Ein Blick in die Hölle der Sperrzone von Tschernobyl

Besichtigt mit uns das Innenleben der Sperrzone von Tschernobyl – den Kontrollraum von Reaktorblock 4, in dem vor ĂŒber 33 Jahren die schwerwiegenden Fehler begangen wurden, die zur bis dahin schlimmsten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte gefĂŒhrt haben.

In bisherigen FĂŒhrungen konnten wir uns gemeinsam Sicherheits- und VerwaltungsrĂ€ume unterhalb des Kraftwerks, einen Turbinenraum, den goldenen Korridor und das Denkmal fĂŒr Walerij Chodemtschuk, das erste Todesopfer der Katastrophe, anschauen. ZukĂŒnftig werden wir ebenfalls die Gelegenheit haben, einen Blick auf die (mittlerweile entkernte) Bedieneinheit von Block 4 zu werfen, die sich zum Schutz der Kraftwerksmitarbeiter hinter einer dicken Betonmauer befindet.

Die Explosion hat nahezu den gesamten Block 4 zerstört, was die Nutzung der Bedieneinheit unnötig machte. In den folgenden Jahren fungierte sie nur noch als Ersatzteilspender fĂŒr die anderen drei Blöcke, die bis Oktober 1993 (Block 2), November 1996 (Block 1) bzw. Dezember 2000 (Block 3) in Betrieb waren.

Wir organisieren fĂŒr euch sowohl die KraftwerksfĂŒhrung als auch die Besichtigung des Kontrollraums von Reaktorblock 4 – alles wie gewohnt in einer kleinen Gruppe von Abenteurern und Entdeckern mit dem nötigen Respekt vor den Opfern der Katastrophe und ihren Hinterbliebenen. Wenn ihr den Reaktorblock und Kontrollraum von Nummer 4 mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr bei unserer Chernobyl Fallout Tour alle Infos, die ihr fĂŒr eure individuelle Fotoreise mit Urbexplorer benötigt.

Auch im Rahmen einer privaten Chernobyl reise mit deinen Freunden können wir einen Besuch von Reaktor 4 mit Kontrollraum organisieren. Weitere Infos findet Ihr HIER.

FĂŒhrung durch das Kraftwerk von Chernobyl

@Vladimir Gerasimov / Napromieniowani.pl

Der Kontrollraum von Reaktor 4 in Chernobyl

@Vladimir Gerasimov / Napromieniowani.pl

Schaltzentrale im Kontrollraum von Reaktor 4 in Chernobyl

@Vladimir Gerasimov / Napromieniowani.pl

Einblick in den Kontrollraum von Reaktor Nummer 4

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Die Schaltzentrale von Block 4 in Chernobyl

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Reaktor Nummer 4 des Kraftwerks in Chernobyl

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Technische Anlagen im Reaktor Nummer 4 in Chernobyl

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Der zerstörte Kontrollraum von Block 4 in Chernobyl

@ Vladimir Gerasimov

Block 4 des havarierten Kraftwerks in Chernobyl

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RadioaktivitÀt im Reaktor 4 des Kernkraftwerkes in Chernobyl

@Vladimir Gerasimov / Napromieniowani.pl


Ein scheuer Blick Richtung Westen

Vom 21. bis 30. Juni 2019 fanden in Weißrussland die Europaspiele statt. Nach Baku 2015 war es der zweite Wettbewerb dieser Art in einem autoritĂ€r regierten Staat. Dennoch versuchten die Veranstalter, ein positives Bild von ihrem Land zu vermitteln – trotz der engen Verbindung mit Russland ist man um AnnĂ€herung an den Westen bemĂŒht. Und tatsĂ€chlich merkt man in der Hauptstadt Minsk die NĂ€he zu Europa stĂ€rker als in Moskau. Von den Spielen sollten vor allem die Infrastruktur, Bauunternehmen, Hotel-, Restaurant- und Barbesitzer, Taxifahrer sowie Servicepersonal profitieren. Geht es nach der Regierung, soll Weißrussland fĂŒr Touristen attraktiver werden. Der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko warb in Berlin im Vorfeld der Spiele fĂŒr einen Besuch in seinem Land. „Belarus ist kein touristisches Mekka. Wir haben kein Meer, wir haben keine Gebirge, aber ich glaube, Belarus ist eine vielfach unterschĂ€tzte touristische Destination. Mit reichem Kulturerbe, mittelalterlichen Schlössern, einmaligen Naturschutzgebieten. Herzlich willkommen in Belarus.“ Laut Sidorenko möchte die Regierung das Land modernisieren, was im Dialog mit seinen internationalen Partnern geschehen soll.

Weißrussland wurde noch vor einigen Jahren als das „Nordkorea Europas“ bezeichnet. Nun nĂ€hert sich der autoritĂ€r regierte Staat in kleinen Schritten westlichen Werten an: Das Internet ist frei zugĂ€nglich, doch die Nutzer werden ĂŒberwacht. Oppositionspolitiker dĂŒrfen Journalisten aus dem Westen ohne Druck Interviews geben und das selbst in der Öffentlichkeit. PrĂ€sident Lukaschenko erlaubt neuerdings die weißrussische Sprache und fördert die UnabhĂ€ngigkeit seines Landes von Russland. Einige grundlegende Dinge wurden allerdings noch nicht geĂ€ndert: Die Wahlgesetzgebung wartet noch immer auf eine Anpassung, die Möglichkeiten der Opposition bei Wahlen wurden noch nicht geĂ€ndert, die Presse ist noch immer nicht unabhĂ€ngig und es gibt keinen Fortschritt bei den Wirtschaftsreformen.

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Sozialistische Architektur in Minsk

Eine Musterstadt der Sozialisten

Weißrussland hat in seiner Geschichte schon einige Tragödien durchleiden mĂŒssen. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zerstörten deutsche Faschisten Hunderte Dörfer mitsamt ihren Bewohnern. Dem Krieg fiel jeder vierte Weißrusse zum Opfer. Seit gut 80 Jahren wird das Land von mehr oder weniger extremen Diktatoren beherrscht. Was die Nazis ĂŒbriggelassen hatten, wurde von den Sowjets dem Erdboden gleichgemacht. Die Zerstörung nutzte man, um aus Minsk eine sozialistische Musterstadt zu machen: Schachbrettartige StraßenzĂŒge, neoklassizistische Wohnblöcke, riesige PlĂ€tze und RasenflĂ€chen, breite Fußwege und imposante Prachtbauten prĂ€gen das Minsker Stadtbild – die Metropole wirkt wie eine Zwischenwelt aus Europa und der vergangenen Sowjetunion.

Minsk ist trotzt einer Top 10-Platzierung unter den „100 besten StĂ€dten Europas“ auch 2019 noch ein weißer Fleck auf der Landkarte vieler Urlauber. Dabei hĂ€lt die Stadt zahlreiche Angebote von Wellness ĂŒber Shopping bis hin zum Museumsbesuch parat. Mit ĂŒber 8,5 Millionen Verlinkungen unter dem Hashtag „#minsk“ ist sie die fotogenste Metropole in den Top 10 des Rankings. Dennoch gilt sie noch immer als Geheimtipp. Pro Jahr besuchen lediglich 0,35 Touristen pro Einwohner die Stadt.

Lenindenkmal in Minsk

Reise nach Weißrussland

Überraschend sauber und grĂŒn

Minsk wird als eine der saubersten und grĂŒnsten StĂ€dte der ehemaligen Sowjetunion bezeichnet. Zigarettenstummel, Plastikbecher oder Papierabfall sucht man auf den Straßen vergeblich. Das Rauchen in der Öffentlichkeit ist nur an ausgezeichneten Stellen gestattet. Vor dem Eingang des Flughafens und dem Fußballstadion ist es untersagt. Die breiten und weitlĂ€ufigen StraßenzĂŒge sowie die etwas grĂ¶ĂŸeren Entfernungen der SehenswĂŒrdigkeiten voneinander laden zum Spazierengehen ein. Die im Zentrum der Stadt gelegene römisch-katholische Kirche des Heiligen Symeon und der Heiligen Helena, eines der Minsker Wahrzeichen, liegt zum Beispiel 2,4 Kilometer vom Siegesplatz mit seinem 40 Meter hohen Obelisken, der an die Gefallenen des Großen VaterlĂ€ndischen Krieges erinnern soll, entfernt. Auf dem Weg kann man eine Menge SehenswĂŒrdigkeiten entdecken, vom Haus der Gewerkschaft ĂŒber den Palast der Republik bis hin zum Sitz der weißrussischen Regierung, vor dem noch heute eine riesige Leninstatue steht. Minsk hat ein ganz eigenes Flair und ist durch die außergewöhnliche Mischung aus europĂ€ischem und sowjetischem Charme definitiv einen Besuch wert.

Sightseeingtour duch Minsk

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Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive fĂŒr einzigartige Bilder. Wenn ihr Minsk sowie die weißrussische Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite alle Infos, die ihr fĂŒr eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt.

Tschernobyl Reservat in Weißrussland

Ehemalige Dorfschule in der Tschernobyl Sperrzone


Auszug aus dem Buch „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch: „Belarus
 Wir sind ja fĂŒr die Welt eine Terra incognita, ein unbekanntes, unerforschtes Land. Von Tschernobyl wissen alle, aber nur in Verbindung mit der Ukraine und mit Rußland. Wir mĂŒssen erst von uns erzĂ€hlen. ‚White Russia‘ (‚Weißes Rußland‘) – so klingt der Name unseres Landes in Englisch.“ (Volkszeitung, 27. April 1996)

Die Sperrzone von Tschernobyl im Norden der Ukraine ist den meisten Menschen auch schon lange vor Ausstrahlung der hochgelobten HBO-Miniserie „Chernobyl“ ein Begriff gewesen. Doch nur die wenigsten wissen, dass es auch in Weißrussland eine solche Sperrzone gibt. Was ist das fĂŒr ein Ort? Ist die weißrussische Sperrzone mit der ukrainischen vergleichbar? Wie stark ist dieser Ort kontaminiert? Leben dort noch Menschen? Im August 2019 waren wir das erste Mal vor Ort, um uns selbst ein Bild vom „Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiet“, wie das Areal offiziell heißt, zu machen.

Ein (noch) unberĂŒhrtes Land

Das weißrussische Schutzgebiet erstreckt sich ĂŒber einen großen Teil der Sperrzone rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Dieses befindet sich nur wenige Kilometer von der ukrainisch-weißrussischen Grenze entfernt. Vor allem durch das Kraftwerk selbst und die Geisterstadt Prypjat hat die Sperrzone von Tschernobyl BerĂŒhmtheit erlangt. Doch im Norden erstreckt sich auf weißrussischem Gebiet ein Ă€hnlich großes Areal. Dieses befindet sich in der historischen Region Polesien und darf, wie die ukrainische Sperrzone, nur mit Sondergenehmigung betreten werden, da es vor 33 Jahren vom Großteil des radioaktiven Niederschlags verseucht wurde. Erst dieses Jahr wurde das Gebiet fĂŒr Touristen geöffnet. Die Regierung hatte einfach kein Interesse daran, kontaminierte Areale fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen. 1988 wurde auf dem Territorium der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR) ein Schutzgebiet eingerichtet, da die Natur die Gegend schnell einnahm und die Polesie-SĂŒmpfe ein hervorragender Lebensraum fĂŒr viele seltene Tiere sind.

Zwei ungleiche Sperrzonen

Die weißrussische Sperrzone unterscheidet sich sehr von der ukrainischen. Etwa 25 Prozent der LandesoberflĂ€che sind belastet. Hochkontaminierte Gebiete, die fĂŒr Menschen unzugĂ€nglich sind, grenzen an nur gering verseuchte Areale, in denen sogar noch Menschen leben, wodurch ein regelrechter Flickenteppich auf der Karte entsteht. Das Schutzgebiet ist in fĂŒnf verschiedene Bereiche unterteilt, von denen die zwei am stĂ€rksten kontaminierten nicht fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich sind. Die Sperrzone beherbergt ein Museum und ein Touristenzentrum.

Da die weißrussische Sperrzone zum Großteil noch unbekannt ist, gibt es weder Koordinaten noch genaue Karten und interessante Locations warten auf ihre Entdeckung. Hier gibt es wirklich noch etwas zu erkunden. StĂ€dte wie Prypjat oder Tschernobyl sucht man allerdings vergeblich, dafĂŒr kann man sich auf Dörfer und kleine StĂ€dte freuen. Eine Reise in diese Region eignet sich daher eher fĂŒr Abenteurer, die die ukrainische Sperrzone schon oft besucht haben und etwas Neues, Unbekanntes sehen möchten. Auch im Polesischen Schutzgebiet sind Stalker ein Problem. WĂ€hrend die Strafe fĂŒr die illegale Einreise in der Ukraine eher symbolisch ist, droht in Weißrussland dafĂŒr ein Bußgeld in Höhe von 1.700 Euro. Obwohl die Strahlenbelastung in den meisten Dörfern um ein Vielfaches höher als in der ukrainischen Sperrzone ist (5 – 7 ”Sv/h) und das Gebiet mit Caesium, Strontium und Americium kontaminiert wurde, geht es der Natur sehr gut. In den Wald- und Sumpfgebieten gibt es einen kaum vergleichbaren Vegetationsreichtum.

Ein Paradies fĂŒr Flora und Fauna

Zwei Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl entstand am 18. Juli 1988 das Naturschutzgebiet Polesien, eine von WĂ€ldern und Feuchtgebieten geprĂ€gte Tieflandregion, die sich ĂŒber weißrussisches, ukrainisches, polnisches und russisches Territorium erstreckt. Mit ĂŒber 180.000 Quadratkilometern ist sie rund halb so groß wie Deutschland. UrsprĂŒnglich war geplant, Forschungen durchzufĂŒhren, um herauszufinden, welche Auswirkungen die radioaktive Strahlung auf die Umwelt hat. Doch nach dem Verschwinden der Menschen entwickelte sich die Natur in einem derart ungeahnten Ausmaß, dass das Sperrgebiet zu einem einzigartigen Naturreservat wurde, in dem sich Flora und Fauna ungestört entwickeln können.

Das Territorium besteht aus zwei Teilen. Der grĂ¶ĂŸte Bereich ist das eigentliche Sperrgebiet, auf dem weder eine Besiedlung noch wirtschaftliche TĂ€tigkeiten erlaubt sind. Der zweite Teil wird fĂŒr experimentelle Zwecke verwendet. Dort werden verschiedene Nutzpflanzensorten angebaut und Pferde gezĂŒchtet. Eine Imkerei und einen kleinen Holzbearbeitungsbetrieb gibt es auch. Wo Menschen nicht mehr leben können, besiedeln mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten das Gebiet. Viele der im Reservat vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste. Es beherbergt mehr als 40 SĂ€ugetier-, 70 Vogel- und 25 Fischarten. Es gibt verfallene Meliorationsanlagen, verlassene Acker, Moore sowie SĂŒmpfe, die die Entstehung eines paradiesischen Labyrinths aus GewĂ€ssern, Inseln, SĂŒmpfen, Feuchtwiesen und AuwĂ€ldern begĂŒnstigen.

Das weißrussische BĂŒrokratiemonster

Bevor man das Polesische Schutzgebiet betreten darf, sind viele Genehmigungen einzuholen und viele Dinge zu erledigen – die Einreise muss von den Behörden des Reservats ĂŒber den staatlichen Sicherheitsdienst bis hin zu den Grenzschutzbeamten genehmigt werden. BĂŒrokratie und Korruption sind in der weißrussischen Sperrzone ebenso prĂ€sent wie in der ukrainischen. Bei der Einreise werden die Ausweisdokumente kontrolliert und jeder Besucher in ein Erfassungsbuch eingetragen. Bisher haben einige Hundert Touristen das Schutzgebiet besucht, in der ukrainischen Sperrzone werden es bereits nahezu eine Million gewesen sein.

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive fĂŒr einzigartige Bilder. Wenn ihr die weißrussische Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite alle Infos, die ihr fĂŒr eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt.


Ein Team von Wissenschaftlern rund um Professor Jim Smith von der UniversitĂ€t von Portsmouth stellte in einem Experiment mithilfe traditioneller Techniken Alkohol unter Verwendung von Wasser und Getreide aus der Sperrzone von Tschernobyl her. Die Arbeitsgruppe besteht aus Forschern aus Großbritannien und der Ukraine, die seit vielen Jahren in der Sperrzone arbeiten und untersuchen, wie sich das Land seit dem Unfall am 26. April 1986 erholt. Sie hoffen, mit dem Erlös den Gemeinden zu helfen, die noch immer von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sind. Professor Smith beschrieb den Wodka „als die wahrscheinlich wichtigste Flasche Alkohol der Welt.“

Ist der Wodka radioaktiv belastet?

„Er ist nicht radioaktiver als jeder andere Wodka. Wenn etwas destilliert wird, verbleiben viele Stoffe im Abfallprodukt. Wir haben also das leicht kontaminierte Grundwasser aus einem tiefen Grundwasserleiter in der Stadt Tschernobyl genommen und es destilliert. Unsere Kollegen an der UniversitĂ€t von Southampton haben ein erstaunliches radioanalytisches Labor. Wir haben sie gebeten, den Wodka auf radioaktive Stoffe zu testen. Sie konnten nichts finden – alles lag unter ihrer Nachweisgrenze.“, so Professor Jim Smith.

Drei Jahre lang arbeiteten die Wissenschaftler an dem Projekt. Sie untersuchten den Übergang von Radionukliden aus Böden der Sperrzone in Nutzpflanzen, die auf dem Gebiet angebaut wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die im Rahmen des Forschungsprojektes gesammelten Versuchsproben nur eine wenig höhere Strontium-90-Konzentration haben. Im fertigen Produkt wurde nur noch natĂŒrliches Kohlenstoff-14-Radionuklid nachgewiesen, dessen Konzentration nicht höher als in anderen alkoholischen GetrĂ€nken ist.

Warum gerade Wodka?

Zum einen, weil durch die Destillation ein sauberes, nicht kontaminiertes Produkt aus Tschernobyl hergestellt werden kann. Doch laut Professor Smith soll das Projekt ĂŒber dieses Alleinstellungsmerkmal hinausgehen. Er hofft, mit dem Verkauf des Wodkas Gemeinden rund um die Sperrzone unterstĂŒtzen zu können. Seit den 90er Jahren ist er in Tschernobyl tĂ€tig. Seine Arbeit zeigt ihm, wie schwierig die wirtschaftlichen Bedingungen noch immer fĂŒr die Menschen sind, wĂ€hrend sich die Landschaft langsam erholt. „Es gibt Hotspots [in der Sperrzone], aber die Kontamination ist oft auch geringer als in manch anderen Teilen der Welt mit relativ hoher natĂŒrlicher Hintergrundstrahlung. Das Problem der meisten dort lebenden Menschen ist, dass sie nicht die richtige ErnĂ€hrung, keine gute Gesundheitsversorgung und keine Arbeit haben.“, so der Professor.

Die Absicht der Gewinnerzielung sei es, einen Großteil des Geldes an die örtlichen Gemeinden zu verteilen. Der Rest soll in das GeschĂ€ft investiert werden, damit er seinem Team die Möglichkeit geben kann, ein Einkommen durch das Projekt zu erhalten und in Teilzeit weiter daran zu arbeiten. „Denn nach 30 Jahren ist meines Erachtens die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Bereich das Wichtigste und nicht die RadioaktivitĂ€t.“

Er fĂŒgte hinzu, dass er keine PlĂ€ne fĂŒr einen industriellen Getreideanbau habe. Wissenschaftler betonen jedoch, dass es in der Sperrzone viele Gebiete gibt, die heute fĂŒr einen sicheren Anbau genutzt werden könnten, wenn dies unter radioökologischer Kontrolle erfolgt. NatĂŒrlich sollte bei jeder TĂ€tigkeit in diesen Gebieten die Sicherheit oberste PrioritĂ€t haben.

Derzeit arbeitet man an der GrĂŒndung des gemeinnĂŒtzigen Unternehmens „The Chernobyl Spirit Company“, das in naher Zukunft mit der offiziellen Produktion und dem Verkauf beginnen soll. Professor Jim Smith und sein Team hoffen, in diesem Jahr 500 Flaschen produzieren zu können, die zunĂ€chst an die wachsende Zahl von Touristen verkauft werden sollen. Vorher möchten die Wissenschaftler eine kleine experimentelle Produktion starten, doch dafĂŒr mĂŒssen sie erst eine Reihe von rechtlichen Problemen lösen.

Wie schmeckt er?

In einer Londoner Cocktailbar wurde der Wodka getestet. „Es ist eher ein Getreidebrand als ein Wodka, daher hat er mehr fruchtige Noten – man kann aber immer noch den Roggen schmecken.“, sagt Sam Armeye von der Swift Bar in Soho. „Auf jeden Fall kann man einen klassischen Martini daraus machen, aber ich wĂŒrde ihn auch mit Champagner mischen.“

Quelle: www.bbc.com

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive fĂŒr einzigartige Bilder. Wenn ihr die Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite Tschernobyl Reisen alle Infos, die ihr fĂŒr eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt. Und vielleicht probieren wir dann gemeinsam ein GlĂ€schen „Atomik“.


Waleri Legassow schĂ€tzte als einer der ersten Wissenschaftler das wahre Ausmaß der Katastrophe von Tschernobyl richtig ein. Er ordnete wichtige Maßnahmen zur Schadensbegrenzung nach dem Unfall an und rettete somit in ganz Europa Millionen von Menschen das Leben. Erst auf sein Betreiben hin wurde Prypjat 36 Stunden nach der Explosion von Reaktor 4 evakuiert.

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Wird ein neues Dekret die Sperrzone grundlegend verÀndern?

Am 10. Juli unterzeichnete Wolodymyr Selenskyj, seit fast zwei Monaten neuer PrĂ€sident der Ukraine, ein Dekret “ĂŒber bestimmte Entwicklungen in den Gebieten, die von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen sind”. Einige Punkte des Dekrets sprach Selenskyj wĂ€hrend seines Sperrzonen-Besuches Anfang dieser Woche an.

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Katastrophe in Tschernobyl – Sarkophag fĂŒr die Ewigkeit?

Die neue SchutzhĂŒlle ĂŒber dem 1986 explodierten Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks #Chernobyl ist heute, am 10.07.2019 offiziell in Betrieb genommen worden. Mehr als 40 LĂ€nder beteiligten sich an der Finanzierung des 2 Milliarden Euro-Projektes, um “den Planeten und die Menschheit vor radioaktiver Verseuchung zu schĂŒtzen”, so der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr #Selenskyj. Die 108 Meter hohe und 36.000 Tonnen schwere Konstruktion soll Temperaturen von -30 °C bis +50 °C, einem Erdbeben der StĂ€rke 6 sowie einem Tornado der Stufe 3 standhalten und in den nĂ€chsten 100 Jahren fĂŒr Sicherheit sorgen.

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Bisher gab es weltweit nur zwei atomare UnfĂ€lle, die auf der siebenstufigen INES-Skala (Internationale Bewertungsskala fĂŒr nukleare Ereignisse) die höchste Stufe erreichten. Mit dieser Skala beschreibt die Internationale Atomenergie-Organisation Katastrophen mit weitreichenden gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen.

Ein Abriss der Ereignisse

Am 11. MĂ€rz 2011 erschĂŒtterte ein ungefĂ€hr zweiminĂŒtiges Erdbeben der StĂ€rke 9,0 die OstkĂŒste der japanischen Hauptinsel HonshĆ«. Sein Epizentrum lag 163 Kilometer nordöstlich des Kernkraftwerks Fukushima I. Die ersten Wellen des Bebens regten dort Seismometer an, die eine Schnellabschaltung der Reaktoren 1 bis 3 auslösten. Gleichzeitig fiel die externe Stromversorgung des Kraftwerks durch SchĂ€den an dessen Schaltanlagen aus und zwölf der dreizehn Notstromdieselgeneratoren starteten. Alle sechs Blöcke schalteten in der Folge auf NotkĂŒhlung um.

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Die meisten Urlauber suchen sich als Ziel fĂŒr die schönste Zeit des Jahres moderne StĂ€dte, das Meer oder urige Bergdörfer aus. Ablenken, entspannen, fotografieren – dies ist die allgemeine Idealvorstellung eines gelungenen Urlaubs. Der schwarze Tourismus allerdings ist ein Trend, bei dem immer mehr Menschen genau das Gegenteil suchen: Orte, an denen Schlimmes passiert ist.

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Als amerikanisch-britische Produktion thematisiert Chernobyl die Ereignisse der bis zu diesem Zeitpunkt schwersten Atomkraftwerks-Katastrophe der Welt. Die Internet-Bewertungen (96 Prozent auf Rotten Tomatoes und 9,6 Sterne auf IMDb) zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Miniserie gilt als eine der besten aller Zeiten und verweist selbst weltweit gefeierte Produktionen wie Game of Thrones und Breaking Bad auf die PlÀtze.

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Wie viel Gefahr geht noch vom Kernkraftwerk in Tschernobyl aus?

Tschernobyl war der schwerste Kernkraftwerksunfall der Welt, der die Stadt Pripjat im damaligen Teil der Sowjetunion zur Evakuierung zwang, nachdem sie einer hohen Strahlung ausgesetzt war. Sowjetische Beamte spielten den Vorfall lange Zeit öffentlich herunter. Bis heute arbeiten Wissenschaftler daran, die Auswirkungen der tödlichen Explosion nachzuvollziehen.

Viele von euch haben die Premiere der Miniserie ” Tschernobyl” am 6. Mai 2019 bereits gesehen. Alle die noch nicht mit uns auf einer unserer Reisen nach Tschernobyl dabei waren und trotzdem so ein großes Interesse an der Thematik haben, möchten wir euch die Verantwortlichen wĂ€hrend der Katastrophe und deren Schauspieler hier kurz vorstellen. Auch stellen wir euch die entsprechenden Drehorte vor.

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Gedenken an die Helden von Tschernobyl

Die gusseiserne Glocke hĂ€ngt stumm im steinernen Bogen. An der Mauer darunter steht auf Plaketten eingraviert eine Reihe von Namen. Namen der Menschen, die in den ersten Stunden, Tagen und Wochen unter Einsatz ihres Lebens nach einer der grĂ¶ĂŸten Katastrophen der Welt aufgerĂ€umt haben. Das Denkmal erinnert an die Liquidatoren von Tschernobyl.

Tschernobyl, auch heute noch Synonym fĂŒr den unsichtbaren Schrecken, steht fĂŒr eine nukleare Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Die HintergrĂŒnde der furchtbaren Ereignisse könnt ihr in den BeitrĂ€gen Liquidatoren von Tschernobyl – Wettlauf gegen den unsichtbaren Feind und Bis dass der Tod uns scheidet – Das Leben der Einsiedler von Tschernobyl nachlesen.

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Der 26. April steht vor der TĂŒr. Viele von uns werden wie jeden Tag ihrem Alltag nachgehen und abends in aller Ruhe ins weiche Bett fallen. Diese NormalitĂ€t wurde jedoch am 26. April 1986 fĂŒr viele Menschen fĂŒr immer zerstört. An diesem schicksalstrĂ€chtigen Tag ereignete sich in einer kleinen Ortschaft im Norden der Ukraine eine der grĂ¶ĂŸten Nuklearkatastrophen der Welt – der Reaktorunfall von Tschernobyl.

Wir gedenken mit zwei BeitrÀgen den mutigen Menschen, die es sich nach der Katastrophe zur Aufgabe gemacht haben, das verseuchte Sperrgebiet zu sÀubern. Viele haben ihren Einsatz vor Ort mit ihrer Gesundheit oder sogar mit ihrem Leben gezahlt.

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Riesige Pelikane aus rostigem Stahl

Auf unseren Tschernobyl Reisen fahren wir auch zum ehemaligen Binnenhafen in der NĂ€he des Kraftwerks. Drei riesige Metallmonster, KrĂ€ne aus rostigem Stahl bewachen das Flussufer. Ein vierter neigt sich bedenklich zur Seite und versinkt langsam in das Wasser. Von weitem sehen sie aus wie riesige Pelikane, erst wenn man direkt vor ihnen steht, sieht man deren gigantische GrĂ¶ĂŸe. Wie bei vielen Dingen in der Sperrzone von Tschernobyl die wir auf unserer Reise begegnen, ist es oft nicht der erste Eindruck der uns nachdenklich stimmt, sondern die weitere Erforschung und Erkundung der einzelnen Objekte und die Zeugnisse aus frĂŒherer Zeit.

Wenn man auf einen der KrĂ€ne hinaufklettert, bekommt man einen wunderschönen Panoramaausblick hinĂŒber nach Pripjat und zum Kraftwerk. Nachdem ich meinen Kran ausgewĂ€hlt habe, wo ich hochklettern möchte und mich fest mit meinen HĂ€nden am GelĂ€nder festhalte, gehe ich die ersten Stufen hinauf. GlĂŒcklicherweise sind das eher Treppen aus Metall und keine Leitern mit Sprossen wie ich es von der Duga Radarstation kenne.

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Eine mehrtÀgige Tour durch die Sperrzone

Unsere mehrtĂ€gigen Reisen nach Tschernobyl sind eine Mischung aus Lost Places Fototour und Abenteuerreisen. Diese Touren sind eine Kombination aus einer Wanderreise mit Expeditionscharakter und ausreichend Zeit fĂŒr eigene Fotoaufnahmen ganz gleich ob mit System, Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone. Unsere erfahrenen Guides zeigen dir die schönsten Fotospots in der riesigen Sperrzone von Tschernobyl und Geisterstadt Prypjat zu entsprechenden Tageszeiten. Hier dreht sich alles um das Erkunden von tollen Landschaften, Lost Places, Relikten aus dem kalten Krieg und Details aus der Vergangenheit.

Eine militÀrische Forschungsabteilung im kalten Krieg?

Vor der Katastrophe war die Jupiter-Fabrik eine Zweigstelle des Kiewer Unternehmens „Mayak“ und stellte elektrische Komponenten her, die damals hauptsĂ€chlich fĂŒr TonbandgerĂ€te verwendet wurden. Es halten sich immer noch GerĂŒchte ĂŒber eine militĂ€rische Forschungsabteilung und angesichts der Zeit des kalten Krieges und der strategisch gĂŒnstigen Lage ist es sehr wahrscheinlich, dass dies wahr ist. Nach der Katastrophe im Jahr 1986 befanden sich in der Fabrik Radiologielabors, in denen Dekontaminationsverfahren und DosimetriegerĂ€te getestet wurden. Die Laboratorien waren bis 1996 in Betrieb, dann wurde die Fabrik endgĂŒltig aufgegeben.

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Ein Kinderferienlager im Wald

Nachdem wir den Checkpoint zur 10 Kilometer Zone passiert haben und auf der Hauptstraße nach Tschernobyl unterwegs waren, hielt unser Fahrer ĂŒberraschend an und wir bogen ab in einen unscheinbaren Waldweg, der parallel zur Hauptstraße verlief. Nachdem wir einige Kilometer auf dem holprigen Weg unterwegs waren und unser Fahrzeug gegen die ĂŒberhĂ€ngenden Äste gestreift war, blieben wir plötzlich stehen. Uns war nicht sofort klar, warum, aber unser Guide wies uns an auszusteigen und nach links in Richtung Wald zu gehen. Wir liefen ein paar Hundert Meter auf einem Feldweg entlang, als plötzlich Reste von Asphalt zu sehen waren und sofort erschien auf der rechten Seite versteckt zwischen BĂ€umen das erste GebĂ€ude, allem Anschein nach war es eine Pförtnerhaus und ehemalige Kantine.

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Wie gefÀhrlich ist eine Reise in die Ukraine?

Auch wenn wir immer wieder neue Meldungen von den KĂ€mpfen in der Ostukraine hören und das Land die Halbinsel Krim an Russland verloren hat, ist es in der Mitte und in den westlichen Landesteilen ruhig. Hier gehen die Menschen ihrem alltĂ€glichen Lebensrythmus nach. Auch ist es mittlerweile knapp 5 Jahre her, das die AufstĂ€nde auf dem Majdan ihren Höhepunkt fanden. Deshalb lohnt es sich wieder ein Auge auf die touristischen Attraktionen der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu werfen. Kiew ist sehr vielseitig und hat jede Menge zu bieten. Was es bei einem Urlaub an den Ufern des Dnipro zu beachten gibt und welche wunderbaren SehenswĂŒrdigkeiten du besuchen kannst, verraten wir dir hier.

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Tschernobyl – wie sieht es heute dort aus?

Ich werde sehr oft gefragt was die beste Reisezeit ist um die Sperrzone von Tschernobyl zu besuchen. Eine fast menschenleere Sperrzone hat man im Winter und genauer zum Jahreswechsel wo auch die Arbeiter aus der Zone ausreisen um bei ihren Familien den Jahreswechsel zu verbringen. Der Nachteil an dieser Reisezeit ist das es kalt ist und die Tage sehr kurz. DafĂŒr fotografiert man wenn man GlĂŒck hat die Sperrzone mit Schnee und in einer dĂŒsteren Stimmung.

Als Alternative hierzu bietet sich das FrĂŒhjahr an, hier sind schon die Tage lĂ€nger und es ist etwas wĂ€rmer dafĂŒr bleibt die dĂŒstere Stimmung erhalten da die Vegetation erst Mitte April anfĂ€ngt zu sprießen und man die Mauern der HĂ€user in Pripjat immer noch zwischen den BĂ€umen erkennt. Im FrĂŒhling bis Ende Mai ist es schon deutlich wĂ€rmer und die Tage lĂ€nger, die BĂ€ume haben ein neues frisches BlĂ€tterkleid angelegt aber auch die ersten Plagegeister in Form von Insekten kehren aus dem Winterschlaf zurĂŒck.

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