„Atomik“ – Wodka aus Tschernobyl

Ein Team von Wissenschaftlern rund um Professor Jim Smith von der UniversitĂ€t von Portsmouth stellte in einem Experiment mithilfe traditioneller Techniken Alkohol unter Verwendung von Wasser und Getreide aus der Sperrzone von Tschernobyl her. Die Arbeitsgruppe besteht aus Forschern aus Großbritannien und der Ukraine, die seit vielen Jahren in der Sperrzone arbeiten und untersuchen, wie sich das Land seit dem Unfall am 26. April 1986 erholt. Sie hoffen, mit dem Erlös den Gemeinden zu helfen, die noch immer von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sind. Professor Smith beschrieb den Wodka „als die wahrscheinlich wichtigste Flasche Alkohol der Welt.“

Ist der Wodka radioaktiv belastet?

„Er ist nicht radioaktiver als jeder andere Wodka. Wenn etwas destilliert wird, verbleiben viele Stoffe im Abfallprodukt. Wir haben also das leicht kontaminierte Grundwasser aus einem tiefen Grundwasserleiter in der Stadt Tschernobyl genommen und es destilliert. Unsere Kollegen an der UniversitĂ€t von Southampton haben ein erstaunliches radioanalytisches Labor. Wir haben sie gebeten, den Wodka auf radioaktive Stoffe zu testen. Sie konnten nichts finden – alles lag unter ihrer Nachweisgrenze.“, so Professor Jim Smith.

Drei Jahre lang arbeiteten die Wissenschaftler an dem Projekt. Sie untersuchten den Übergang von Radionukliden aus Böden der Sperrzone in Nutzpflanzen, die auf dem Gebiet angebaut wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die im Rahmen des Forschungsprojektes gesammelten Versuchsproben nur eine wenig höhere Strontium-90-Konzentration haben. Im fertigen Produkt wurde nur noch natĂŒrliches Kohlenstoff-14-Radionuklid nachgewiesen, dessen Konzentration nicht höher als in anderen alkoholischen GetrĂ€nken ist.

Warum gerade Wodka?

Zum einen, weil durch die Destillation ein sauberes, nicht kontaminiertes Produkt aus Tschernobyl hergestellt werden kann. Doch laut Professor Smith soll das Projekt ĂŒber dieses Alleinstellungsmerkmal hinausgehen. Er hofft, mit dem Verkauf des Wodkas Gemeinden rund um die Sperrzone unterstĂŒtzen zu können. Seit den 90er Jahren ist er in Tschernobyl tĂ€tig. Seine Arbeit zeigt ihm, wie schwierig die wirtschaftlichen Bedingungen noch immer fĂŒr die Menschen sind, wĂ€hrend sich die Landschaft langsam erholt. „Es gibt Hotspots [in der Sperrzone], aber die Kontamination ist oft auch geringer als in manch anderen Teilen der Welt mit relativ hoher natĂŒrlicher Hintergrundstrahlung. Das Problem der meisten dort lebenden Menschen ist, dass sie nicht die richtige ErnĂ€hrung, keine gute Gesundheitsversorgung und keine Arbeit haben.“, so der Professor.

Die Absicht der Gewinnerzielung sei es, einen Großteil des Geldes an die örtlichen Gemeinden zu verteilen. Der Rest soll in das GeschĂ€ft investiert werden, damit er seinem Team die Möglichkeit geben kann, ein Einkommen durch das Projekt zu erhalten und in Teilzeit weiter daran zu arbeiten. „Denn nach 30 Jahren ist meines Erachtens die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Bereich das Wichtigste und nicht die RadioaktivitĂ€t.“

Er fĂŒgte hinzu, dass er keine PlĂ€ne fĂŒr einen industriellen Getreideanbau habe. Wissenschaftler betonen jedoch, dass es in der Sperrzone viele Gebiete gibt, die heute fĂŒr einen sicheren Anbau genutzt werden könnten, wenn dies unter radioökologischer Kontrolle erfolgt. NatĂŒrlich sollte bei jeder TĂ€tigkeit in diesen Gebieten die Sicherheit oberste PrioritĂ€t haben.

Derzeit arbeitet man an der GrĂŒndung des gemeinnĂŒtzigen Unternehmens „The Chernobyl Spirit Company“, das in naher Zukunft mit der offiziellen Produktion und dem Verkauf beginnen soll. Professor Jim Smith und sein Team hoffen, in diesem Jahr 500 Flaschen produzieren zu können, die zunĂ€chst an die wachsende Zahl von Touristen verkauft werden sollen. Vorher möchten die Wissenschaftler eine kleine experimentelle Produktion starten, doch dafĂŒr mĂŒssen sie erst eine Reihe von rechtlichen Problemen lösen.

Wie schmeckt er?

In einer Londoner Cocktailbar wurde der Wodka getestet. „Es ist eher ein Getreidebrand als ein Wodka, daher hat er mehr fruchtige Noten – man kann aber immer noch den Roggen schmecken.“, sagt Sam Armeye von der Swift Bar in Soho. „Auf jeden Fall kann man einen klassischen Martini daraus machen, aber ich wĂŒrde ihn auch mit Champagner mischen.“

Quelle: www.bbc.com

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive fĂŒr einzigartige Bilder. Wenn ihr die Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite Tschernobyl Reisen alle Infos, die ihr fĂŒr eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt. Und vielleicht probieren wir dann gemeinsam ein GlĂ€schen „Atomik“.

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