Auf einer unserer bisherigen Tschernobyl Reisen bekamen wir im Rahmen unserer Pripjat Stalker Tour die Genehmigung die geheime Militärstadt „Chernobyl 2“ und die gigantische Radarstation Duga 3 zu erkunden. Die einzige Zufahrt zum Gelände der geheimen Militärstadt ist ein holpriger Weg aus aneinander gereihten Betonplatten das mich gleich an die Autobahnen in der ehemaligen DDR erinnert hat. Der Weg führte kilometerweit durch einen dichten Nadelwald der bei Baubeginn dieser Anlage künstlich angelegt wurde. Getarnt war das Gelände als ein Kinderferienlager.

Auf unserer Fahrt passieren wir eine verlassene Bushaltestelle wo uns noch heute der Bär „Mischka“ -das offizielle Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1980- freundlich begrüßt hat. Nach etwa 45 Minuten Fahrt werden langsam im Morgennebel die gewaltigen Umrisse der Radaranlagen sichtbar. Vor einem grünen Tor mit silbernen Sowjetsternen verzierten Tor endet unsere Fahrt. Von hier aus geht es nun zu Fuß auf das geradezu von Mythen umgebene Gelände.

Der Ort trägt viele Namen: “Russian Woodpecker”- für das typische Specht-ähnliche Klopfgeräusch im Radioempfang, “Steel Yard” – als NATO-Codename oder “DUGA-3“ – als Bauartbezeichnung. Um für Verwirrung beim potentiellen Feind zu sorgen, wurde tatsächlich der bescheidene Name “Tschernobyl-2” genutzt. Von der Bauphase des Komplexes Anfang der 70er Jahre bis zur Katastrophe 1986 und einige Jahre danach unterlag die Radaranlage der strengsten militärischen Geheimhaltung. Selbst die Bewohner der 12 Kilometer entfernten Stadt Pripjat wussten nicht genau, worum es sich bei dem Ungetüm, das über den Wald herausragte, tatsächlich handelte. Sie wunderten sich über die riesiegen Kräne, mit Hilfe deren man die stählerne Konstruktion montiert hatte. Parallel entstand eine kompakte Militärsiedlung aus 5-stöckigenWohnblocks für die Familien der bediensteten Spezialisten und Offiziere. Auch einige Jahre nach der Katastrophe wurde die Anlage streng bewacht. Ein entspannter Wachmann macht nach einem kurzen Anwesenheitscheck das Tor auf. Nun beginnt unsere Erkundungstour in eine geheime Welt.


Zwei polnische Urban Explorer haben nach über 30 Jahren Dunkelheit wieder die Geisterstadt Pripjat erleuchten lassen. Die Stadt wurde nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 aufgegeben und evakuiert. Krystian und Adam sind die Gründer des Online-Portals Napromieniowani.pl, das sich mit der Geschichte der Geisterstadt Pripjat und den Auswirkungen des Supergaus beschäftigt. In regelmäßigen Abständen reisen sie in die Sperrzone von Tschernobyl um die Veränderungen während der seit 1986 verlassenen sowjetischen Musterstadt zu dokumentieren.

Auf einer Tschernobyl Tour entschlossen sie sich ein Experiment in Pripjat durchzuführen und packten einen Stromgenerator auf ihre nächste Reise in die Sperrzone ein. Mit diesem Generator versuchten sie die seit 31 Jahren dunklen Lampen in der Geisterstadt Pripjat wieder zum Leuchten zu bringen. Ein sehr ambitioniertes Ziel wie sie sagten, aber ob es geglückt ist?

Die Aktion „Pripjat leuchtet„ wurde fast ein Jahr lang vorbereitet. Die meisten Lampen in den Gebäuden sind nach so langer Zeit größtenteils ohne Funktion, meist liegt es daran das die Plünderer den Kupferdraht gestohlen haben. Hier war das größte Problem Gebäude und Straßen zu finden, wo die elektrische Infrastruktur noch funktioniert.

Durch Zufall entdeckten sie eine Straßenlaterne die für ihr Experiment infrage kam. Es war ein unbeschreibliches Gefühl in dieser verlassenen und dunklen Stadt diesen einzigen, hellen Gelb schimmernden Leuchtturm zu sehen. Erstaunlich war es auch das die Lampe eine mit 250 Watt ungewöhnlich hohe Leistung hatte. Man kann nur erahnen wie hell die Stadt Pripjat damals beleuchtet wurde.

Für ein weiteres Experiment wählten sie eine der unzähligen Schulen in der Geisterstadt aus. „Wir wussten, dass etwas passieren würde, aber wir wussten nicht was“, erinnert sich Adam.

„Für ein paar Sekunden flackerten die Lichter, und dann gingen sie plötzlich zum ersten Mal seit 1986 wieder an. Es war ein unbeschreibliches Gefühl und hier war ich das erste Mal sprachlos „, sagt Krystian.

Einige von Euch fragen sich wahrscheinlich, wie es möglich sein kann das man nach mehr als 30 Jahren Pripjat zum Leuchten bringen kann. Das Geheimnis liegt hier in der Einfachheit der Leuchtstofflampen und Röhren. Denn wenn die Infrastruktur noch immer intakt ist und die Lampen nicht zerschlagen sind, besteht eine hohe wahrscheinlichkeit das diese noch funktionieren. Die beiden Explorer haben fast jeden Winkel der Geisterstadt erforscht. Mit dieser Aktion wollten sie einen Hauch Leben nach Pripjat bringen und beweisen das die Technik noch funktioniert.

Alle reden und schreiben das die Stadt Pripjat seit 1986 unverändert ist, das ist aber totaler Quatsch. Tatsächlich ist die Stadt am auseinander fallen. Das Regenwasser fließt die Wände herab und sammelt sich im Mauerwerk, durch die Frostperioden im Winter platzen die Wände auf und bringen so ganze Gebäude zum Einsturz. Eine weitere Problematik ist das die Sperrzone zunehmend vom Müll verschmutzt wird was die Touristen hinterlassen, gefolgt vom zunehmenden Vandalismus.

„Wir müssen uns beeilen – diese Fotos sind wichtig, denn bald wird niemand sehen können, was wir sehen, also müssen wir die Zeit nutzen, solange wir können.“ sagt Krystian und verabschiedet sich zur nächsten Reise in die Sperrzone.


Auf unserer spannenden Radioactive Nightcore Fotoexpedition erkunden wir an drei Tagen die Sperrzone von Tschernobyl bevor wir in die Nähe von Perwomajsk fahren wo bis in die 1990 ger Jahre an einem als Wetterstation getarnten Ort und mit einem 3000 Volt gesicherten, dreifachen Elektrozaun die sowjetischen Atomraketen stationiert waren. Diese Raketenbasis bestand aus mehreren Kommandoplätzen in deren Silos jeweils 9 Atomraketen standen umgeben von einem 40 Meter tiefen Silo mit der Kommandobrücke. Wir fahren bis zu 40 Meter tief in die Erde hinab um die ehemalige Steuerungszentrale zu erkunden die den Eindruck erweckt als ob man sich in einem Raumschiff befindet. Auf dieser ehemaligen Atomwaffenbasis finden wir auch die berühmte SS-18 die im NATO Code „Satan“ genannt wurde. Diese Rakete hat eine Länge von über 34 Meter und eine Breite von 3 Metern. Die durchschnittliche Reichweite beträgt 16.000 Kilometer.

Die geheime Atomwaffenbasis liegt in einem sehr dünn besiedelten gebiet in der südöstlichen Ukraine. Man erreicht die Basis nur über eine rumpelige Schotterpiste und die nächste Stadt Kirowograd ist etwa 60 Kilometer entfernt. Diese lage war aber so gewollt, denn im Kriegsfall wären die Basen selbst Ziel eines atomaren Angriffs und mussten deshalb fernab der Städte gebaut werden. Außerdem musste das Grundwasser sehr niedrig sein damit die etwa 40 Meter tiefen Silos gebaut werden konnten. Wo die sowjetischen Basen lagen, war ein streng gehütetes Geheimnis. Insgesamt sechs feste Basen und somit neunzig Silos samt Befehlsständen waren über das ganze Land verteilt, außerdem gab es drei mobile Basen die im Gebiet der nördlichen Ukraine und Weissrussland aufgebaut werden konnten.

Am 17. Dezember 1959 gründete die Sowjetunion die Strategischen Raketentruppen und rüstete sich zur Atommacht auf. Die ersten Raketen in Perwomaisk waren vom Typ R-12 und hatten eine Reichweite von 2080 Kilometern. 1962 ließ Nikita Chruschtschow dieselben Raketen auf Kuba stationieren und löste damit die sogenannte Kuba-Krise aus. Von Kuba aus hätten die Raketen in wenigen Minuten Washington erreicht. Die Zielgenauigkeit der R-12 hatte die Armee zuvor geprüft. Der Test trug den Namen „Operation Rose“. Man rüstete die Raketen mit einem leichten Atomsprengkopf aus und brachte sie nach Workuta in Sibirien um spezielle Tauglichkeitstests durchzuführen. Die Raketen waren bis auf 40 Meter zielgenau, was zu dieser Zeit ein großer Erfolg war. Aber die R-12 hatte einen Nachteil. Sie musste vor jedem Start aufgetankt werden, was etwa zweieinhalb Stunden dauert und im Ernstfall verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen würde . Deshalb wurde die R-12 Mitte der sechziger Jahre von der UR-100 abgelöst. Diese war innerhalb von Minuten einsatzbereit.

Auf unserer weiteren Erkundung betreten wir ein unscheinbares Betonhäuschen. Hier befindet sich der Eingang zur unterirdischen Schaltzentrale, wo die Atomraketen abgefeuert worden wären. Beim Betreten der unterirdischen Schaltzentrale fühlt man sich wie in einem James-Bond Krimi. In diesem haus wurde auch eine ausgeklügelte Belüftungsanlage eingebaut. Auf der linken Seite steigen wir eine zwei Meter lange Leiter hinab. Sie führt zu einem schmalen Tunnel. Nach etwa 100 Metern endet der Tunnel an einer Schleuse, die mit zwei dicken Stahltüren gesichert ist, diese konnten damals nur mit einem speziellen Zugangscode geöffnet werden. Hinter der Schleuse wartet ein winziger Fahrstuhl, in den gerade drei Leute hineinpassen. Der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung und wir fahren 45 Meter abwärts vorbei an verschiedenen Etagen des Kommandosilos. Nach einer Weile sind wir mit dem Fahrstuhl auf der Ebene der Kommandozentrale angekommen. Die ist vollgestopft mit Technik und erinnert stark an ein Raumschiffcockpit. Direkt unter der Schaltzentrale, zu erreichen mit einer Metalleiter, befindet sich ein zweiter Raum mit Schlafkojen. In einem Kommandosilo waren immer 3 Offiziere stationiert, die den Raketenpult haben bedienen müssen.

Den geheimnisvollen roten Knopf gab es hier nicht. Im Kriegsfall würde der Abschussbefehl vom Oberkommando der Sowjetarmee aus Moskau kommen. Am Kontrollpult hätte ein Lämpchen aufgeleuchtet und ein Summen wäre ertönt. Auf einem Monitor wäre das Wort „Pusk“ (russisch: Start) erschienen. Der befehlshabende Offizier hätte einen Tresor geöffnet, in dem sich zwei Schachteln mit jeweils zwei Schlüsseln befanden. Ein Schlüssel war für den Befehlshaber, der andere für den Co-Offizier bestimmt. Die beiden hätten die Schlüssel gleichzeitig in die Zündvorrichtung einsetzen müssen.

Danach wäre auf einem anderen Monitor ein sechsstelliger Code erschienen. Dann hätte der Befehlshaber aus dem Oberteil des Tresors eine dritte Schachtel herausgeholt. Darin befand sich ein versiegelter Briefumschlag mit einer weiteren sechsstelligen Zahlenfolge. Wenn deren letzte Ziffer mit dem letzten Zeichen des Codes auf dem Monitor übereingestimmt hätte, wären die Offiziere zum Abschuss der Raketen berechtigt gewesen.

Nur beide Offiziere gleichzeitig hätten die Raketen zünden können. Dazu hätten sie mit der linken Hand den Startknopf gedrückt gehalten. Mit der rechten Hand hätten sie die Zündschlüssel gegen den Uhrzeigersinn um 90 Grad drehen müssen. Diese Prozedur musste zwei Mal erfolgen, nur dann wären die Raketen gestartet. Dieser Ablauf wurde jahrelang geübt. Dem Angriff der Gegner hätte der Bunker leicht standgehalten denn er war ummantelt mit einer dicken Betonschicht und die Kapsel der Kommandobrücke war auf Stoßdämpfern gebaut. Vierzig Tage hätten die Offiziere in totaler Isolation überleben können. Es standen Notrationen bereit, sogar eine Mikrowelle gab es im Bunker. Nach Verbrauch der Vorräte wären die Soldaten in ein Rohr gekrochen und in einer Luftdruckkapsel nach oben geschossen worden. Der Fahrstuhl würde dann wohl nicht mehr funktionieren. Oben hätten sie sich Schutzanzüge übergezogen und wären in die verstrahlte Gegend hinausgegangen. Und was dann? Zum Glück ist es nicht so weit gekommen.


Seit etwa 4 Wochen sind wir alle wieder von unserer Pripjat Silvester 1985 Tour nach Hause zurückgekehrt! Wir begaben uns in das Jahr 1985 um auf eine außergewöhnliche „Silvester“ Fotoexpedition nach Tschernobyl und Pripjat. An zwei Tagern erkundeten wir die zu dieser Jahreszeit menschenleere Sperrzone.

Da es ein wenig geschneit hat herrschte auf unserer Erkundungsroute durch die Zone eine stimmungsvolle winterliche Aura! Dies war eine außergewöhnliche und einzigartige Fotoexpedition in die Sperrzone denn die Lichtverhältnisse in dieser Jahreszeit sind schon eine Herausforderung.

Andererseits haben wir völlig neue Eindrücke aus einer winterlichen und verschneiten Zone mitgenommen. Ich persönlich habe meinen ersten Wolf in meinem Leben gesehen. Die Bilder wurden mir von Nils Konheiser zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Besucht seine Seite unter: Facebook NK Fotografie 

Eine kleine Statistik: Aus welchen Ländern kamen eigentlich die meisten Besucher in die Sperrzone?

Platz 1. Ukraine mit 33,2 %
Platz 2. Polen mit 16,8 %
Platz 3. Großbritannien mit 12,3 %
Platz 4. USA mit 8,8 %
Platz 5. Deutschland mit 7,5 %

Fotogalerie Pripjat Silvester 1985 Tour

VideoClip "Pripjat Silvester 1985 Tour"

Pripjat Silvester 1985 Tour

Mach Dir selbst ein Bild!


Seit Mitte 2014 organisiere ich mit urbexplorer.com spannende Fotoreisen und Expeditionen an vergessene und geheime Plätze dieser Welt. Wenn wir auf Entdeckungsreise mit unserer Kamera sind gieren wir förmlich danach, Orte zu finden, weit ab vom Schuss sind und verborgene geheime Orte die uns überraschen. Wir brechen auf in unbekannte Welten und an Orte die sich auf Karten nicht so leicht finden lassen. Diese Orte sind für uns außergewöhnlich und zugleich völlig real. Auf unserer Pripjat Stalker Tour erkunden wir die Geisterstadt Pripjat.

Die Stadt wurde in den 1960 ger Jahren für die vielen jungen Arbeiter des Kernkraftwerkes im nahegelegenen Tschernobyl erbaut. Die Stadt Pripjat bot zu dieser Zeit für junge Familien zahlreiche Annehmlichkeiten die es an anderen Orten in der damaligen Sowjetunion nicht gab. Doch die glorreiche Geschichte der aufstrebenden sozialistischen Musterstadt endet am 27. April 1986.

Es ist der tag nach der Explosion im Reaktorblock 4 von Tschernobyl. Die etwa 50.000 Einwohner der Stadt wurden über das Ausmaß und die Gefahr die im Zusammenhang mit dem Supergau entstanden ist lange Zeit im Unklaren gelassen. Erst viele Stunden nach der Katastrophe rollten Panzer in Pripjat ein, die eine lange Schlange von etwa 1225 Bussen eskortierten um alle Bewohner schnellstmöglich aus der Stadt zu bringen. 30 Jahre danach ist Pripjat eine unheimliche Geisterstadt. So in etwa stellt man sich „Die Welt danach vor“ .

Wenn du mehr über die Geschichte und Hintergründe erfahren möchtest oder eine persönliche Fotoreportage einiger Teilnehmer unserer Fotoexpeditionen lesen möchtest empfehle ich Dir folgende Links:  ZERSTÖRTES LEBEN – VERLORENE WELT: DIE SPERRZONE UM TSCHERNOBYL – EIN REISEBERICHT von Andrea Johlige oder Fototour Tschernobyl von Georg Schuh.


Nach jahrelangem Aufbau der gigantischen Konstruktion wird nun Ende November an drei Tagen der neue Sarkophag über den havarierten Block 4 des Atomkraftwerkes in Tschernobyl geschoben. Die Gesamtkosten für dieses ambitionierte Projekt belaufen sich auf 35 Millionen Euro. In dieser Zeit wird die „Zone“ für den Besucherverkehr gesperrt sein  um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.  „New Safe Confinement“, das ist der offizielle Name, ist das größte bewegliche Bauwerk der Welt. Seine Höhe beträgt 110 m, die Länge 150 m, einer Breite von 260 m und das Gesamtgewicht beträgt 31.000 Tonnen. Man geht davon aus, dass der neue Sarkophag 100 Jahre standhalten wird.

Im November 2017 wird mit dem Rückbau des alten Sarkophags begonnen.  Dies wird Mithilfe von Kränen die unter dem Dach der neuen Konstruktion montiert sind geschehen. Diese Maßnahmen sind notwendig, weil die alte Konstruktion hochgradig Einsturzgefährdet ist und damit einer erneute Kontamination der Umgebung vorgebeugt werden soll. Bisher ist immer noch völlig Unklar was mit den Tonnen an radioaktivem Staub und Kernbrennstoffen geschehen soll. Diese befinden sich immer noch unter dem Mantel des alten Sarkophag. Das Problem ist das die Strahlung am so genannten „Elefantenfuß“ bis zu 10 Sv/h beträgt. Unter solchen Bedingungen ist eine halbe Stunde ausreichend, um die letale Dosis zu erhalten. Dies würde den Strahlentod innerhalb von 30 Tagen hervorrufen.


Ich veranstalte seit Mitte 2014 sogenannte Lost Places Fototouren, Expeditionen und Fotoreisen nach Polen, Osteuropa, und den Lofoten. Im März 2015 startete die erste Fotoexpedition nach Tschernobyl & Pripjat. Seitdem fahre ich etwa ein mal im Monat in die Sperrzone mit einer Gruppe aus höchstens 14 Teilnehmern.

Bei unserer Fotoexpedition nach Tschernobyl & Pripjat hatten wir die einmalige Möglichkeit an einer geführten wissenschaftlichen Führung durch die Blöcke 1 bis 3 des Kraftwerkes teilzunehmen sowie auf dem Außengelände den Fortschritt an den Arbeiten am neuen Sakrophag zu begutachten. In einem theoretischen Teil bekamen wir an einem Modell des havarierten Block 4 der im Informationszentrum steht eine Chronologie der Entscheidungen die zu dieser fatalen Kettenreaktion geführt haben die den Supergau von Tschernobyl ausgelöst hat. Außerdem bekommen wir einen Einblick in die Funktionsweise des Kraftwerkes und dürfen den Kontrollraum von Bloch 2 betreten.

Wie kam es zum Unfall?

Bereits am 25. April 1986 sollte im 4. Block ein Experiment stattfinden, bei dem überprüft werden sollte, ob die Turbinen bei einem kompletten Stromausfall im Kraftwerk noch genügend Strom liefern können, um die Notkühlung des Reaktors zu gewährleisten. Um das Experiment unter realistischen Bedingungen stattfinden zu lassen, wurde das Notprogramm „Havarieschutz“ abgeschaltet, in dem alle wichtigen Sicherheitseinrichtungen wie die Notkühlung und das Einfahren der Bremsstäbe zusammengefaßt sind. Doch der Beginn des Experiments wurde verschoben, so dass die unvorbereitete Nachtschicht des 26. April die Durchführung eines Experiments übernahm, dessen Versuchsanordnung den Reaktor praktisch schutzlos gemacht hatte.

Eine Kette fataler Entscheidungen

Durch einen Bedienungsfehler des unerfahrenen Reaktoroperators Leonid Toptunow fiel kurz vor Beginn des Experiments die Reaktorleistung stark ab. Um sie wieder anzuheben, entfernten die Operatoren Bremsstäbe (mit denen die atomare Kettenreaktion kontrolliert werden kann) und unterschritten dabei die zulässige Minimalgrenze von 28 Stäben. Damit war der Reaktor noch schwerer zu beherrschen und in einem gefährlichen Sicherheitszustand.

1.22:30 Uhr

Dennoch befahl der Stellvertretende Chefingenieur des Kraftwerks, Anatolij Djatlow, den Beginn des Experiments. Dabei schalteten die Operatoren zu viele Kühlpumpen zu, so dass der mit wenig Leistung arbeitende Reaktor das ihn umfließende Wasser nicht mehr verdampfen konnte. Das Wasser begann aufzukochen, und erste hydraulische Schläge waren zu hören. Akimow, der Schichtleiter, und Toptunow wollten den Test abbrechen, doch Djatlow trieb sie weiter an. Dabei sprach er die historischen Worte: „Noch ein, zwei Minuten, und alles ist vorbei! Etwas beweglicher, meine Herren!“

1.23:04 Uhr

Als die Bedienungsmannschaft nun den Strom abschaltete und nur die Auslaufenergie der Turbine die Wasserpumpen antrieb, wurde wieder weniger Kühlwasser durch den Reaktorkern gepumpt. Das Wasser wurde heißer, erreichte aber nur die Siedetemperatur. Da der Reaktor nur bei verdampfendem Kühlwasser ausreichend gekühlt werden kann, begann seine Leistung anzusteigen.

1.23:40 Uhr 

Spätestens an dieser Stelle wäre der Havarieschutz komplett angelaufen und hätte die Katastrophe verhindert, aber er war ja abgeschaltet. Als Akimow den sprunghaften Leistungsanstieg im Reaktor bemerkte, löste er um 1.23:40 Uhr den Havarieschutz manuell aus. Sofort wurden alle Bremsstäbe, die sich nicht in der aktiven Zone befanden, eingefahren (über 200 Stück!). Doch genau an diesem Punkt entblößte der Reaktor seinen gravierendsten Konstruktionsfehler: Die Einfahrgeschwindigkeit der Bemsstäbe ist viel zu niedrig, deutlich langsamer als in westlichen Kernkraftwerken. Außerdem befinden sich an der unteren Spitze der Bremsstäbe Graphitköpfe, welche die Kettenreaktion nur noch beschleunigen. Das Einfahren der Bremsstäbe soll die Kettenreaktion aber stoppen. Auf diesem Konzept beruht der Sicherheitsmechanismus jedes Kernkraftwerks. Der Konstruktionsfehler führte aber genau zum Gegenteil. Da die Graphitspitzen zuerst eingeführt wurden, erhöhte sich die Leistung für einen Moment sprungartig – der letzte Schub, der „Todesstoß“ für den außer Kontrolle geratenen Reaktor.

Fatalerweise hatten sich durch die ungeheure Hitze im Reaktorkern auch noch die Kanäle der Bremsstäbe verformt, und die Bremsstäbe verklemmten sich unwiderruflich. Es waren beinahe nur die reaktionsbeschleunigenden Graphitköpfe im Reaktor. Die Katastrophe war nicht mehr zu verhindern. In der aktiven Zone begann eine chemische Reaktion zwischen dem Zirkonium, das die mitllerweile geborstenen Brennstoffkammern umhüllt, und dem Dampf. Es bildeten sich Wasserstoff und Sauerstoff – Knallgas!

1.23:58 Uhr

Nun zerriß eine mächtige Knallgasexplosion den Reaktor und alles, was ihn umgab. Ein großer Teil des radioaktiven Reaktorinhalts wurde nach draußen geschleudert. Glühende Teile entzündeten die Teerdachpappe der Dächer des Maschinenhauses und des benachbarten 3. Blocks. Nur der heldenhafte Einsatz von Feuerwehrleuten und Kraftwerksmitarbeitern verhinderte in dieser Nacht eine noch größere Katastrophe. Bei der Explosion wurden zwei Männer durch herabstürzende Trümmer erschlagen. In den Wochen nach der Katastrophe starben noch weitere 30 Menschen. Sie erlagen der gewaltigen Strahlung, der sie bei ihren Rettungsarbeiten ausgesetzt waren. Unter ihnen sind Feuerwehrleute, die Operatoren Akimow und Toptunow sowie Mitglieder des Betriebspersonals des Kraftwerks.

In den folgenden Monaten kamen sogeannte „Liquidatoren“ nach Tschernobyl (Soldaten, Studenten und „Freiwillige“), die das Kraftwerk dekontaminierten, weitere Gefahrenquellen eliminierten und schließlich den Sarkophag umbauten, der heute den explodierten 4. Block umschließt. Die Zahlenangaben zu den eingesetzten Personen schwanken zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Menschen.

Die Errichtung des Sarkophags wurde von den Liquidatoren unter Opferung ihrer Gesundheit schon wenige Wochen nach dem Unfall in Angriff genommen und im November 1986 abgeschlossen. Die in aller Eile errichtete, massive Beton-Stahl-Konstruktion ist über die Jahre instabil geworden und stellt heute eine riskante Situation dar. Zahlreiche Reparaturen wurden bereits durchgeführt, unter anderem die Stabilisierung des Ventilationssystems, das Verschliessen von Löchern und eine Verstärkung der Dachkonstruktion. Dennoch wurde parallel ein Plan ausgetüftelt, mit dem eine zweite, stabile Sarkophagkonstruktion über die bereits bestehende Schutzhülle gezogen werden soll. Diese ambitionierte Vision der Ingenieure ist nun bald fertiggestellt. Neben der Reaktorruine entstand eine bogenförmige Stahlkonstruktion mit einer Breite von 245 Metern, einer Länge von 144 Metern und einer Höhe von 86 Metern, ein Bauwerk, doppelt so groß wie der Kölner Dom. Auf Schienen wird die Konstruktion dann über den alten Sarkophag geschoben und an den Seiten verschlossen werden. Die Arbeiten an der Infrastruktur sind in der Endphase, im Jahr 2017 soll der Stahlgigant fertig sein und die Tschernobyl-Ruine endgültig und für alle Zeit begraben. (Quelle: teilweise reyl.de)


Ich veranstalte seit Mitte 2014 sogenannte Lost Places Fototouren, Expeditionen und Fotoreisen nach Polen, Osteuropa, und den Lofoten. Im März 2015 startete die erste Fotoexpedition nach Tschernobyl & Pripjat. Seitdem fahre ich etwa ein mal im Monat in die Sperrzone mit einer Gruppe aus höchstens 14 Teilnehmern.

Bevor wir in die Sperrzone fahren verbringen wir einen Tag in Kiew. Hier machen wir eine interessante Sightseeing Tour als sogenannten Fotowalk. Abends fahren wir gemeinsam zum Majdan, hier werden wir von einem Zeitzeugen begleitet der bei den Unruhen 2014 an vorderster Front dabei war und uns spannende Hintergrundinformationen geliefert hat.

Ein paar Eindrücke unserer Teilnehmer und Fotos „Hinter den Motiven“ von der Pripjat Stalker Tour im Juni 2016.  Alle Infos zur Fotoexpedition Pripjat Stalker Tour findet Ihr HIER

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Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus dass die Vegetation rund um den havarierten Reaktorblock in Tschernobyl für immer zerstört wurde, und die Flora & Fauna für immer ausgelöscht. Doch es gibt mittlerweile neues Leben in der Sperrzone wie beispielsweise Mäuse, die keine sichtbaren Veränderungen am Körper zeigen, und sich scheinbar bester Gesundheit erfreuen, eine vom Aussterben bedrohte Wildpferderasse, die sich munter weiter fortpflanzt und Birkenwälder, die ganze Dörfer verschlingen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten nach dem Supergau hat die Natur von Tschernobyl wieder Besitz ergriffen, Pflanzen und Bäume wuchern in verlassenen Dörfern und Siedlungen, wilde Tierarten wie Wölfe, Bären, Füchse und Luchse haben in den tiefen Wäldern an der weißrussischen Grenze und in den verlassenen Dörfern Zuflucht gefunden. Vögel nisten auf den Hochhäusern in der Geisterstadt Pripjat. Dabei scheinen sie alle gesund zu sein, und keine sichtbaren Veränderungen aufzuweisen. Forscher fanden heraus, dass eine geringe Strahlenbelastung über längere Zeit, Gene in den Tieren und Pflanzen aktiviert, die in der Lage sind, freie Radikale zu binden. Schlimmer ist also eine kurze, höhere Strahlenbelastung, die kurz nach dem Reaktorunglück das Leben in Tschernobyl auslöschte.

Es sind aber nicht alle Tiere in der Lage, trotz Strahlung zu überleben. Schwalben zum Beispiel, die als Zugvögel nach Afrika fliegen und wieder zurück, verbrauchen auf dem Weg viele lebenswichtige Antioxidantien. Diese sind aber notwendig, um sich gegen die Strahlung zu wehren. So ist die Missbildungsrate bei Schwalben sehr hoch und nur 70 Prozent überleben den Winter. Sie haben zudem auch eine kürzere Lebenserwartung als Populationen außerhalb der Sperrzone.

Unglaublich erscheint auch die Geschichte der Przewalski-Pferde, einer asiatischen Wildpferderasse, die nun in der 30 Kilometer Zone in Tschernobyl lebt und sich immer weiter fortpflanzt, obwohl diese eigentlich dem Tode geweiht waren. Diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse, von denen es weltweit nur noch ca. 2000 Exemplare gibt, stammt aus einem Naturschutzgebiet im Süden der Ukraine. Im Herbst 1998 entschieden Verantwortliche des Tierreservoirs, die 21 alten und schwachen Pferde in der Sperrzone auszusetzen, in dem Bewusstsein , dass die Tiere dort keine Chance mehr haben würden.

Heute leben dort etwa 40 Nachkommen der zum Tode Geweihten und erfreuen sich bester Gesundheit. Forscher vermuten, dass ihre schnelle Verdauung den radioaktiv verstrahlten Gräsern nicht mehr so viel Zeit lässt, um Schäden an den Zellen zu hinterlassen. Die wilden Pferde verfügen zudem über 66 Gene, wohingegen domestizierte Pferde nur 64 Gene besitzen. Auch hier spekulieren die Wissenschaftler auf einen Zusammenhang mit der hohen Widerstandskraft der Tiere. Sie hoffen, ihre Erkenntnisse auf Menschen übertragen zu können, um zum Beispiel die negativen Auswirkungen einer Chemotherapie durch eine längere und dafür mildere Strahlung zu minimieren. (Quelle: UNI.de)


Ein ziemlich unbekanntes Online-Nachrichtenportal aus dem Emsland das als bisherige journalistischen Meisterleistungen das „Absenken von Gullideckeln in Buxtehude und das Entlaufen von Hühnern in Kotzenbüll“ (ein wirklich existierendes Dorf in Nordfriesland) als Breaking News vermeldete möchte jetzt in den Presseolymp aufsteigen. Als Beispiel wird sich hier die Onlinestrategie eines großen Onlineportals herangezogen. Jeder erinnert sich wohl an die veröffentlichten Meldungen von „Schlägern in der U-Bahn“ als Fahndungsafruf die meist südländisch aussehende Jugendliche abbildeten. Meist waren die Artikel mehrere Jahre Alt. Der Zweck bestand einzig darin diese Artikel von Zeit zu Zeit bei Facebook zu posten um „Content“ auf der Seite zu generieren. Auf diesen Zug möchte nun auch das winzig kleine Nachrichtenportal aus dem Norden aufspringen und mit einer Reportage aus Tschernobyl am großen journalistischen Rad drehen. Aufgebaut als Reisebericht eines unbedarften Teilnehmers der meiner Meinung nach die Fotoexpedition nach Tschernobyl mit einer Pauschalreise nach Malle verwechselt hat soll nun in einer Reportage über jeden Expeditionstag berichtet werden. Als Ankündigung erschien vor einigen Wochen die riesige Überschrift „ABGEZOCKT in Tschernobyl“! Damit soll natürlich eine breite Aufmerksamkeit angezogen werden und ganz subtil einen massiven finanziellen Verlust beim Teilnehmer suggerieren um darauf zu schließen das der Veranstalter wohl nicht ganz „koscher“ ist. Am Ende entpuppte sich dies als heiße Luft denn wenn man „Lesen“ kann und dazu noch den Vertrag komplett studiert hat, ist man halt Klar im Vorteil. In Berlin bei der Abfahrt wurde vom Teilnehmer moniert das der Veranstalter Ihn nicht die 50 Meter am Treffpunkt an die Hand genommen hat und sicher zum Bus auf die gegenüberliegende Straßenseite begleitet hat. Es gab leider zu dieser Zeit keinen freien Parkplatz am genauen Treffpunkt deshalb musste dieser Abseits parken. Am Ende ärgere ich mich das ich diesem Teilnehmer kein Zugticket gekauft habe so wie er es sich gewünscht hat, so wäre mir vieles erspart geblieben. Fortsetzung folgt…

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Natürlich möchte ich euch nicht das Feedback einer Teilnehmerin vorenthalten die schon mehrmals mit diesem „zwielichtigen“ Veranstalter unterwegs war.

Abgezockt in TschernobylAbgezockt in Tschernobyl

Fortsetzung folgt….