Ein scheuer Blick Richtung Westen

Vom 21. bis 30. Juni 2019 fanden in Weißrussland die Europaspiele statt. Nach Baku 2015 war es der zweite Wettbewerb dieser Art in einem autoritär regierten Staat. Dennoch versuchten die Veranstalter, ein positives Bild von ihrem Land zu vermitteln – trotz der engen Verbindung mit Russland ist man um Annäherung an den Westen bemüht. Und tatsächlich merkt man in der Hauptstadt Minsk die Nähe zu Europa stärker als in Moskau. Von den Spielen sollten vor allem die Infrastruktur, Bauunternehmen, Hotel-, Restaurant- und Barbesitzer, Taxifahrer sowie Servicepersonal profitieren. Geht es nach der Regierung, soll Weißrussland für Touristen attraktiver werden. Der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko warb in Berlin im Vorfeld der Spiele für einen Besuch in seinem Land. „Belarus ist kein touristisches Mekka. Wir haben kein Meer, wir haben keine Gebirge, aber ich glaube, Belarus ist eine vielfach unterschätzte touristische Destination. Mit reichem Kulturerbe, mittelalterlichen Schlössern, einmaligen Naturschutzgebieten. Herzlich willkommen in Belarus.“ Laut Sidorenko möchte die Regierung das Land modernisieren, was im Dialog mit seinen internationalen Partnern geschehen soll.

Weißrussland wurde noch vor einigen Jahren als das „Nordkorea Europas“ bezeichnet. Nun nähert sich der autoritär regierte Staat in kleinen Schritten westlichen Werten an: Das Internet ist frei zugänglich, doch die Nutzer werden überwacht. Oppositionspolitiker dürfen Journalisten aus dem Westen ohne Druck Interviews geben und das selbst in der Öffentlichkeit. Präsident Lukaschenko erlaubt neuerdings die weißrussische Sprache und fördert die Unabhängigkeit seines Landes von Russland. Einige grundlegende Dinge wurden allerdings noch nicht geändert: Die Wahlgesetzgebung wartet noch immer auf eine Anpassung, die Möglichkeiten der Opposition bei Wahlen wurden noch nicht geändert, die Presse ist noch immer nicht unabhängig und es gibt keinen Fortschritt bei den Wirtschaftsreformen.

Osteuropa Reisen mit Urbexplorer.com

Sozialistische Architektur in Minsk

Eine Musterstadt der Sozialisten

Weißrussland hat in seiner Geschichte schon einige Tragödien durchleiden müssen. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten deutsche Faschisten Hunderte Dörfer mitsamt ihren Bewohnern. Dem Krieg fiel jeder vierte Weißrusse zum Opfer. Seit gut 80 Jahren wird das Land von mehr oder weniger extremen Diktatoren beherrscht. Was die Nazis übriggelassen hatten, wurde von den Sowjets dem Erdboden gleichgemacht. Die Zerstörung nutzte man, um aus Minsk eine sozialistische Musterstadt zu machen: Schachbrettartige Straßenzüge, neoklassizistische Wohnblöcke, riesige Plätze und Rasenflächen, breite Fußwege und imposante Prachtbauten prägen das Minsker Stadtbild – die Metropole wirkt wie eine Zwischenwelt aus Europa und der vergangenen Sowjetunion.

Minsk ist trotzt einer Top 10-Platzierung unter den „100 besten Städten Europas“ auch 2019 noch ein weißer Fleck auf der Landkarte vieler Urlauber. Dabei hält die Stadt zahlreiche Angebote von Wellness über Shopping bis hin zum Museumsbesuch parat. Mit über 8,5 Millionen Verlinkungen unter dem Hashtag „#minsk“ ist sie die fotogenste Metropole in den Top 10 des Rankings. Dennoch gilt sie noch immer als Geheimtipp. Pro Jahr besuchen lediglich 0,35 Touristen pro Einwohner die Stadt.

Lenindenkmal in Minsk

Reise nach Weißrussland

Überraschend sauber und grün

Minsk wird als eine der saubersten und grünsten Städte der ehemaligen Sowjetunion bezeichnet. Zigarettenstummel, Plastikbecher oder Papierabfall sucht man auf den Straßen vergeblich. Das Rauchen in der Öffentlichkeit ist nur an ausgezeichneten Stellen gestattet. Vor dem Eingang des Flughafens und dem Fußballstadion ist es untersagt. Die breiten und weitläufigen Straßenzüge sowie die etwas größeren Entfernungen der Sehenswürdigkeiten voneinander laden zum Spazierengehen ein. Die im Zentrum der Stadt gelegene römisch-katholische Kirche des Heiligen Symeon und der Heiligen Helena, eines der Minsker Wahrzeichen, liegt zum Beispiel 2,4 Kilometer vom Siegesplatz mit seinem 40 Meter hohen Obelisken, der an die Gefallenen des Großen Vaterländischen Krieges erinnern soll, entfernt. Auf dem Weg kann man eine Menge Sehenswürdigkeiten entdecken, vom Haus der Gewerkschaft über den Palast der Republik bis hin zum Sitz der weißrussischen Regierung, vor dem noch heute eine riesige Leninstatue steht. Minsk hat ein ganz eigenes Flair und ist durch die außergewöhnliche Mischung aus europäischem und sowjetischem Charme definitiv einen Besuch wert.

Sightseeingtour duch Minsk

Weißrussland Rundreise mit Urbexplorer.com

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive für einzigartige Bilder. Wenn ihr Minsk sowie die weißrussische Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite alle Infos, die ihr für eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt.

Tschernobyl Reservat in Weißrussland

Ehemalige Dorfschule in der Tschernobyl Sperrzone


Auszug aus dem Buch „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch: „Belarus… Wir sind ja für die Welt eine Terra incognita, ein unbekanntes, unerforschtes Land. Von Tschernobyl wissen alle, aber nur in Verbindung mit der Ukraine und mit Rußland. Wir müssen erst von uns erzählen. ‚White Russia‘ (‚Weißes Rußland‘) – so klingt der Name unseres Landes in Englisch.“ (Volkszeitung, 27. April 1996)

Die Sperrzone von Tschernobyl im Norden der Ukraine ist den meisten Menschen auch schon lange vor Ausstrahlung der hochgelobten HBO-Miniserie „Chernobyl“ ein Begriff gewesen. Doch nur die wenigsten wissen, dass es auch in Weißrussland eine solche Sperrzone gibt. Was ist das für ein Ort? Ist die weißrussische Sperrzone mit der ukrainischen vergleichbar? Wie stark ist dieser Ort kontaminiert? Leben dort noch Menschen? Im August 2019 waren wir das erste Mal vor Ort, um uns selbst ein Bild vom „Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiet“, wie das Areal offiziell heißt, zu machen.

Ein (noch) unberührtes Land

Das weißrussische Schutzgebiet erstreckt sich über einen großen Teil der Sperrzone rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Dieses befindet sich nur wenige Kilometer von der ukrainisch-weißrussischen Grenze entfernt. Vor allem durch das Kraftwerk selbst und die Geisterstadt Prypjat hat die Sperrzone von Tschernobyl Berühmtheit erlangt. Doch im Norden erstreckt sich auf weißrussischem Gebiet ein ähnlich großes Areal. Dieses befindet sich in der historischen Region Polesien und darf, wie die ukrainische Sperrzone, nur mit Sondergenehmigung betreten werden, da es vor 33 Jahren vom Großteil des radioaktiven Niederschlags verseucht wurde. Erst dieses Jahr wurde das Gebiet für Touristen geöffnet. Die Regierung hatte einfach kein Interesse daran, kontaminierte Areale für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1988 wurde auf dem Territorium der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR) ein Schutzgebiet eingerichtet, da die Natur die Gegend schnell einnahm und die Polesie-Sümpfe ein hervorragender Lebensraum für viele seltene Tiere sind.

Zwei ungleiche Sperrzonen

Die weißrussische Sperrzone unterscheidet sich sehr von der ukrainischen. Etwa 25 Prozent der Landesoberfläche sind belastet. Hochkontaminierte Gebiete, die für Menschen unzugänglich sind, grenzen an nur gering verseuchte Areale, in denen sogar noch Menschen leben, wodurch ein regelrechter Flickenteppich auf der Karte entsteht. Das Schutzgebiet ist in fünf verschiedene Bereiche unterteilt, von denen die zwei am stärksten kontaminierten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Sperrzone beherbergt ein Museum und ein Touristenzentrum.

Da die weißrussische Sperrzone zum Großteil noch unbekannt ist, gibt es weder Koordinaten noch genaue Karten und interessante Locations warten auf ihre Entdeckung. Hier gibt es wirklich noch etwas zu erkunden. Städte wie Prypjat oder Tschernobyl sucht man allerdings vergeblich, dafür kann man sich auf Dörfer und kleine Städte freuen. Eine Reise in diese Region eignet sich daher eher für Abenteurer, die die ukrainische Sperrzone schon oft besucht haben und etwas Neues, Unbekanntes sehen möchten. Auch im Polesischen Schutzgebiet sind Stalker ein Problem. Während die Strafe für die illegale Einreise in der Ukraine eher symbolisch ist, droht in Weißrussland dafür ein Bußgeld in Höhe von 1.700 Euro. Obwohl die Strahlenbelastung in den meisten Dörfern um ein Vielfaches höher als in der ukrainischen Sperrzone ist (5 – 7 µSv/h) und das Gebiet mit Caesium, Strontium und Americium kontaminiert wurde, geht es der Natur sehr gut. In den Wald- und Sumpfgebieten gibt es einen kaum vergleichbaren Vegetationsreichtum.

Ein Paradies für Flora und Fauna

Zwei Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl entstand am 18. Juli 1988 das Naturschutzgebiet Polesien, eine von Wäldern und Feuchtgebieten geprägte Tieflandregion, die sich über weißrussisches, ukrainisches, polnisches und russisches Territorium erstreckt. Mit über 180.000 Quadratkilometern ist sie rund halb so groß wie Deutschland. Ursprünglich war geplant, Forschungen durchzuführen, um herauszufinden, welche Auswirkungen die radioaktive Strahlung auf die Umwelt hat. Doch nach dem Verschwinden der Menschen entwickelte sich die Natur in einem derart ungeahnten Ausmaß, dass das Sperrgebiet zu einem einzigartigen Naturreservat wurde, in dem sich Flora und Fauna ungestört entwickeln können.

Das Territorium besteht aus zwei Teilen. Der größte Bereich ist das eigentliche Sperrgebiet, auf dem weder eine Besiedlung noch wirtschaftliche Tätigkeiten erlaubt sind. Der zweite Teil wird für experimentelle Zwecke verwendet. Dort werden verschiedene Nutzpflanzensorten angebaut und Pferde gezüchtet. Eine Imkerei und einen kleinen Holzbearbeitungsbetrieb gibt es auch. Wo Menschen nicht mehr leben können, besiedeln mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten das Gebiet. Viele der im Reservat vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste. Es beherbergt mehr als 40 Säugetier-, 70 Vogel- und 25 Fischarten. Es gibt verfallene Meliorationsanlagen, verlassene Acker, Moore sowie Sümpfe, die die Entstehung eines paradiesischen Labyrinths aus Gewässern, Inseln, Sümpfen, Feuchtwiesen und Auwäldern begünstigen.

Das weißrussische Bürokratiemonster

Bevor man das Polesische Schutzgebiet betreten darf, sind viele Genehmigungen einzuholen und viele Dinge zu erledigen – die Einreise muss von den Behörden des Reservats über den staatlichen Sicherheitsdienst bis hin zu den Grenzschutzbeamten genehmigt werden. Bürokratie und Korruption sind in der weißrussischen Sperrzone ebenso präsent wie in der ukrainischen. Bei der Einreise werden die Ausweisdokumente kontrolliert und jeder Besucher in ein Erfassungsbuch eingetragen. Bisher haben einige Hundert Touristen das Schutzgebiet besucht, in der ukrainischen Sperrzone werden es bereits nahezu eine Million gewesen sein.

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive für einzigartige Bilder. Wenn ihr die weißrussische Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite alle Infos, die ihr für eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt.


Ein Team von Wissenschaftlern rund um Professor Jim Smith von der Universität von Portsmouth stellte in einem Experiment mithilfe traditioneller Techniken Alkohol unter Verwendung von Wasser und Getreide aus der Sperrzone von Tschernobyl her. Die Arbeitsgruppe besteht aus Forschern aus Großbritannien und der Ukraine, die seit vielen Jahren in der Sperrzone arbeiten und untersuchen, wie sich das Land seit dem Unfall am 26. April 1986 erholt. Sie hoffen, mit dem Erlös den Gemeinden zu helfen, die noch immer von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sind. Professor Smith beschrieb den Wodka „als die wahrscheinlich wichtigste Flasche Alkohol der Welt.“

Ist der Wodka radioaktiv belastet?

„Er ist nicht radioaktiver als jeder andere Wodka. Wenn etwas destilliert wird, verbleiben viele Stoffe im Abfallprodukt. Wir haben also das leicht kontaminierte Grundwasser aus einem tiefen Grundwasserleiter in der Stadt Tschernobyl genommen und es destilliert. Unsere Kollegen an der Universität von Southampton haben ein erstaunliches radioanalytisches Labor. Wir haben sie gebeten, den Wodka auf radioaktive Stoffe zu testen. Sie konnten nichts finden – alles lag unter ihrer Nachweisgrenze.“, so Professor Jim Smith.

Drei Jahre lang arbeiteten die Wissenschaftler an dem Projekt. Sie untersuchten den Übergang von Radionukliden aus Böden der Sperrzone in Nutzpflanzen, die auf dem Gebiet angebaut wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die im Rahmen des Forschungsprojektes gesammelten Versuchsproben nur eine wenig höhere Strontium-90-Konzentration haben. Im fertigen Produkt wurde nur noch natürliches Kohlenstoff-14-Radionuklid nachgewiesen, dessen Konzentration nicht höher als in anderen alkoholischen Getränken ist.

Warum gerade Wodka?

Zum einen, weil durch die Destillation ein sauberes, nicht kontaminiertes Produkt aus Tschernobyl hergestellt werden kann. Doch laut Professor Smith soll das Projekt über dieses Alleinstellungsmerkmal hinausgehen. Er hofft, mit dem Verkauf des Wodkas Gemeinden rund um die Sperrzone unterstützen zu können. Seit den 90er Jahren ist er in Tschernobyl tätig. Seine Arbeit zeigt ihm, wie schwierig die wirtschaftlichen Bedingungen noch immer für die Menschen sind, während sich die Landschaft langsam erholt. „Es gibt Hotspots [in der Sperrzone], aber die Kontamination ist oft auch geringer als in manch anderen Teilen der Welt mit relativ hoher natürlicher Hintergrundstrahlung. Das Problem der meisten dort lebenden Menschen ist, dass sie nicht die richtige Ernährung, keine gute Gesundheitsversorgung und keine Arbeit haben.“, so der Professor.

Die Absicht der Gewinnerzielung sei es, einen Großteil des Geldes an die örtlichen Gemeinden zu verteilen. Der Rest soll in das Geschäft investiert werden, damit er seinem Team die Möglichkeit geben kann, ein Einkommen durch das Projekt zu erhalten und in Teilzeit weiter daran zu arbeiten. „Denn nach 30 Jahren ist meines Erachtens die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Bereich das Wichtigste und nicht die Radioaktivität.“

Er fügte hinzu, dass er keine Pläne für einen industriellen Getreideanbau habe. Wissenschaftler betonen jedoch, dass es in der Sperrzone viele Gebiete gibt, die heute für einen sicheren Anbau genutzt werden könnten, wenn dies unter radioökologischer Kontrolle erfolgt. Natürlich sollte bei jeder Tätigkeit in diesen Gebieten die Sicherheit oberste Priorität haben.

Derzeit arbeitet man an der Gründung des gemeinnützigen Unternehmens „The Chernobyl Spirit Company“, das in naher Zukunft mit der offiziellen Produktion und dem Verkauf beginnen soll. Professor Jim Smith und sein Team hoffen, in diesem Jahr 500 Flaschen produzieren zu können, die zunächst an die wachsende Zahl von Touristen verkauft werden sollen. Vorher möchten die Wissenschaftler eine kleine experimentelle Produktion starten, doch dafür müssen sie erst eine Reihe von rechtlichen Problemen lösen.

Wie schmeckt er?

In einer Londoner Cocktailbar wurde der Wodka getestet. „Es ist eher ein Getreidebrand als ein Wodka, daher hat er mehr fruchtige Noten – man kann aber immer noch den Roggen schmecken.“, sagt Sam Armeye von der Swift Bar in Soho. „Auf jeden Fall kann man einen klassischen Martini daraus machen, aber ich würde ihn auch mit Champagner mischen.“

Quelle: www.bbc.com

Sehen und verstehen

Mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und Hinterbliebenen besuchen wir als Fotoreisende die Sperrzone von Tschernobyl. Hier bieten sich beeindruckende Motive für einzigartige Bilder. Wenn ihr die Sperrzone mit eigenen Augen sehen wollt, findet ihr auf unserer Seite Tschernobyl Reisen alle Infos, die ihr für eure individuelle Fotoexkursion mit Urbexplorer benötigt. Und vielleicht probieren wir dann gemeinsam ein Gläschen „Atomik“.