Ein scheuer Blick Richtung Westen

Vom 21. bis 30. Juni 2019 fanden in Weißrussland die Europaspiele statt. Nach Baku 2015 war es der zweite Wettbewerb dieser Art in einem autoritär regierten Staat. Dennoch versuchten die Veranstalter, ein positives Bild von ihrem Land zu vermitteln – trotz der engen Verbindung mit Russland ist man um Annäherung an den Westen bemüht. Und tatsächlich merkt man in der Hauptstadt Minsk die Nähe zu Europa stärker als in Moskau. Von den Spielen sollten vor allem die Infrastruktur, Bauunternehmen, Hotel-, Restaurant- und Barbesitzer, Taxifahrer sowie Servicepersonal profitieren. Geht es nach der Regierung, soll Weißrussland für Touristen attraktiver werden. Der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko warb in Berlin im Vorfeld der Spiele für einen Besuch in seinem Land. „Belarus ist kein touristisches Mekka. Wir haben kein Meer, wir haben keine Gebirge, aber ich glaube, Belarus ist eine vielfach unterschätzte touristische Destination. Mit reichem Kulturerbe, mittelalterlichen Schlössern, einmaligen Naturschutzgebieten. Herzlich willkommen in Belarus.“ Laut Sidorenko möchte die Regierung das Land modernisieren, was im Dialog mit seinen internationalen Partnern geschehen soll.

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Auszug aus dem Buch „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch: „Belarus… Wir sind ja für die Welt eine Terra incognita, ein unbekanntes, unerforschtes Land. Von Tschernobyl wissen alle, aber nur in Verbindung mit der Ukraine und mit Rußland. Wir müssen erst von uns erzählen. ‚White Russia‘ (‚Weißes Rußland‘) – so klingt der Name unseres Landes in Englisch.“ (Volkszeitung, 27. April 1996)

Die Sperrzone von Tschernobyl im Norden der Ukraine ist den meisten Menschen auch schon lange vor Ausstrahlung der hochgelobten HBO-Miniserie „Chernobyl“ ein Begriff gewesen. Doch nur die wenigsten wissen, dass es auch in Weißrussland eine solche Sperrzone gibt. Was ist das für ein Ort? Ist die weißrussische Sperrzone mit der ukrainischen vergleichbar? Wie stark ist dieser Ort kontaminiert? Leben dort noch Menschen? Im August 2019 waren wir das erste Mal vor Ort, um uns selbst ein Bild vom „Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiet“, wie das Areal offiziell heißt, zu machen.

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Ein Team von Wissenschaftlern rund um Professor Jim Smith von der Universität von Portsmouth stellte in einem Experiment mithilfe traditioneller Techniken Alkohol unter Verwendung von Wasser und Getreide aus der Sperrzone von Tschernobyl her. Die Arbeitsgruppe besteht aus Forschern aus Großbritannien und der Ukraine, die seit vielen Jahren in der Sperrzone arbeiten und untersuchen, wie sich das Land seit dem Unfall am 26. April 1986 erholt. Sie hoffen, mit dem Erlös den Gemeinden zu helfen, die noch immer von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sind. Professor Smith beschrieb den Wodka „als die wahrscheinlich wichtigste Flasche Alkohol der Welt.“

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