pripjat erleuchten lassen. Die Stadt wurde nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 aufgegeben und evakuiert. Krystian und Adam sind die Gr√ľnder des¬†Online-Portals¬†Napromieniowani.pl, das sich mit der Geschichte der Geisterstadt Pripjat und den Auswirkungen des Supergaus besch√§ftigt. In regelm√§√üigen Abst√§nden reisen sie in die Sperrzone von Tschernobyl um die Ver√§nderungen w√§hrend der seit 1986 verlassenen sowjetischen Musterstadt zu dokumentieren.

Auf einer Tschernobyl Tour entschlossen sie sich ein Experiment in Pripjat durchzuf√ľhren und packten einen Stromgenerator auf ihre n√§chste Reise in die Sperrzone ein. Mit diesem Generator versuchten sie die seit 31 Jahren dunklen Lampen in der Geisterstadt Pripjat wieder zum Leuchten zu bringen. Ein sehr ambitioniertes Ziel wie sie sagten, aber ob es gegl√ľckt ist?

Die Aktion ‚ÄěPripjat leuchtet‚Äě wurde fast ein Jahr lang vorbereitet. Die meisten Lampen in den Geb√§uden sind nach so langer Zeit gr√∂√ütenteils ohne Funktion, meist liegt es daran das¬†die Pl√ľnderer den Kupferdraht gestohlen haben. Hier war das gr√∂√üte Problem Geb√§ude und Stra√üen zu finden, wo die elektrische Infrastruktur noch funktioniert.

Durch Zufall entdeckten sie eine Stra√üenlaterne die f√ľr ihr Experiment infrage kam. Es war ein unbeschreibliches Gef√ľhl in dieser verlassenen und dunklen Stadt diesen einzigen, hellen Gelb schimmernden Leuchtturm zu sehen. Erstaunlich war es auch das die Lampe eine mit 250 Watt ungew√∂hnlich hohe Leistung hatte. Man kann nur erahnen wie hell die Stadt Pripjat damals beleuchtet wurde.

F√ľr ein weiteres Experiment w√§hlten sie eine der unz√§hligen Schulen in der Geisterstadt aus. „Wir wussten, dass etwas passieren w√ľrde, aber wir wussten nicht was“, erinnert sich Adam.

„F√ľr ein paar Sekunden flackerten die Lichter, und dann gingen sie pl√∂tzlich zum ersten Mal seit 1986 wieder an. Es war ein unbeschreibliches Gef√ľhl und hier war ich das erste Mal sprachlos „, sagt Krystian.

Einige von Euch fragen sich wahrscheinlich, wie es möglich sein kann das man nach mehr als 30 Jahren Pripjat zum Leuchten bringen kann. Das Geheimnis liegt hier in der Einfachheit der Leuchtstofflampen und Röhren. Denn wenn die Infrastruktur noch immer intakt ist und die Lampen nicht zerschlagen sind, besteht eine hohe wahrscheinlichkeit das diese noch funktionieren. Die beiden Explorer haben fast jeden Winkel der Geisterstadt erforscht. Mit dieser Aktion wollten sie einen Hauch Leben nach Pripjat bringen und beweisen das die Technik noch funktioniert.

Alle reden und schreiben das die Stadt Pripjat seit 1986 unver√§ndert ist, das ist aber totaler Quatsch. Tats√§chlich ist die Stadt am auseinander fallen. Das Regenwasser flie√üt die W√§nde herab und sammelt sich im Mauerwerk, durch die Frostperioden im Winter platzen die W√§nde auf und bringen so ganze Geb√§ude zum Einsturz. Eine weitere Problematik ist das die Sperrzone zunehmend vom M√ľll verschmutzt wird was die Touristen hinterlassen, gefolgt vom zunehmenden Vandalismus.

„Wir m√ľssen uns beeilen – diese Fotos sind wichtig, denn bald wird niemand sehen k√∂nnen, was wir sehen, also m√ľssen wir die Zeit nutzen, solange wir k√∂nnen.“ sagt Krystian und verabschiedet sich zur n√§chsten Reise in die Sperrzone.


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