Das Leben der Einsiedler in Tschernobyl

Tschernobyl – dieser Name löst bis heute bei vielen Menschen eine Beklemmung aus. Und das nicht ohne Grund: Wir verbinden mit dem Gebiet im Norden der Ukraine sofort die  größte Nuklearkatastrophe der Welt. Dennoch ist Tschernobyl für einige Menschen weit mehr als eine lebensgefährliche Sperrzone: Es ist ihre Heimat, ihr Zuhause. Trotz der gesundheitlichen Risiken leben etwa 180 Menschen bis heute im Sperrgebiet. Bekannt sind diese als Einsiedler von Tschernobyl. Was auf den ersten Blick auffällt: Es sind zumeist ältere Siedler, die geblieben sind. Um die Gründe für die Rückkehr der Einsiedler nach Tschernobyl zu verstehen, solltest Du einen Blick in unseren Artikel werfen “Bis dass der Tod uns scheidet” – Das Leben der Einsiedler von Tschernobyl

Unsere Hilfsaktion für die Babushkas

Gerade in diesem Jahr 2020 das von #Corona bestimmt ist, sollten wir auch auf die Menschen schauen die seit sehr vielen Jahren in “Isolation” leben. Die #Einsiedler von #Tschernobyl haben dieses leben voller Entbehrungen und Schwierigkeiten gewählt um in Ihrer Heimat zu Hause zu sein. Vom 29.10. – 05.11.2020 starten wir unsere erste Hilfsaktion um den Einsiedlern in der Tschernobyl Sperrzone zu helfen! Während unseres Aufenthaltes vor Ort werden wir viele ältere Menschen besuchen, die sich nie mit der Evakuierung nach der Tschernobyl Katastrophe abgefunden haben und in die Sperrzone zurückgekehrt sind. Heute gibt es nur noch etwa 100 von ihnen, die in verlassenen und teils abgelegen Dörfern leben, in die ein mobiler Kaufmannsladen mit Lebensmitteln nur alle 4-5 Wochen kommt. Außerdem sind die Wohnbedingungen in den alten Holzhäusern die teilweise kein Strom, sanitäre Einrichtungen und fließend Wasser haben sehr hart.

Selbstverständlich haben einige der Einsiedler Familien in den Städten der Ukraine und die Unterstützung von Familienangehörigen oder Personen, die die Sperrzone besuchen. Die große Mehrheit lebt jedoch in völliger Vergessenheit auf sich alleine gestellt und ohne Hilfe und ohne die Möglichkeit, mit irgendjemandem zu sprechen. Unser Ziel ist es, ihnen so viel Lebensmittel und Dinge die benötigt werden (Kleidung, Taschenlampen, Drogerieartikel, Hilfsmittel, rezeptfreie Medikamente, Verbandsmittel, technischer Geräte, Energiesparlampen) wie möglich zu bringen, damit sie bis zum Ende des Winters genug zu essen haben und eine warme und behagliche Unterkunft haben. Auch bei kleineren Reparaturen am Haus oder beim Holzhacken zu helfen und – was wahrscheinlich das Wichtigste ist – ihnen einfach unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Von allen Dingen vermissen die Großmütter und Väter am meisten den gewöhnlichen menschlichen Kontakt mit einem anderen Menschen.

Ein ehrgeiziger Plan um den Einsiedlern zu Helfen

Unser Plan ist sehr ehrgeizig, denn diesmal wollen wir 5 bis 6 Tage in der Sperrzone verbringen. Während dieser Zeit werden wir sehr viele Einsiedler besuchen, die in den Dörfern leben und am nötigsten unsere Hilfe brauchen.
Die Urbexplorer Guides Marek Romanowicz und Marek Baryshevskyi, werden die Hilfsaktion organisieren und vor Ort leiten. Die Hilfsaktion wird außerdem in Film und Ton dokumentiert.

  • Zeitpunkt der Expedition: 8 Tage- 29.10. – 05.11.2020 ( 5-6 Tage in Tschernobyl + Anreise aus Berlin)
  • Kleinbus Fiat Ducato
  • Gruppe: 3 -5 Personen + Mitarbeiter der  Zone
  • Jeden Morgen kaufen wir vor Ort in der Ukraine Lebensmittel ein
  • Alle Sachspenden wie warme Sachen und Drogerieartikel, etc packen wir in den Bus ab Berlin

Alleine schaffen wir das nicht – Wir brauchen eure Hilfe!

Wenn Ihr unsere Hilfsaktion unterstützen möchtet würden wir uns sehr freuen. Es muss kein großer Geldbetrag sein, denn selbst symbolischer Geldbetrag hilft uns weiter.
Hier findet Ihr einen Link zu unserer Sammelkasse: https://www.leetchi.com/c/hilfsaktion-fuer-die-babushkas-in-tschernobyl

  • Jeder der mindestens 20 € spendet bekommt von uns einen #KERNGESUND Aufnäher / Patch zugesendet. Einfach eine E Mail mit Bestätigung und Adresse senden an: marek@urbexplorer.com
  • Jeder der mindestens 30 € spendet bekommt von uns einen Tschernobyl Jutebeutel in Schwarz zugesendet. Einfach eine E Mail mit Bestätigung und Adresse senden an: marek@urbexplorer.com
  • Jeder der mindestens 800 € spendet kann uns bei der Hilfsaktion nach Tschernobyl begleiten. Abfahrt am 29.10.2020 am Nachmittag ab Berlin. Ankunft in Berlin am 05.11.2020. Ein gültiger Reisepass ist Voraussetzung sowie ein Führerschein. Dies ist aber KEINE Reise oder ausgiebige Fototour zu Sehenswürdigkeiten. Einfach eine E Mail mit Bestätigung senden an: marek@urbexplorer.com

Auch Sachspenden in Paketen helfen uns sehr. Auf diese Weise können wir etwas großartiges gemeinsam tun.

Und bitte: Teilen diesen Beitrag, wo immer Ihr könnt!

Wir bedanken uns bei Euch!

Was haben die Einsiedler nach der Katastrophe erlebt? Wie sieht ihr Alltag heute aus? Wir verraten dir, wieso Tschernobyl eine Reise wert ist.


Die größte Katastrophe seit dem Supergau 1986

Am 3. April erreichten uns schlechte Nachrichten aus der Tschernobyl-Sperrzone. In den Wäldern rund um das havarierte Atomkraftwerk sind in der Nacht zum 4. April schwerwiegende Feuer ausgebrochen, welche eine Fläche von knapp 20 Hektar betragen. Der Brandherd liegt ca. 58 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt und wird rund um die Uhr bewacht. Den etwa 20 Hektar großen Brand konnte die Feuerwehr vor Ort nach einiger Zeit unter Kontrolle bringen. Jedoch ereignete sich am darauffolgenden Tag ein weiteres Feuer in der Nähe der Sperrzone, etwa 5 Kilometer von den Grenzen er Sperrzone entfernt. Die Stadt Poliske, in der auch heute noch wenige Einsiedler wohnen, befindet sich nur 3 Kilometer des zweiten Brandherdes entfernt. Die Feuerwehr schaffte es glücklicherweise recht schnell das Feuer einzudämmen und zu löschen. Schnell stellte sich heraus, dass es sich beim zweiten Brand um Brandstiftung handle. Das Feuer wurde absichtlich mit Hilfe von Müll und Gras gelegt. Der Polizei aus der Region um Kiew gelang es schnell einen Täter ausfindig zu machen und diesen zu fassen. Bei dem Täter handelt es sich um einen 27-jährigen Bewohner der umliegenden Gebiete, welcher bei einer Vernehmung zugab, dass es die Feuer aus Spaß gelegt hat. Die Feuer breiteten sich nach eigener Aussage schnell aus, weshalb er nicht mehr in der Lage war, das Feuer unter Kontrolle zu halten.

Foto Aleksandr Sirota, Головне управління ДСНС України у м.Києві

Ein aussichtsloser Kampf gegen die Flammen

Die Feuerwehrleute in der Ukraine haben derzeit alle Hände voll zu tun. Bereits einen Tag nach dem zweiten Brandfall muss die Feuerwehr ein weiteres Mal ausrücken. Ein kontaminiertes Gebiet um das Dorf Czystogalowka steht in Flammen. Dieses Gebiet liegt nur 1,5km vom so genannten Roten Wald entfernt. Dieser gilt als einer der am stärksten radioaktiv verseuchten Orte, bei welchem der Strahlungspegel zwischen 2 und 10 uSv/h und punktuell sogar bei 150 uSv/h liegt. Aufgrund dessen besteht die Gefahr der Freisetzung von Radionukliden in die Atmosphäre. Zu diesem Zeitpunkt wurden allerdings keine erhöhten Strahlungswerte von den Dosimeterstationen erfasst.

Foto Державне агентство України з управління зоною відчуження

Der unberechenbare Wind verlagert das Feuer

Das Feuer wurde aufgrund von starkem Wind nach Süden verlagert, was dazu führt, dass sich das Feuer vom Roten Wald entfernt und in Richtung der strahlungsfreien Gebiete wandert, was erst einmal eine gute Nachricht ist. Mittlerweile sind wohl um die 100 Hektar von dem Feuer in der Sperrzone von Tschernobyl betroffen. Leider änderte sich der Wind entgegen der Prognosen im Verlauf des Tages unerwartet in die Richtung der am stärksten verschmutzen Gebiete – einschließlich des havarierten Kraftwerkes. Auch für die mittlerweile knapp 326 Feuerwehrleute erschweren sich die Bedingungen. Aufgrund des Konzentrationsaufstieges der Radionukliden in der Luft, müssen die Feuerwehrleute ihre persönliche Schutzausrüstung tragen und können nur noch eine begrenzte Zeit bei der Feuerbekämpfung helfen.

Foto Державне агентство України з управління зоною відчуження

Neun Tage nach Ausbruch kein Ende in Sicht

Nun hat das Feuer den Kontrollpunkt Lelew erreicht. Dies ist der Haupteingang zu 10-km-Zone zwischen der Stadt Tschernobyl, Pripjat und dem Kernkraftwerk. Durch das schnelle Handeln gelang es den Feuerwehrleuten diesen Punkt rechtzeitig zu löschen. Das Kinderferienlage  „Izumrudnyj“ wurde von den Feuern komplett zerstört. Informationen zu Folge brach das Feuer in insgesamt 7 Ortschaften aus. Die Tatsache, dass das Feuer in kleinen Zeitabständen an völlig unverbundenen Orten auftrat, lässt Zweifel aufkommen bezüglich der Brandursachen. Knapp eine Woche nach Ausbruch des ersten Feuers steht nun auch die Stadt Tschernobyl in Flammen. Die Trockenheit und der bestehende Wind sorgen dafür, dass sich das Feuer sowohl Richtung Süden als auch Richtung Norden weiter ausbreitet. Dem Roten Wald kommt das Feuer langsam bedrohlich nahe. Mittlerweile geht man davon aus, dass dies der größte Brand in der Geschichte der Sperrzone von Tschernobyl ist.

Ein großer Teil der brennenden Fläche ist aufgrund der Verwilderung der letzten 34 Jahre nicht mehr zugänglich, weshalb die Feuerwehrleute mit sämtlichen Fahrzeugen nicht in die Nähe des Brandherdes gelangen können. Die Behörden der Zone räumten ein, dass sie auf einen Brand dieses Ausmaßes nicht vorbereitet waren und die Vorkehrungen die getroffen wurden nicht ausreichend waren.

Foto Денис Ядов

Die Einsiedler kämpfen um Existenz

Einige Einsiedler versuchen sich mittlerweile selbst in der Feuerbekämpfung. Leider gelang es vielen nicht, ihre Hütten zu retten. Ein Teil des Dorfes Ługowniki und Stara Markówka brannte bereits komplett ab. Diese Dörfer liegen in den Gebieten, die außerhalb der Sperrzone sind. Die meisten dieser Dörfer liegen in der Nähe der Stadt Poliskoye wenige Kilometer von der aktuellen Grenze zur Sperrzone entfernt, und sind oft von mehreren Personen bewohnt. Viele Einsiedler verlieren nun quasi ein zweites Mal ihre Existenz und sin den Flammen schutzlos ausgeliefert. Da die Einsiedler mehr oder weniger entgegen der Vorschriften der Behörden in der Sperrzone leben, werden diese kaum beachtet.

Foto Державне агентство України з управління зоною відчуження

Zehnter Tag und das Feuer breitet sich weiter aus

Die gigantischen Brände in der Tschernobyl-Sperrzone sind noch immer nicht unter Kontrolle, und die Situation wird nicht besser. Es ist eine ökologische Katastrophe und eine Katastrophe für den historischen Wert der verbrannten Dörfer. Dies ist zweifellos der größte Brand in der Zone seit 1986, als diese nach dem Supergau eingerichtet wurde.

Das Feuer ist bereits mehrere hundert Meter vom Atomkraftwerk Tschernobyl entfernt. Das Gebiet ist streng eingezäunt und von Wäldern getrennt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Feuer durchkommt, gering ist. Die Feuerwehrleute tun jedoch, was sie können, um jede Eventualität zu verhindern. Langsam kommen jedoch Regenwolken auf – wir werden sehen, wie viel Wasser sie bringen.

Das Feuer erreichte das an das Kernkraftwerk von Tschernobyl angrenzende Gebiet, so dass der Rauch den Sarkophag über dem havarierten Block 4 vollständig bedeckte. Die Behörden versichern jedoch, dass es keine Möglichkeit gibt, dass irgendetwas in dem Gebäude verbrennt. Er ist vom Wald getrennt, und um den Sarkophag selbst befindet sich ein riesiger Betonplatz.

Foto. Державне агентство України з управління зоною відчуження

Entwarnung oder nur eine Atempause im Kampf gegen das Feuer?

Dies ist noch nicht bestätigt, aber derzeit zeigen die Satellitenbilder keinen Brandherd, und die Feuerwehrleute melden lediglich einige lokale, kleine, schwelende Glutnester. Die Zonenverwaltung berichtete auch, dass seit heute Morgen kein offenes Feuer mehr beobachtet wurde. Die nächtlichen Regenfälle erwiesen sich ergiebiger als angekündigt – es gibt riesige Pfützen auf den Straßen und der Boden ist nass.

Natürlich ist die Situation noch weit davon entfernt, um Entwarnung zu geben – alles wird sich in den nächsten Stunden entscheiden, und jetzt hängt es von den Anstrengungen der Feuerwehrleute ab, ob die Brände eingedämmt werden können. Gestern war das Feuer bereits einige hundert Meter vom Atomkraftwerk Tschernobyl und der Stadt Pripjat entfernt. Noch schlimmer ist, dass gestern neue Feuerzellen aufgetaucht sind beispielsweise in der Nähe des Dorfes Rosocha im Süden der Sperrzone und im Osten in der Nähe des Dorfes Krzywa Góra. Würde sich das Feuer dort ausbreiten, wären die Chancen, es zügig zu löchen, aufgrund der Verwilderung und der Unzugänglichkeit dieser Gebiete sehr gering.

Foto. Державне агентство України з управління зоною відчуження

Das Kinderferienlager ist komplett niedergebrannt

Kein einziges Holzhaus in der Ferienanlage “Izumrudnoye” überlebte die Feuer in den Wäldern zwischen Pripjat und Tschernobyl. Dort standen sehr charakteristische Hütten mit Gemälden sowjetischer Märchenfiguren, wie Wolf und Hase oder Tscheburaszka, geschmückt.

Foto: Aleksandr Sirota
Foto: Seth Gl


Umgang mit der Katastrophe in der DDR

Im April 1986 – ich 17 Jahre alt und im ersten Ausbildungsjahr an einer Berufsschule mit Internat im Osten von Berlin. Wir hörten heimlich auf den Zimmern West-Radio. Der RIAS war problemlos zu empfangen und hatte die bessere Musik. Daher lief das Radio am Sonntagabend. In den Nachrichten brachten sie eine Mitteilung über einen Reaktorunfall in der Sowjetunion. Wir diskutierten an diesem Abend lange über die Situation und wussten, dass dieser Unfall auch Einfluss auf unser jetziges und zukünftiges Leben haben wird. Von den DDR-Medien war zu dieser Zeit nichts darüber zu hören. Es wurde totgeschwiegen.

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Touristenmagnet Tschernobyl – In diesem Jahr schon 100.000 Besucher

Im Winter herrscht eine ganz besondere Atmosphäre in der Sperrzone von Tschernobyl. Da die Sonne erst spät auf- und bereits früh wieder untergeht, sollte man sich von Kiew aus so zeitig wie möglich auf den Weg in Richtung Norden machen, um den Tag effektiv auszunutzen. Die meisten Touren in die Sperrzone beginnen in der Nähe des Kiewer Hauptbahnhofs. Auf der gut zweistündigen Fahrt passiert man urige und typisch osteuropäische Dörfer, die einem einen interessanten Eindruck von der ukrainischen Ländlichkeit geben. Continue reading →


Der Ansturm auf Tschernobyl ist nach wie vor ungebrochen. Laut den ukrainischen Behörden haben die Sperrzone dieses Jahr bis Anfang November mehr als 107.000 Menschen aus der ganzen Welt besucht. Weißrussland ist mittlerweile so besorgt darüber, dass das Land nördlich der Ukraine nun seine Grenzkontrollen verschärft.

Ungebrochener Hype um Tschernobyl

Der Tourismus in der Sperrzone von Tschernobyl boomt weiterhin – auch wenn die Besucherzahlen aufgrund der fallenden Temperaturen und des schlechter werdenden Wetters langsam zurückgehen. Die sowohl von Kritikern als auch Zuschauern hochgelobte HBO-Miniserie „Chernobyl“ hat maßgeblich zum gestiegenen Interesse an den Geschehnissen vor über 33 Jahren und dem heute verlassenen Gebiet um das havarierte Kernkraftwerk geführt. Einige Personen nehmen dabei nicht den offiziellen Weg über den Kontrollpunkt Dytiatky, sondern betreten die ukrainische Sperrzone illegal in der Nähe zu Weißrussland. Nur etwa zehn Kilometer liegen zwischen der weißrussisch-ukrainischen Grenze und Prypjat, dem Hauptziel der meisten „Stalker“, wie illegale Besucher umgangssprachlich genannt werden.

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Seit der Ankündigung, dass Touristen nun den Kontrollraum von Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl besuchen dürfen, kursieren im Internet viele utopische Zahlen bezüglich der Strahlenbelastung vor Ort. Diverse Webseiten berichten, dass die Strahlung den Normalwert um das 40.000-fache überschreitet und man sich deshalb nur maximal fünf Minuten dort aufhalten kann. Wir wissen nicht, wie die Journalisten auf diese Zahl kommen. Ist es vielleicht nur ein Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen, Entsetzen auszulösen und eine hohe Klickzahl zu erreichen? Wir von Urbexplorer möchten unseren Gästen die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild von der Sperrzone und der Situation vor Ort zu machen und sie mit korrekten Informationen versorgen.

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Ground Zero – der Ort, an dem alles begann

Ab 2020 werden wir euch die Möglichkeit geben, den Kontrollraum von Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl zu besichtigen. Dort wurden vor über 33 Jahren die schwerwiegenden Fehler begangen, die zur bis dahin schlimmsten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte geführt haben. Selbst mehr als drei Jahrzehnte nach dem Unfall kann die Strahlenbelastung an diesem Ort den Normalwert um das Hundert- bis Zweihundertfache überschreiten. Spezielle Kleidung wie Schutzanzüge, Atemmasken, Sicherheitsschuhe und Schutzhelme sind während der Besichtigung deshalb Pflicht. Laut den Kraftwerksmitarbeitern reichen ein paar Minuten im Kontrollraum aus, um das Gesehene niemals zu vergessen.

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Ein Blick in die Hölle der Sperrzone von Tschernobyl

Besichtigt mit uns das Innenleben der Sperrzone von Tschernobyl – den Kontrollraum von Reaktorblock 4, in dem vor über 33 Jahren die schwerwiegenden Fehler begangen wurden, die zur bis dahin schlimmsten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte geführt haben.

In bisherigen Führungen konnten wir uns gemeinsam Sicherheits- und Verwaltungsräume unterhalb des Kraftwerks, einen Turbinenraum, den goldenen Korridor und das Denkmal für Walerij Chodemtschuk, das erste Todesopfer der Katastrophe, anschauen. Zukünftig werden wir ebenfalls die Gelegenheit haben, einen Blick auf die (mittlerweile entkernte) Bedieneinheit von Block 4 zu werfen, die sich zum Schutz der Kraftwerksmitarbeiter hinter einer dicken Betonmauer befindet.

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Ein scheuer Blick Richtung Westen

Vom 21. bis 30. Juni 2019 fanden in Weißrussland die Europaspiele statt. Nach Baku 2015 war es der zweite Wettbewerb dieser Art in einem autoritär regierten Staat. Dennoch versuchten die Veranstalter, ein positives Bild von ihrem Land zu vermitteln – trotz der engen Verbindung mit Russland ist man um Annäherung an den Westen bemüht. Und tatsächlich merkt man in der Hauptstadt Minsk die Nähe zu Europa stärker als in Moskau. Von den Spielen sollten vor allem die Infrastruktur, Bauunternehmen, Hotel-, Restaurant- und Barbesitzer, Taxifahrer sowie Servicepersonal profitieren. Geht es nach der Regierung, soll Weißrussland für Touristen attraktiver werden. Der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko warb in Berlin im Vorfeld der Spiele für einen Besuch in seinem Land. „Belarus ist kein touristisches Mekka. Wir haben kein Meer, wir haben keine Gebirge, aber ich glaube, Belarus ist eine vielfach unterschätzte touristische Destination. Mit reichem Kulturerbe, mittelalterlichen Schlössern, einmaligen Naturschutzgebieten. Herzlich willkommen in Belarus.“ Laut Sidorenko möchte die Regierung das Land modernisieren, was im Dialog mit seinen internationalen Partnern geschehen soll.

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Auszug aus dem Buch „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch: „Belarus… Wir sind ja für die Welt eine Terra incognita, ein unbekanntes, unerforschtes Land. Von Tschernobyl wissen alle, aber nur in Verbindung mit der Ukraine und mit Rußland. Wir müssen erst von uns erzählen. ‚White Russia‘ (‚Weißes Rußland‘) – so klingt der Name unseres Landes in Englisch.“ (Volkszeitung, 27. April 1996)

Die Sperrzone von Tschernobyl im Norden der Ukraine ist den meisten Menschen auch schon lange vor Ausstrahlung der hochgelobten HBO-Miniserie „Chernobyl“ ein Begriff gewesen. Doch nur die wenigsten wissen, dass es auch in Weißrussland eine solche Sperrzone gibt. Was ist das für ein Ort? Ist die weißrussische Sperrzone mit der ukrainischen vergleichbar? Wie stark ist dieser Ort kontaminiert? Leben dort noch Menschen? Im August 2019 waren wir das erste Mal vor Ort, um uns selbst ein Bild vom „Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiet“, wie das Areal offiziell heißt, zu machen.

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Ein Team von Wissenschaftlern rund um Professor Jim Smith von der Universität von Portsmouth stellte in einem Experiment mithilfe traditioneller Techniken Alkohol unter Verwendung von Wasser und Getreide aus der Sperrzone von Tschernobyl her. Die Arbeitsgruppe besteht aus Forschern aus Großbritannien und der Ukraine, die seit vielen Jahren in der Sperrzone arbeiten und untersuchen, wie sich das Land seit dem Unfall am 26. April 1986 erholt. Sie hoffen, mit dem Erlös den Gemeinden zu helfen, die noch immer von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sind. Professor Smith beschrieb den Wodka „als die wahrscheinlich wichtigste Flasche Alkohol der Welt.“

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Waleri Legassow schätzte als einer der ersten Wissenschaftler das wahre Ausmaß der Katastrophe von Tschernobyl richtig ein. Er ordnete wichtige Maßnahmen zur Schadensbegrenzung nach dem Unfall an und rettete somit in ganz Europa Millionen von Menschen das Leben. Erst auf sein Betreiben hin wurde Prypjat 36 Stunden nach der Explosion von Reaktor 4 evakuiert.

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Wird ein neues Dekret die Sperrzone grundlegend verändern?

Am 10. Juli unterzeichnete Wolodymyr Selenskyj, seit fast zwei Monaten neuer Präsident der Ukraine, ein Dekret “über bestimmte Entwicklungen in den Gebieten, die von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen sind”. Einige Punkte des Dekrets sprach Selenskyj während seines Sperrzonen-Besuches Anfang dieser Woche an.

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Katastrophe in Tschernobyl – Sarkophag für die Ewigkeit?

Die neue Schutzhülle über dem 1986 explodierten Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks #Chernobyl ist heute, am 10.07.2019 offiziell in Betrieb genommen worden. Mehr als 40 Länder beteiligten sich an der Finanzierung des 2 Milliarden Euro-Projektes, um “den Planeten und die Menschheit vor radioaktiver Verseuchung zu schützen”, so der ukrainische Präsident Wolodymyr #Selenskyj. Die 108 Meter hohe und 36.000 Tonnen schwere Konstruktion soll Temperaturen von -30 °C bis +50 °C, einem Erdbeben der Stärke 6 sowie einem Tornado der Stufe 3 standhalten und in den nächsten 100 Jahren für Sicherheit sorgen.

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Bisher gab es weltweit nur zwei atomare Unfälle, die auf der siebenstufigen INES-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) die höchste Stufe erreichten. Mit dieser Skala beschreibt die Internationale Atomenergie-Organisation Katastrophen mit weitreichenden gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen.

Ein Abriss der Ereignisse

Am 11. März 2011 erschütterte ein ungefähr zweiminütiges Erdbeben der Stärke 9,0 die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshū. Sein Epizentrum lag 163 Kilometer nordöstlich des Kernkraftwerks Fukushima I. Die ersten Wellen des Bebens regten dort Seismometer an, die eine Schnellabschaltung der Reaktoren 1 bis 3 auslösten. Gleichzeitig fiel die externe Stromversorgung des Kraftwerks durch Schäden an dessen Schaltanlagen aus und zwölf der dreizehn Notstromdieselgeneratoren starteten. Alle sechs Blöcke schalteten in der Folge auf Notkühlung um.

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Die meisten Urlauber suchen sich als Ziel für die schönste Zeit des Jahres moderne Städte, das Meer oder urige Bergdörfer aus. Ablenken, entspannen, fotografieren – dies ist die allgemeine Idealvorstellung eines gelungenen Urlaubs. Der schwarze Tourismus allerdings ist ein Trend, bei dem immer mehr Menschen genau das Gegenteil suchen: Orte, an denen Schlimmes passiert ist.

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Als amerikanisch-britische Produktion thematisiert Chernobyl die Ereignisse der bis zu diesem Zeitpunkt schwersten Atomkraftwerks-Katastrophe der Welt. Die Internet-Bewertungen (96 Prozent auf Rotten Tomatoes und 9,6 Sterne auf IMDb) zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Miniserie gilt als eine der besten aller Zeiten und verweist selbst weltweit gefeierte Produktionen wie Game of Thrones und Breaking Bad auf die Plätze.

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Wie viel Gefahr geht noch vom Kernkraftwerk in Tschernobyl aus?

Tschernobyl war der schwerste Kernkraftwerksunfall der Welt, der die Stadt Pripjat im damaligen Teil der Sowjetunion zur Evakuierung zwang, nachdem sie einer hohen Strahlung ausgesetzt war. Sowjetische Beamte spielten den Vorfall lange Zeit öffentlich herunter. Bis heute arbeiten Wissenschaftler daran, die Auswirkungen der tödlichen Explosion nachzuvollziehen.

Viele von euch haben die Premiere der Miniserie ” Tschernobyl” am 6. Mai 2019 bereits gesehen. Alle die noch nicht mit uns auf einer unserer Reisen nach Tschernobyl dabei waren und trotzdem so ein großes Interesse an der Thematik haben, möchten wir euch die Verantwortlichen während der Katastrophe und deren Schauspieler hier kurz vorstellen. Auch stellen wir euch die entsprechenden Drehorte vor.

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Gedenken an die Helden von Tschernobyl

Die gusseiserne Glocke hängt stumm im steinernen Bogen. An der Mauer darunter steht auf Plaketten eingraviert eine Reihe von Namen. Namen der Menschen, die in den ersten Stunden, Tagen und Wochen unter Einsatz ihres Lebens nach einer der größten Katastrophen der Welt aufgeräumt haben. Das Denkmal erinnert an die Liquidatoren von Tschernobyl.

Tschernobyl, auch heute noch Synonym für den unsichtbaren Schrecken, steht für eine nukleare Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Die Hintergründe der furchtbaren Ereignisse könnt ihr in den Beiträgen Liquidatoren von Tschernobyl – Wettlauf gegen den unsichtbaren Feind und Bis dass der Tod uns scheidet – Das Leben der Einsiedler von Tschernobyl nachlesen.

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